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EXPERTENEMPFEHLUNG FÜR KÜNSTLERISCHE HOCHSCHULEN

Pressemitteilung vom 12.03.2003

Die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur teilt mit:

Mit Beschluss vom 14. Mai 2002 beauftragte der Berliner Senat den Senator für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Dr. Thomas Flierl, eine Expertenkommission zur Evaluation der Berliner Kunsthochschullandschaft einzusetzen. Die Kommission war aufgefordert zu prüfen, ob die drei künstlerischen Hochschulen und die Universität der Künste mit einem umfassenden Fächerspektrum als selbständige Einrichtungen aufrechterhalten bleiben oder ob sie ganz oder teilweise unter einem Dach zusammengefasst werden sollten, und wie durch Verbesserung der künstlerischen Kooperation die vorhandenen Ressourcen besser ausgenutzt werden können.

Der im September 2002 eingesetzten Expertenkommission gehörten sechs Mitgliedern unter Vorsitz des Generalsekretärs der Kultusministerkonferenz und früheren Staatssekretärs der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Prof. Dr. Erich Thies, an. Die weiteren Mitglieder waren Dr. Doris André, Hamburg, früheres Mitglied des Wissenschaftsrats; Prof. Dr. Erika Fischer-Lichte, Freie Universität Berlin, Institut für Theaterwissenschaft und Mitglied des Wissenschaftsrats; Matthias Flügge, Vizepräsident der Akademie der Künste Berlin; Wolfgang Körner, Referatsleiter im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur; und Prof. Dr. Dieter Simon, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Die Kommission hat im Rahmen ihrer Beratungen die Hochschulleitungen aller vier Kunsthochschulen angehört und Gespräche mit den Studierenden geführt sowie umfangreiches Aktenmaterial ausgewertet. Sie kommt abschließend zu dem Urteil, dass die Kunsthochschulen in ihrer bisherigen Struktur erhalten bleiben sollten.

Ein gemeinsames Dach wird nicht empfohlen, da dadurch keine Synergieeffekte zu erzielen sind. Zudem ginge dann – wie auch im Falle einer Fusion – die derzeit ausgeprägte Profilbildung der Hochschulen verloren.

Die Kommission sieht auch im Verwaltungsbereich insbesondere der kleinen künstlerischen Hochschulen keine Einsparpotenziale, da hier in den letzen zehn Jahren bereits bis zu 50 Prozent des Personals abgebaut wurde.

Ferner hat die Kommission festgestellt, dass aufgrund der unterschiedlichen Profile sich Mehrfachangebote inhaltlich unterscheiden und deshalb grundsätzlich beibehalten werden sollten. Bezogen auf einzelne Studiengänge empfiehlt die Kommission u.a:

· den Studiengang Architektur an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee wegen geringer Kapazitäten einzustellen,

· Die Studiengänge Bühnenbild/Bühnenkostüm an der Universität der Künste und Kunsthochschule Berlin-Weißensee sollen neben ihrer Ausbildungsfunktion eine Servicefunktion für die Darstellende Kunst/Musiktheater an den anderen Hochschulen wahrnehmen und stärker mit anderen Fächern und der Praxis verzahnt werden. Sollte dies nicht gelingen, empfiehlt die Kommission eine Reduzierung der vorhandenen Kapazitäten und Konzentration an einer Hochschule.
· Im Designbereich empfiehlt die Kommission eine Schwerpunktbildung auf Medien- und Kommunikationsdesign an der Universität der Künste, umfassendes Produktdesign an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, Bekleidungsdesign mit Schwerpunkten in Bekleidungstechnik auch unter wirtschaftlichen Aspekten an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft.
· Der Studiengang Kultur- und Medienmanagement sollte aus profilbildenen Gründen von der Hochschule für Musik “Hanns Eisler” an die Universität der Künste verlagert werden.

Die Kommission empfiehlt darüber hinaus, dass die Hochschulen ihre Zusammenarbeit in vergleichbaren Fächern und über Fakultätsgrenzen institutionalisieren und sich bei geplanten Berufungen abstimmen. Zwischen der Universität der Künste und der Hochschule für Musik “Hanns Eisler” sollen hochschulübergreifende Zentren für Jazz/Popularmusik mit formaler Zuordnung zur Universität der Künste und für die Musiktheaterausbildung (Opernschule Berlin) mit formaler Zuordnung zur Hochschule für Musik “Hanns Eisler” gegründet werden.

Nach Meinung der Kommission muss es Ziel der Berliner Kunsthochschulen sein, ihre hohe künstlerische Reputation für den nationalen und internationalen Wettbewerb zu erhalten bzw. auszubauen. Grundsätzlich ist die Kommission der Auffassung, dass die vorhandenen Kapazitäten dieses Bereichs angesichts dessen, dass Berlin deutsche Hauptstadt ist, ange-messen und unverzichtbar sind – dieses auch unter der Perspektive eines Wirtschaftsinteresses Berlins als sich dynamisch entwickelnder Standort der Kulturwirtschaft.

Die Kommission folgt der Intention des Kultursenators, auch die drei kleineren Kunsthochschulen in das System der Hochschulverträge einzubeziehen und empfiehlt den Kunsthochschulen entsprechende strukturelle Veränderungen vorzunehmen. Mit ihren Erstverträgen sollen diese Kunsthochschulen dann Globalzuschüsse erhalten, die auf dem derzeitigen Ausgabenniveau basieren. Die vom Senat vorgesehenen zusätzlichen Einsparungen in 2004 bis 2006 sollen aus dem Gesamtplafond aller Berliner Hochschulen ausgeglichen werden.

Wissenschaftssenator Thomas Flierl dankte den Kommissionsmitgliedern für ihre umfangreiche Gutachtertätigkeit und erklärte anlässlich der Übergabe. „Ich sehe mich durch das Gutachten in meinem Ziel bestärkt, die Besonderheit der Berliner Kunsthochschullandschaft, deren Qualität in Ausbildung und Lehre unbestritten ist, zu wahren und auch die drei kleinen Kunsthochschulen in das System der Hochschulverträge einzubeziehen, um ihnen so Planungssicherheit zu verschaffen. Wir werden uns in den nächsten Tag und Wochen sehr intensiv mit den Empfehlungen der Kommission auseinandersetzen und dazu natürlich auch das Gespräch mit den Einrichtungen selbst suchen.“

Expertenempfehlung für die künstlerischen Hochschulen im Internet: http://www.science.berlin.de/ExpertengutachtenKuenstlerischeHochschulen

Rückfragen:
Dr. Torsten Wöhlert
Telefon: 90 228 203
E-Mail: torsten.woehlert@senwfk.verwalt-berlin.de