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GARTENSTADT „ATLANTIC“ – SANIERUNG IM ERSTEN BAUABSCHNITT

Pressemitteilung vom 27.08.2003

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung teilt mit:

Die in den 20er Jahren erbaute Wohnsiedlung Gartenstadt „Atlantic“ am Gesundbrunnen in Wedding wird seit Juli 2002 saniert und modernisiert. Nunmehr ist der erste Bauabschnitt, der eine Hälfte der Anlage umfasst abgeschlossen. Im Beisein der Botschafter Israels und der Türkei findet heute die feierliche Übergabe dieses Wohn- und Kulturprojektes deutsch-türkisch-jüdischer Partnerschaft statt. In seiner Rede erklärt Senator Peter Strieder u.a.: „Es war das Elend der Mietskasernen, das Ende des 19. Jahrhunderts und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts aufgeklärte Zeitgenossen – unter Ihnen Ärzte, Lehrer, Rechtsanwälte, Publizisten und Künstler – von der Idee des bezahlbaren menschenwürdigen Wohnens auch für die unteren Schichten begeisterte.

Hier in Berlin entstanden in jenen Jahren mehrere solcher Wohnanlagen, die unsere Stadt zu einem Architekturforum des Siedlungsbaus werden ließen. Wir kennen in Berlin neben so bekannten Adressen wie die Waldsiedlung „Onkel Toms Hütte“ in Zehlendorf und die Hufeisensiedlung in Britz eine Vielzahl kleiner Siedlungen und Wohnanlagen, die mit höchst unterschiedlichen städtebaulichen und architektonischen Lösungen Zeugnis ablegen von der Vielfältigkeit und Wandlungsfähigkeit im Wohnungsbau der Stadt.

Ein anschauliches Beispiel ist die in den 20er Jahren hier im Wedding nach Entwürfen des Architekten Rudolf Fränkel erbaute „Gartenstadt Atlantic“. So entstanden auch hier Häuser mit hellen freundlichen Wohnungen und Gartenanlagen, die sich so wohl tuend von den Hinterhöfen der Mietskasernen unterschieden. Es entstanden insgesamt 50 fünfstöckige Mietshäuser mit insgesamt 1.000 Wohnungen in geschlossener Blockrandbebauung. In den Blockinnenflächen prägten große begrünte Gartenanlagen die Siedlung und gaben ihr den Namen Gartenstadt.

Das zur Zeit seiner Erbauung vom Zusammenleben deutscher und jüdischer Bewohner geprägte Quartier war aber schon damals mehr als nur ein Wohnort. Einkaufs- und Unterhaltungsmöglichkeiten wurden geboten.

Ganz ohne Frage war das für die damalige Zeit außergewöhnlich moderne Lichtburg-Kino mit rund 2000 Sitzplätzen, Herzstück der Anlage. Die Lichtburg folgte der Philosophie des Quartiers: Gute Unterhaltung für wenig Geld. Das war übrigens auch der Grund dafür, dass das Kino so viele Plätze hatte, der Betreiber verdiente vor allem durch die Menge der verkauften Karten.
Als so genanntes Grenzkino nach dem Krieg – viel besucht von Berlinern aus dem Ostteil der Stadt – schloss die Lichtburg nach dem Mauerbau im Jahre 1962. Die Lichtburg wurde danach noch als Weizen- und Konservendepot des Senats genutzt, bis 1970 der Abriss des denkmalgeschützten Gebäudes erfolgte.
Jetzt wird die Lichtburg wieder zum Mittelpunkt des Quartiers, und nimmt dabei auch optisch Anleihen bei dem alten Gebäude auf. Hier entsteht ein Café-Restaurant mit einem Mehrzweckraum für Filmvorführungen, Ausstellungen, Konzerte, Kleinkunst, Lesungen, Vorträge und Diskussionen.

Hier am Gesundbrunnen wird nun aufs Neue eine anregende, lebendige Form städtischer Kommunikation entstehen, die Menschen unterschiedlicher Kulturen, Religionen, Schichten und Generationen verbindet. Es ist ein großes Verdienst der Gartenstadt Atlantic AG, dass hier nicht nur ein Sanierungsvorhaben realisiert wird, sondern darüber hinaus ein Projekt des Dialogs und der Verständigung mit einem ambitionierten Kulturangebot.

Die neue Gartenstadt Atlantic verbindet Tradition und Innovation. Die Erneuerungsmaßnahmen umfassten die Sanierung und Instandsetzung der Dächer und Fassaden, einschließlich der Wärmedämmung, die Erneuerung der Fenster bzw. deren Reparatur und den Einbau einer immissionsarmen zentralen Wärmeversorgung. Zusammen mit der Erneuerung der Haustechnik erfolgte auch die Modernisierung der Bäder. Einige Wohnungen wurden zu Maisonettes umgebaut.

Die Gartenstadt Atlantic in Berlin soll bis 2005 insgesamt wieder zu einem attraktiven Wohnort werden. Das ist auch das Ergebnis einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen privatem Engagement und öffentlichen Mitteln. Zahlreiche Sponsoren, darunter BMW, die Investitionsbank Berlin (IBB), die Deutsche Bank, die Deutsche Kreditbank (DKB) und die Falke Bank, unterstützen das Vorhaben. Das Projekt ist gleichzeitig eine kulturelle und integrationspolitische Herausforderung. Insbesondere da 30% der Mieter nicht deutscher Herkunft seien – ein Großteil davon Türken.

So bezog schon die deutsch-amerikanisch-jüdische Zeitung “Der Aufbau” in Atlantic das Quartier; im Frühjahr 2003 will der Hertha BSC einen Fanshop mit Mini-Museum eröffnen und auch ein deutsch-jüdisches Partnerschaftsprojekt sollen dort einziehen. Ateliers sollen Jungkünstlern mietfrei zur Verfügung gestellt werden und Sponsoren wie BMW und die Deutsche Bank vergeben Stipendien.
Hier in der Gartenstadt Atlantic entwickelt sich ein “Kiez im Denkmal” als deutsch-türkisch-jüdisches Pilotprojekt. Kultur- und Integration gehören dabei zusammen. Berlin als drittgrößte türkische Stadt in Europa nimmt ihr multikulturelles Erbe auf – ganz wie es sich für eine Weltstadt gehört. Gleichzeitig dokumentiert sich hier der Wille, die dunklen Kapitel der Geschichte unserer Stadt nicht zu trivialisieren, sondern gemeinschaftlich nach Wegen in die Zukunft zu suchen.“

Rückfragen:
Petra Reetz
Telefon: 9012-5800
E-Mail: petra.reetz@senstadt.verwalt-berlin.de