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KOOPERATIONSVEREINBARUNG ZWISCHEN BERATUNGSSTELLEN UND POLIZEI: FRAUENHANDEL - OPFERN HELFEN, TÄTER BEKÄMPFEN

Pressemitteilung vom 04.04.2003

Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen teilt mit:

Schätzungsweise 120.000 Frauen und Mädchen – die meisten von ihnen aus Mittel- und Osteuropa – werden jedes Jahr nach Westeuropa verschleppt und dort zur Prostitution gezwungen. Berlin dient aufgrund seiner geographischen Lage in vielen Fällen als Drehscheibe. Um den Opfern besser helfen und den verbrecherischen Menschenhandel wirkungsvoller bekämpfen zu können, haben die Berliner Polizei und die Beratungsstellen für Opfer des Frauenhandels eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen, die der Bürgermeister und Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen, Harald Wolf, der Senator für Inneres, Dr. Ehrhart Körting, Polizeipräsident Dieter Glietsch und Nivedita Prasad, Vertreterin der Beratungsstellen, heute vorstellten.

Senator Harald Wolf: „Wir wollen den Opfern des Frauenhandels helfen und die Täter wirkungsvoll verfolgen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass die Beratungsstellen für betroffene Frauen und die Berliner Polizei eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Die Kooperationsvereinbarung, die wir heute vorstellen, soll nicht nur die praktische Arbeit der Polizei und Beratungsstellen erleichtern. Ich will damit auch ein politisches Signal setzen, dass der Senat diese besonders menschenverachtende Form der organisierten Kriminalität mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen will.“

Senator Dr. Ehrhart Körting: „Das Deliktsfeld Menschenhandel ist eine besonders menschenverachtende Form der Kriminalität. Daher arbeiten bereits seit Jahren das Landeskriminalamt und soziale Organisationen in Berlin eng zusammen, um betroffenen Frauen unmittelbare Hilfe zukommen zu lassen sowie Aufklärungsarbeit zu leisten. Die jetzt abgeschlossene Kooperationsvereinbarung ist ein weiterer wichtiger Schritt, um dieser Kriminalitätsform so weit wie möglich einen Riegel vorzuschieben und den betroffenen Frauen noch besser zu helfen.“

Für die Täter ist Frauenhandel ein lukratives und relativ risikoarmes Geschäft, da eine Strafverfolgung nur mit Hilfe von Zeugenaussagen möglich ist. Viele der Opfer werden jedoch derartig unter Druck gesetzt, dass sie entweder gar keine Möglichkeit haben, sich Hilfe zu holen, oder aus Angst vor Racheaktionen keine Aussage machen. Viele befürchten auch, wieder in ihr Herkunftsland abgeschoben zu werden, wo sie ebenfalls Repressalien seitens der Täter befürchten müssen. Auch ein Strafverfahren in Deutschland bringt hohe psychische Belastungen für die häufig schwer traumatisierten Zeuginnen mit sich.

Frauen, die Opfer von Frauenhandel geworden sind und trotz dieser Situation bereit sind, sich als Zeugin in einem Ermittlungsverfahren zur Verfügung zu stellen, brauchen ein geschütztes Umfeld, in dem sie sich sicher vor Repressalien aus dem Tätermilieu fühlen können und wo sie psychosozial kompetent beraten und betreut werden.

Für die Schaffung eines solchen Umfeldes sind sowohl die spezifischen Kompetenzen der Polizei als auch spezialisierter Beratungsstellen für Opfer von Frauenhandel erforderlich. Daher haben der Polizeipräsident und die Berliner Beratungsstellen Ban Ying, Ona und IN VIA eine Kooperationsvereinbarung geschlossen, mit deren Hilfe sowohl die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden unterstützt werden als auch die komplexe Situation der Opfer angemessen Berücksichtigung finden soll.

In dieser Vereinbarung wird zum einen die enge Zusammenarbeit zwischen Polizei und Beratungsstellen definiert. Zum anderen sollen aber die polizeiliche Ermittlungsarbeit gegen die Täter und die psychosoziale Betreuung der Opferzeuginnen klar und für alle Beteiligten nachvollziehbar getrennt bleiben. Aussagewillige Frauen können während der Dauer des Verfahrens in Deutschland bleiben, wenn ein erhebliches öffentliches Interesse an ihrer Aussage besteht. Eine Duldung durch die Ausländerbehörde soll in diesen Fällen durch die Polizei befürwortet werden. Dabei arbeiten Polizei und Beratungsstellen eng miteinander zusammen.

Die Polizei informiert die Beratungsstellen, wenn sie von Menschenhandel betroffene Frauen bei Razzien aufgreift oder durch ihre Ermittlungen Kenntnis von ihnen erhält. Die Beratungsstellen sorgen daraufhin für Unterbringung, Betreuung und Rechtsberatung der Opferzeuginnen.

Die Ausarbeitung der Kooperationsvereinbarung wurde durch die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen moderiert, die auch die Beratungsstellen für Opfer von Frauenhandel finanziert.

Rückfragen:
Christoph Lang
Telefon: 9013-7418
E-Mail: christoph.lang@senwiarbfrau.verwalt-berlin.de