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KNAKE-WERNER: ARZTBESUCH NUR NOCH NACH PRIVATER KASSENLAGE

Pressemitteilung vom 10.04.2003

Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz teilt mit:

Zu den gestern von der Rürup-Kommission vorgestellten Empfehlungen zur Absenkung der Beitragssätze in der Gesetzlichen Krankenversicherung erklärt die Senatorin für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz Dr. Heidi Knake-Werner:

“Sollten diese Empfehlungen umgesetzt werden, bedeutet dies eine gravierende Schwächung des seit Jahrzehnten bewährten Solidarprinzips für gesetzlich Krankenversicherte. Solidarität innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung heißt Unterstützung der Kranken durch die Gesunden, der Ärmeren durch die Bessergestellten, der Familien durch die Alleinstehenden.

Die Auslagerung des Krankengelds aus der GKV und dessen Zuweisung in die private Versicherungspflicht des Versicherten führt zu einer weiteren Schwächung des Prinzips der paritätischen Finanzierung der GKV durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Dieses Prinzip hat in der Vergangenheit aber mit dazu beigetragen, dass sich Arbeitgeber auch aus Eigeninteresse um gesunde Arbeitsbedingungen gekümmert haben. Ein immer weiter fortschreitender Ausstieg der Arbeitgeber aus der paritätischen Finanzierung der GKV wird konsequenterweise mit einem abnehmenden Interesse der Arbeitgeber an der Erhaltung gesunder Lebensbedingungen, vor allem in den Betrieben, einhergehen.

Die Erhöhung und Ausweitung der Selbstbeteiligung führt zu einer Verschiebung der finanziellen Belastung von den Gesunden zu den Kranken, die ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen müssen. So kann es dazu kommen, dass aus wirtschaftlichen Erwägungen Geringverdiener ärztliche Hilfe nicht oder zu spät in Anspruch nehmen. Damit würde eine soziale Barriere in der gesetzlichen Krankenversicherung drastisch erhöht, die bereits in der Vergangenheit Anlass zur sozialpolitischen Kritik gegeben hat.

Der Gesundheitszustand der Berliner Bevölkerung ist schon heute in den Regionen sehr unterschiedlich. Wenn Geringverdiener künftig nach privater Kassenlage zum Arzt gehen müssen, werden in den ohnehin schon belasteten Bezirken wie Neukölln und Mitte noch mehr Krankheiten zu verzeichnen sein, die in reicheren Bezirken seltener auftreten. Jeder muss sich bei uns auch in Zukunft einen Arztbesuch leisten können.”

Rückfragen:
Roswitha Steinbrenner
Telefon: 9028-2743
E-Mail: roswitha.steinbrenner@sengsv.verwalt-berlin.de