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WISSENSCHAFTSSENATOR FLIERL STELLT DEN HOCHSCHULLEITUNGEN DAS STUDIENKONTEN-MODELL VOR

Pressemitteilung vom 02.12.2003

Die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur teilt mit:

Am heutigen Tag hat Senator Dr. Thomas Flierl alle Hochschulleitungen zu einer Präsentation des Studienkonten-Modells eingeladen, das vom Leiter des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie Köln, Dr. Dieter Dohmen, ausgearbeitet wurde.

Angesichts der studentischen Proteste gegen Langzeitstudiengebühren erklärte der Senator Dr. Thomas Flierl: „Studienkonten sind eine politische Alternative zu Studiengebühren, die ich nicht will. Das Modell ist in erster Linie ein Instrument einer geänderten Hochschulfinanzierung und eröffnet den Studierenden neue Einflussmöglichkeit in den Hochschulen. Von ihrer Nachfrage nach Seminaren, Praktika, Übungen und Vorlesungen wird es abhängen, wohin die Gelder für die Lehre gehen werden. Wir werden durch das Studienkonto in Zukunft wissen, welche Angebote durch die Studierenden wahrgenommen werden, welche Lehrkapazitäten unbedingt vorgehalten werden müssen und wo die Engpässe in der Ausstattung sind. Ziel ist ein effizienterer Ressourceneinsatz, eine Aufwertung der Lehre und damit gleichzeitig der Erhalt von Studienplätzen in Berlin.“

Die Grundidee des Studienkontos ist die Vergabe von Studienkonten, die mit 360 Credit-Punkten angefüllt sind, die jeder Studierende und jede Studierende zum Beginn seines oder ihres gewählten Fachstudiums erhält. Das Studienkonten-Modell orientiert sich an den neuen gestuften Studienabschlüssen. Zur Erlangung des Bachelor-Studienabschlusses werden i.d.R. 180 Credits, zum Abschluss eines MA-Studienganges weitere 120 Credits benötigt. Die Credits werden nach Beendigung eines Moduls vom Konto abgebucht und auf der Habenseite bei erfolgreichem Abschluss gutgeschrieben. Dabei passt sich das Studienkonten-Modell flexibel an unterschiedliche Studienverläufe an, weil die Credits nachfrageorientiert abgebucht werden. Jeder und jede kann solange studieren, wie er oder sie Credits auf seinem Konto hat. Ist das Konto leer, müssen sie allerdings nachgekauft werden, bleiben Credits übrig, können sie zum kostenlosen Weiterbildungsstudium verwendet werden. Ziel dabei ist es, die Studierenden zu einem planvolleren Studienverhalten anzuhalten und Studienzeiten zu reduzieren. In Berlin gab es z.B. im Wintersemester 2002/3 immerhin fast 22.000 Studierende ab dem 16. Hochschulsemester (etwa doppelte Regelstudienzeit) und 12.500 Studierende, die im 20. Hochschulsemester oder in einem höheren eingeschrieben waren.

Für die Hochschulen ist die Einlösung von Credits mittelfristig mit der Zuweisung von Finanzen im Rahmen der leistungsbezogenen Mittelzuweisung verbunden, wobei sich die Beträge an den tatsächlichen Kosten eines Studienganges orientieren sollen. Langfristig wird die Umstellung der Hochschulfinanzierung im Bereich der Lehre und ein länderübergreifender Finanzausgleich angestrebt.

Die Nachfrageorientierung schafft für die Hochschulen den Anreiz, ihre Studienorganisation zu verbessern, die erforderlichen Kapazitäten optimal einzusetzen und in einen Wettbewerb um die Studierenden untereinander einzutreten.

Senator Dr. Thomas Flierl: „ Dieses Modell vermeidet soziale Verzerrungen und ermöglicht eine individuelle Studienplanung. Ein Teilzeitstudium ist ohne weiteres möglich, wenn der Lebensunterhalt neben dem Studium verdient werden muss, was bei zwei Dritteln der Studierenden der Fall ist. Darüber hinaus wollen wir hochschulpolitisches Engagement der Studierenden in der akademischen Selbstverwaltung durch Bonus-Credits honorieren. Ich hoffe, dass sich dieses Modell in der politischen Auseinandersetzung durchsetzen wird.“

Rückfragen:
Dr. Torsten Wöhlert
Telefon: 90 228 203
E-Mail: torsten.woehlert@senwfk.verwalt-berlin.de