Coronavirus in Berlin

Zentrale Informationen der Berliner Verwaltung zum Coronavirus finden Sie unter:

berlin.de/corona

NACHHALTIGKEITSBERICHT 2003 – DIE STADT ALS ZENTRALER LEBENSRAUM

Pressemitteilung vom 08.07.2003

Aus der Sitzung des Senats am 8. Juli 2003:

Der Senat hat auf Vorlage von Stadtentwicklungssenator Peter Strieder den Nachhaltigkeitsbericht 2003 beschlossen.

Senator Strieder: „In der Europäischen Union leben schon heute über 80 % der Menschen in Städten, weltweit sind es über 60 %. In unserem Jahrhundert erlebt die Stadt in ihrer Urbanität und Dichte eine gewaltige Renaissance, auf die Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur reagieren müssen. Städte sind und werden nicht nur Wohn- und Arbeitsstätten sein. Sie werden immer mehr zu Orten der Kommunikation, des Austausches, der Kultur, der sozialen und ethnischen Vielfalt. Sie auch zu Orten werden zu lassen, in denen man sich angstfrei bewegen kann, in denen man sich gerne aufhält und lebt, ist daher eine Schwerpunktaufgabe.
Während sich die Diskussion in vergangenen Jahren und Jahrzehnten auf Umweltschutzprobleme wie Smog, Waldsterben, saurer Regen oder die Auslaugung der Böden konzentrierte, muss man diesen Rahmen heute viel weiter fassen und alle gesellschaftsrelevanten Bereiche mit einbeziehen. Anders als bei früheren Umweltschutzberichten geht es heute um Nachhaltigkeit. So wird in dem vorliegenden Nachhaltigkeitsbericht 2003 Berlin unter sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Aspekten gleichermaßen betrachtet.“

Aus diesem Grund behandelt der Nachhaltigkeitsbericht 2003 auch eine vielseitige Themenpalette. Neben den klassischen Umweltthemen wie Boden, Wasser, Luft, Lärm, Abfall und ökologischem Stadtumbau werden gleichberechtigt Fragen der Verkehrsplanung, des Denkmalschutzes, des Wohnungsbaus und der Sanierung und Instandsetzung von Wohnungen sowie der Stadtentwicklung betrachtet und analysiert. Somit ist dieser Bericht eine Übersicht über die ökologische Entwicklung unserer Stadt und stellt – auch im Vergleich zu anderen großen Städten – Ergebnisse dieses Nachhaltigkeitsprozesses dar.

Das gilt in besonderem Maße für den Klimaschutz. Die aus dem Energieverbrauch errechenbaren realen Kohlendioxid-Emissionen verringerten sich seit 1990 um 15 %. Werden die klimabereinigten Daten zugrunde gelegt, ergibt sich eine noch stärkere Minderung. Mit dieser Entwicklung liegt Berlin weltweit im Spitzenfeld vergleichbarer Städte.

Die Berliner Luft ist in den letzten Jahren erheblich sauberer geworden. Erreicht wurde das durch Verbesserungen bei Heizungen und bei Anlagen in Industrie und Gewerbe: Heizungen und gewerbliche Feu-er-ungsanlagen wurden von Kohle auf emissionsarme Brennstoffe wie Gas und leichtes Heizöl umgestellt, in Industrie und Gewerbe verringerten neue Technologien wie die Rauchgasreinigung bei Kraftwerken und die Stilllegung älterer Anlagen die Emissionen.

Gleichzeitig ist indes die Luftver-schmutzung durch den Verkehr immer stärker in den Vordergrund ge-rückt – obwohl auch hier durch strenge stufenweise Emissionsbe-gren-zungen für neue Kraftfahrzeuge und umweltfreundlichere Kraftstoffe be-reits viel erreicht wurde.

Ebenfalls bleibt der Verkehr, und hierbei wiederum vor allem der motori-sierte Individualverkehr, Hauptverursacher von Lärm in der Stadt. Im Vergleich zum Verkehr sind die weiteren Lärmquellen eher nachrangig: die anhaltende Bautätigkeit, die wachsende Zahl sportlicher und kultureller Großveran-staltungen, Sport- und Freizeitanlagen oder Industrie und Gewerbe, deren Einfluss durch den Strukturwandel eher rückläufig ist.

Berlin ist eine der wenigen großen Städte, die ihre Wasserversorgung aus dem eigenen Gebiet heraus sicherstellen. Die Sicherung eines ausreichenden Trinkwasserreservoirs ist daher auch für die Zukunft eine der dringlichsten umweltpolitischen Aufgaben. Weil das Uferfiltrat großen Anteil an der Trinkwasserförderung hat, wird die Qualitätssicherung des Ober-flächenwassers zur Hauptaufgabe der Wasserwirtschaft.

Die Belastung der Gewässer hat sich spürbar verringert. Die Einleitungen aus Berliner Kläranlagen und aus der Misch- und Trennkanalisation gingen zurück und lagen deutlich unter den Ein-trägen, die über die natürlichen Zuflüsse nach Berlin fließen. Auch hier haben sich die Frachten indes reduziert.

In den Jahren nach der Wiedervereinigung hat Berlin große Anstrengungen zur Aufwertung von Wohnraum unternommen. Dabei wurden Maßnahmen zur Modernisierungs- und Instandsetzung an fast 600.000 Wohnungen durchgeführt, von denen 30 % energetisch relevante Bauvorhaben – insbesondere zur Verbesserung der Wärmedämmung und zum Einbau moderner Heizungssysteme – waren.

Aufgrund der demographischen Entwicklung ist in Berlin nicht nur ausreichend Wohnraum vorhanden, zum ersten Mal in der Geschichte unserer Stadt gibt es einen großen Wohnungsleerstand. So erfreulich diese Entwicklung hin zum Mietermarkt ist, müssen wir uns auf der anderen Seite mit den damit verbundenen wohnungswirtschaftlichen Problemen auseinander setzen. In einigen Gebieten der Stadt werden wir aus diesen Gründen um den Abriss von Wohnungen und Gemeindebedarfsgebäuden nicht herumkommen.

Der Abriss einzelner Gebäude bietet aber auch die Chance zur städtebaulichen Aufwertung des öffentlichen Raums in dicht besiedelten Wohnorten und kann somit Grundstein für eine nachhaltige Entwicklung des Quartiers sein.

Auch die Denkmalpflege leistet einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung unserer Stadt. Das Bewahren, der Schutz und das Wieder-mit-Leben-Füllen historischer Bausubstanz spart Material, Energie und vermeidet neue Bauschuttberge. Bei vielen historischen Plätzen, Parks und Gärten hat die Denkmalpflege in den letzten Jahren Versiegelung verhindert, teilweise sogar vorhandene beseitigt.

Nachhaltigkeit im Verkehr ist eine Querschnittsaufgabe. So kann eine innovative Verkehrsplanung zwischen ökologischen (saubere Luft, weniger Lärm, weniger Abgase), ökonomischen (Optimierung des Wirtschaftsverkehrs) und sozialen Zielsetzungen (Mobilität und Sicherheit) vermitteln. Negativ schlug hier Ende der 90er Jahre eine rückläufige Fahrgastentwicklung im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu Buche. Die Erfahrungen haben gezeigt: Eine Verkehrspolitik, die sich auf kostenaufwendige Erweiterungen des Straßen- und Schienennetzes beschränkt, ist zum Scheitern verurteilt. Eine gezielte Tarifpolitik mit innovativen Angeboten dagegen macht die ÖPNV-Nutzung attraktiver. Bestes Beispiel sind die erfolgreichen Tarifangebote für Schüler, Studenten, Auszubildende und das Geschwisterticket. So konnten die Fahrgastzahlen im Jahr 2000 stabilisiert werden und sind im Jahr 2001 wieder gestiegen. Der heute ebenfalls vom Senat verabschiedete Stadtentwicklungsplan Verkehr setzt sich mit dieser Problematik auseinander und stellt ebenfalls neue mittel- und langfristige Konzepte unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit vor. – - -

Rückfragen:
Sprecher des Senats / Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
Telefon: 9026-3200 / 9012-5800
E-Mail: oeffentlichkeit @senstadt.verwalt-berlin.de