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WOWEREIT ERÖFFNET ERNST-REUTER-AUSSTELLUNG IM ROTEN RATHAUS

Pressemitteilung vom 22.09.2003

Sperrfrist: 18.00 Uhr
Es gilt das gesprochene Wort!

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, eröffnet am Montag, 22. September 2003, um 18.00 Uhr die Ernst-Reuter-Ausstellung im Roten Rathaus. Er führt in seiner Rede laut Manuskript unter anderem aus:

„Große Politiker wachsen nicht auf Bäumen. Größe zeigt sich in historischen Situationen, die besondere Herausforderungen bereithalten. Wenn Mut gefordert ist, Klarheit, Weitsicht, Verantwortungsbewusstsein, Entschlossenheit, aber auch Großmut und Güte.

Ernst Reuter hat all diese Qualitäten im Übermaß besessen. Weitere kamen hinzu: Bescheidenheit und Hingabe an das Gemeinwesen, dem er diente.

All dies können wir sehen, wenn wir durch diese Ausstellung gehen, die das Landesarchiv Berlin in Zusammenarbeit mit der Senatskanzlei zusammengestellt hat.

Jedes Foto zeigt den ganzen Ernst Reuter. Er besaß ein Charisma, das heute selten geworden ist. Ich würde es ‚sehr preußisch‘ nennen, eine Schlichtheit, die majestätisch wirkt. Große Posen waren ihm zuwider. Baskenmütze und Stock, manchmal eine Zigarre – sonst nichts. Ernst Reuter wirkte immer wie einer aus dem Volk. So war er auch und doch auch wieder nicht.

So kurz nach dem Krieg stand Ernst Reuter nicht für den ganz normalen Deutschen, für den Mitläufer oder Täter. Ernst Reuter verkörperte ein besseres Deutschland.

Er hatte vor den Nationalsozialisten, die ihn gedemütigt, geschlagen und mehrfach eingesperrt haben, fliehen müssen.

Er hatte Geschichte erlebt und erlitten, war im 1. Weltkrieg, an dem er nur widerwillig teilnahm, schwer verwundet worden und in russische Kriegsgefangenschaft geraten.

Er hatte Zeit seines Lebens allen dogmatischen Versuchungen getrotzt.

Die SPD, deren Mitglied er war, enttäuschte ihn wegen ihrer Zustimmung zu den Kriegskrediten. Vom Kommunismus, den er als russischer Kriegsgefangener schätzen lernte, wandte er sich ab, als dieser seine unmenschliche Seite zeigte.

Wenn man auf Ernst Reuters Biographie zurückschaut, dann beeindruckt vor allem sein bedingungsloses Festhalten am Ideal einer friedlichen und humanen Gesellschaft – das schloss in den bewegten Zeiten zwischen den Weltkriegen wechselnde Parteizugehörigkeiten durchaus ein.

Ernst Reuter war unabhängig im besten Sinne des Wortes. Stets blieb er sich und seinen Überzeugungen treu. Er sah sich selbst als ersten Diener seiner Ideale. Und diese Ideale mussten gelebt werden. Ernst Reuter versah den Beruf des Politikers mit außergewöhnlicher Leidenschaft. Das war seine Berufung.

So etwas sagt man heute schnell. Aber damals hielt das Leben eines Politikers ganz andere Beschwernisse und Prüfungen bereit als heute. Ernst Reuter hat sie mit Bravour bestanden. Sein Lebensweg zeigt – allen äußeren Wendungen und Brüchen zum Trotz – eine Geradlinigkeit und Entschlossenheit, die seine Feinde fürchteten und selbst seinen Verbündeten mitunter unheimlich war.

Daraus erwuchsen seine Stärke und seine Überzeugungskraft, die den Berlinerinnen und Berlinern in schwerer Stunde Mut und Vertrauen einflößte. Es ist die Zeit der Blockade, die wohl auf immer mit Ernst Reuters Namen verbunden bleibt.

Bei großen Politiker ist es oft ein einziger Satz, eine Geste, die besonders in Erinnerung blieb. Man denke nur an Willy Brandts Kniefall vor dem Denkmal für die Gefallenen des Warschauer Ghettos. Oder an John F. Kennedys Worte: ‚Ich bin ein Berliner!‘

Auch bei Ernst Reuter gab es diesen einen Satz, an den man sich auch Jahrzehnte danach noch erinnert: ‚Völker der Welt, schaut auf diese Stadt‘. Aber fast mehr noch in Erinnerung blieb der Klang seiner Stimme. In ihr lag große Sorge, aber auch äußerste Entschlossenheit. Die Völker der Welt, an die sich Reuter wandte, schauten auf diese Stadt. Sie erkannten, dass Berlin ein Vorposten der freien westlichen Welt war, den es entschlossen zu verteidigen galt.

Und heute wissen wir, dass ohne diese Entschlossenheit, die Ernst Reuter vorlebte, so wie sie später von Willy Brandt und John F. Kennedy vorgelebt wurden, die Einheit in Frieden und Freiheit nicht zu erreichen gewesen wären.

Darin liegt Ernst Reuters historischer Verdienst.

Und wenn wir heute im Roten Rathaus im ehemaligen Ostteil der Stadt mit einer Ausstellung an diesen großen Mann erinnern, der vor 50 Jahren gestorben ist, dann hat sich ein Vermächtnis erfüllt.

Ich danke dem Berliner Landesarchiv, allen voran seinem Direktor, Herrn Dr. Wetzel, sowie Herrn Dr. Viergutz, für diese schöne Ausstellung.

Ich wünsche der Ausstellung viele Besucher. Auf dass die Völker Berlins auf diesen Mann schauen.“ – - -

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