Coronavirus in Berlin

Zentrale Informationen der Berliner Verwaltung zum Coronavirus finden Sie unter:

berlin.de/corona

VON GEBAUTER TRADITION ZU BESTANDSDIENENDER TRANSFORMATION

Pressemitteilung vom 24.03.2003

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung teilt mit:

Unter dem Titel „Zukunft des Denkmalschutzes – Denkmalschutz der Zukunft“ veranstaltete heute das Forum Berlin der Friedrich Ebert Stiftung eine internationale Expertentagung zu Fragen der Großstadtdenkmalpflege. Vor rund dreihundert Teilnehmern eröffnete der Berliner Senatsbaudirektor Dr. Hans Stimmann die Konferenz mit einem einführenden Grundsatzbeitrag.

„Ungenutzte Denkmale sind gefährdete Denkmale.“ Mit dieser Feststellung verband Hans Stimmann die Forderung nach einer zeitgemäßen Denkmalpflegstrategie im Zeitalter sinkender öffentlicher Mittel und schrumpfender Städte. „Wer Leerstände vermeiden oder beseitigen will, muss mehr denn je eine sinnvolle privatwirtschaftliche Nutzungsperspektive für gefährdete Denkmale entwickeln“, so der für die Denkmalpflege in Berlin zuständige Senatsbaudirektor. Angesichts der immensen Haushaltsdefizite seien gerade die öffentlichen Denkmaleigentümer gezwungen, die Veräußerung staatlicher und kommunaler Liegenschaften konsequent voranzutreiben und in die Obhut privater Denkmaleigentümer zurückzugeben. Diese Umwälzung eröffne zahllosen Denkmalen aber auch die Chance, neue Nutzer und Funktionen aufzunehmen, die ihre Erhaltung gewährleisten. „In den meisten Fällen garantiert nur eine Denkmalnutzung eine dauerhafte Überlieferung.“

Die derzeit im Rahmen des Stadtumbaus Ost beispielsweise in Leipzig laufenden Abstimmungen zwischen Denkmalpflege und Stadtplanung über möglicherweise preiszugebende, weil jahrelang leerstehende und verfallende Denkmalbestände oder über prioritäre Sicherungsmaßnahmen, ist nur das bekannteste aktuelle Beispiel für einen erforderlichen Perspektivenwechsel, wie er andernorts noch bevorstehe. „Denkmalkultur ist vielleicht nicht identisch mit Denkmalökonomie,“ so Stimmann, „aber ohne Reflexion ihrer ökonomischer Grundlagen ist auch Denkmalerhaltung auf Dauer nicht zu haben. Es geht gerade im Zeitalter eines erweiterten Denkmalbegriffs immer auch um die Funktion von Denkmalen für die Gesellschaft, die sie nicht bloß respektieren oder genießen soll, sondern sich finanziell leisten können will.“

Im Interesse der Denkmalerhaltung ermutigte Senatsbaudirektor Stimmann Konservatoren und Planer, sich und die Denkmale für die Übernahme neuer Aufgaben zu öffnen, „damit sich die Menschen und das Leben nicht aus wirtschaftlichen Gründen aus dem Erbe weiter zurückziehen.“ Wer gebaute Traditionen erhalten wolle, müsse auch bestandsdienliche Transformationen zulassen. Es sei eine historische Erfahrung der Denkmalpflege in den großen Metropolen, dass eine erfolgreiche Konservierung oftmals eine Nutzungskonversion zur Voraussetzung habe. „Die Nutzungsanpassung denkmalgeschützter Altbauten für Bundestag und Bundesregierung in Berlin oder die laufende Sanierung und Modernisierung des Olympiastadions sind nur die jüngsten Kapitel einer konservatorischen Erfolgsstory, die ohne architektonische Interventionen in Stillstand und Leerstand gemündet wären. Wenn es richtig sein sollte, dass jede Krise auch eine Chance bedeutet, dürfen wir nicht in Resignation verfallen, sondern müssen jede Chance aktiv ergreifen, heute einen bleibenden Beitrag für Zukunft unserer Denkmale zu leisten.“

Rückfragen:
Petra Reetz
Telefon: 9012-5800
E-Mail: petra.reetz@senstadt.verwalt-berlin.de