FLICK-SAMMLUNG IN BERLIN: WEDER JUBEL NOCH VERDAMMNIS

Pressemitteilung vom 09.01.2003

Die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur teilt mit:

Zur leihweisen Übergabe der Flick-Sammlung an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin erklärt Kultursenator Thomas Flierl:

„Die öffentliche Präsentation dieser privaten Kunstsammlung stellt zweifellos eine gute Ergänzung der Bestände der Kunst des 20. Jahrhunderts in Berlin dar.

Die Übernahme der Sammlung soll und wird die Debatte um die Rolle des Flick-Konzerns in der Nazizeit und den Umgang mit dem Flick-Erbe nicht beenden. Im Gegenteil. Dass diese Sammlung nun in Berlin gezeigt wird, macht die historischen Brüche, mit denen Berlin und die ganze deutsche Gesellschaft lebt, zum Gegenstand der öffentlichen Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit. Diese Debatte hat es im Vorfeld der Übergabe gegeben und sie wird mit der öffentlichen Präsentation der Kunstwerke fortgesetzt. Es ist gut, dass sie nicht stellvertretend in Zürich oder New York, sondern in Berlin geführt wird. Diese Debatte wird zur Unterscheidung führen zwischen der persönlichen Schuld der Großeltern- und Elterngeneration und der Verantwortung der Nachgeborenen, sie wird in der Kunst der Nachkriegszeit den antitotalitären Impuls nicht übersehen.
Wer die Sammlung sieht, von ihr liest oder hört, wird zur Auseinandersetzung gezwungen. Das gilt nicht zuletzt auch für Friedrich Christian Flick selbst.
Die Ambivalenz des Vorgangs versagt einem den Jubel ebenso wie die Verdammung, sie fordert zu Nachdenken und Differenzierungsvermögen heraus.“

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Dr. Torsten Wöhlert
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