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SCHMITZ: WIR VERGESSEN NICHT, WAS BRANDT FÜR BERLIN GUTES GETAN HAT

Pressemitteilung vom 18.12.2003

Es gilt das gesprochene Wort!

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Chef der Senatskanzlei des Landes Berlin, Staatssekretär André Schmitz, hielt bei der Enthüllung der Gedenktafel an den früheren Regierenden Bürgermeister und Bundeskanzler Willy Brandt an dessen ehemaligem Wohnhaus im Marinesteig in Berlin-Schlachtensee laut Manuskript die folgende Rede.

Schmitz sagte u.a.: “Kaum ein Mensch hat die Geschichte Berlins im 20. Jahrhundert auf so friedliche und gute Weise geprägt, wie der Mann, den wir an seinem heutigen 90. Geburtstag in vielfältiger Weise rühmen und ehren. Kaum jemandem verdankt die Stadt so viel Hoffnung und Perspektive. Und wie kein zweiter hat Willy Brandt mit Erfolg daran gearbeitet, Berlins guten und durch die Nazis so unendlich besudelten Namen und Ruf wieder herzustellen.

Der Bogen seines Lebens band Willy Brandt an diese Stadt. 1933 wurde er gezwungen, sein Vaterland zu verlassen, nachdem den Nazis in der Reichshauptstadt Berlin die Macht übertragen wurde. 1945 kehrte er als norwegischer Presseoffizier nach Berlin zurück. Hier wurde er zum Vater seiner Kinder, hier war er Bürgermeister in bewegter Zeit. Hier in Berlin musste Willy Brandt tief erschüttert mit ansehen, wie seine Stadt durch den Bau einer Mauer geteilt wurde. Hier legte er mit seiner Politik der kleinen Schritte, die während der Teilung viele menschliche Erleichterungen für die Berlinerinnen und Berliner brachten, den Grundstein für die Friedens- und Entspannungspolitik, die später zum Wesensmerkmal seiner Kanzlerschaft wurde. Hier in Berlin fiel die Mauer zu seiner großen Freude in sich zusammen, hier sah er, wie zusammenwuchs, was nach seiner Sicht zusammengehörte.

Es sind Momente, man kann durchaus sagen, weltgeschichtlicher Natur, Bilder, die um die Welt gingen, die uns Willy Brandt bis heute wie einen Lebenden erscheinen lassen. Wir haben in diesem Sommer an jenen Moment gedacht, an dem der junge Bürgermeister zusammen mit dem amerikanischen Präsidenten Kennedy im Triumphzug durch das geteilte Berlin fuhr. Das ist eines jener Bilder, die wir nie werden vergessen können. Ebenso wenig wie jenes Bild vom Kniefall in Warschau. Gesten, das hat uns Willy Brandt auf eindrucksvolle Weise gezeigt, können manchmal mehr sagen und mehr bewegen als tausend Worte.

Ein anderes Bild zeigt Willy Brandt, wie er im November 1989 am Rathaus Schöneberg steht, und einer begeisterten Menschenmenge Hoffnung auf eine bevorstehende Wiedervereinigung macht. ‘Berlin wird leben und die Mauer wird fallen’, rief er am 10. November 1989. Und was damals noch wie eine ferne Vision anmutete, ist heute alltäglich gelebte Realität.

Wir haben Willy Brandt unendlich viel zu verdanken. Wir werden nicht vergessen, was er für dieses, für unser Berlin Gutes getan hat. Als er im Oktober vor 11 Jahren starb, da sah man viele Menschen in Berlin weinen, so wie damals, als er 1974 seinen Rücktritt bekannt gab. Er konnte wie kaum ein anderer, Emotionen in den Menschen wecken. Willy Brandt zählt zu den größten Staatsmännern, die unser Land hervorgebracht hat. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Ich darf mich heute zum Abschluss bei all jenen bedanken, die sich um das Gedenken an Willy Brandt verdient gemacht haben. Heute gilt mein Dank der Historischen Kommission, die mit Gedenktafeln in der Stadt an das Wirken bedeutender Persönlichkeiten erinnert – von nun an hier am Marinesteig 14 auch an Willy Brandt. Ich danke der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung für die Unterstützung und ich danke der Deutschbau, die sich als Eigentümerin dieses Anwesens spontan bereit erklärte, ebenfalls einen Beitrag zum Gedenken an Willy Brandt zu leisten.

Nur wer vergessen wird, ist tot. Willy Brandt wird als Mann des Friedens und des Ausgleichs, als Reformer und großer Demokrat, als Nobelpreisträger, als Bürgermeister und Bundeskanzler immer in unseren Herzen weiterleben.”

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