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KRANKENHAUSSTERBLICHKEIT AN HERZINFARKT IN BERLIN GESUNKEN

Pressemitteilung vom 10.07.2003

Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz teilt mit:

Nach wie vor ist der Herzinfarkt die häufigste Einzeltodesursache in Deutschland – trotz Aufklärung der Öffentlichkeit über seine Ursachen, trotz verbesserter Behandlungsmethoden, trotz medizinischer Forschung.

Diese Situation zu verändern hat sich das Berliner Herzinfarktregister e.V. zum Ziel gesetzt. Der Verein konnte zeigen, dass in den Jahren von 1999 bis 2001 die Zahl der Patienten, die in einem Krankenhaus an einem Herzinfarkt starben, in Berlin kontinuierlich gesunken ist: von 13,2 auf 11,4 Prozent. Gleichzeitig blieben die Patienten deutlich kürzer im Krankenhaus. Waren es im Jahr 1999 durchschnittlich 15 Tage, so konnten 2001 die Patienten bereits 11 Tage nach einem Herzinfarkt die Klinik verlassen.

Was hat sich geändert in den drei untersuchten Jahren? Gibt es neuartige Behandlungsmethoden, kommen die Patienten schneller ins Krankenhaus, haben sich die Risikofaktoren verringert?
Seit 1999 sammelt das Berliner Herzinfarktregister e.V. Informationen über die Behandlung von Patienten mit einem Herzinfarkt. Die Daten werden ausgewertet und die gewonnenen Erkenntnisse Krankenhäusern und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Insgesamt wurden 4.549 Erkrankte aus 25 Berliner Krankenhäusern in die Untersuchung eingeschlossen. Ergebnis: Knapp zwei Drittel der wegen Herzinfarkt behandelten Patienten waren Männer und gut ein Drittel Frauen. Das Durchschnittsalter betrug 66 Jahre, wobei die Männer durchschnittlich 11 Jahre jünger waren als die Frauen.

Wer bekommt einen Herzinfarkt?
Natürlich lässt sich eine solche Erkrankung nicht sicher prognostizieren. Auffällig allerdings ist, dass nur ein geringer Anteil, nämlich 4 Prozent aller Herzinfarktpatienten, keine der bekannten Risikofaktoren hatte. Als solche gelten Bluthochdruck, zu hohes Cholesterin, Rauchen, Diabetes mellitus und eine familiäre Belastung.

Schnelligkeit kann Leben retten, das gilt insbesondere für Herzinfarktpatienten. Denn je mehr Zeit zwischen dem Infarkt und der Therapie vergeht, um so mehr Herzmuskelgewebe kann unwiederbringlich zerstört sein. Leider kommen noch immer zu viele Patienten zu spät ins Krankenhaus. Fast ein Viertel brauchte länger als 12 Stunden, um in eine Klinik zu gelangen. Und jeder fünfte rief keinen Notarztwagen, in dem die Patienten schon erstversorgt werden könnten. Hier ist weiterhin eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit gefragt. All diese Zahlen sind leider in dem untersuchten Zeitraum konstant geblieben.

Was also hat sich nun geändert?
Patienten wurden verstärkt gemäß den medizinischen Leitlinien zur Infarktbehandlung versorgt. Das heißt folgendes: Bei einem Herzinfarkt ist mindestens ein Herzkranzgefäß verschlossen. Im Krankenhaus wird in der Regel versucht, dieses Gefäß schnellstmöglich wieder zu öffnen. Dabei stehen zwei unterschiedliche Verfahren zur Verfügung: die Thrombolyse, bei der das Gerinnsel durch Medikamente aufgelöst werden soll und die operativ/mechanische Therapie, bei dem das Gefäß durch ein Ballonkatheter wieder eröffnet wird. In dem untersuchten Zeitraum wurde in verstärktem Maße eine solche wiedereröffnende Behandlung durchgeführt. Im Jahr 1999 waren es 58 Prozent aller Herzinfarktpatienten, denen diese Therapie zu Gute kam. Zwei Jahre später ist diese Zahl auf 67 Prozent gestiegen.

Ein ähnliches Bild zeigte sich bei der sogenannten medikamentösen Begleittherapie. Das ist die Gabe von Medikamenten, die gerinnungshemmend wirken, das Herz entlasten sowie den Herzrhythmus stabilisieren. Dazu zählen beispielsweise ASS, Beta-Blocker und ACE-Hemmer. Fast alle Patienten (ca. 90 Prozent) erhielten über die Jahre konstant ASS. Erhöht wurde der Anteil der Patienten, die Beta-Blocker und ACE-Hemmer erhielten, um jeweils etwa 10 Prozent in den 3 untersuchten Jahren.

Die Zahl der Patienten, die in einem Berliner Krankenhaus an einem Herzinfarkt starben, ist gesunken. Die Erkrankten blieben kürzer in den Kliniken. Alter, Geschlecht und Risikofaktoren der Erkrankten sowie die verstrichene Zeit zwischen Symptombeginn und medizinischer Hilfe sind gleich geblieben. Geändert hingegen hat sich die stationäre Versorgung der Herzinfarktpatienten. Eine wiedereröffnende Behandlung und die medikamentöse Begleittherapie wurden vermehrt eingesetzt.

Das Berliner Herzinfarktregister hat sich die Verbesserung der stationären Versorgung der Herzinfarktpatienten zum Ziel gesetzt. Die hier präsentierten Ergebnisse zeigen, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht. Die Dokumentation der eigenen Ergebnisse, die zeitnah allen Krankenhäusern zur Verfügung gestellt wird, ist daran sicher beteiligt.

Weiteres zum Thema im Basisbericht 2002 – Daten des Gesundheits- und Sozialwesens – im Internet unter www.berlin.de/sengessozv/statistik/index.html und zum Berliner Herzinfarktregister e.V. unter www.herzinfarktregister.de .

Rückfragen:
Roswitha Steinbrenner
Telefon: 9028-2743
E-Mail: roswitha.steinbrenner@sengsv.verwalt-berlin.de