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BILDUNGSKONFERENZ DER TÜRKISCHEN ELTERNVEREINE --- AUSZUG AUS DER REDE VON BILDUNGSSENATOR KLAUS BÖGER

Pressemitteilung vom 04.04.2003

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport teilt mit:

!! Sperrfrist Sonnabend, 5. April, 11.00 Uhr !!

Eine Bildungskonferenz der Föderation Türkischer Elternvereine in Deutschland befasst sich mit der Frage, wie türkische Schülerinnen und Schüler gefördert werden können und wie die Eltern in diese Bildungsaufgabe einzubeziehen sind.

Bildungssenator Klaus Böger wird über bildungspolitische Maßnahmen zur Förderung von Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache sprechen.

Die Bildungskonferenz findet statt
am Sonnabend, dem 5. April 2003, von 11.00 – 18.30 Uhr,
im Türkischen Haus an der Urania 15.

Böger:
„Wir wollen gemeinsam daran arbeiten, dass mehr Jugendliche nichtdeutscher Herkunftssprache einen Schulabschluss machen und gute berufliche Aussichten haben. Wir wollen Bildungsbenachteiligungen abbauen und Migrantenkinder besser in das Bildungssystem integrieren. Der Schlüssel zur Chancengleichheit, Partizipation und Integration ist das Erlernen und Beherrschen der deutschen Sprache.

Eine wesentliche Rolle spielen die Eltern. Sie fördern den Spracherwerb und sind sich darüber im Klaren, wie wichtig eine gute Bildung und Ausbildung für die Zukunft ihrer Kinder sind. Das wissen viele Eltern, aber manchmal wissen sie nicht, wie sie das bewerkstelligen sollen. Deshalb freue ich mich über das Engagement der Türkischen Elternvereine. Gemeinsam wollen wir die Beratung der Eltern verstärken und nach Lö-sungen suchen, um die Integration der Kinder zu verbessern.

Die sprachliche Förderung der Kinder muss möglichst früh einsetzen. Ein großer Anteil türkischer Kinder besucht die Kitas, was ich sehr positiv finde. Trotzdem sprechen viele nicht ausreichend Deutsch, wenn sie in die Schule kommen, wie die Sprachstandsmessung „Bärenstark“ gezeigt hat.

Kindergärten müssen also noch mehr zu Bildungseinrichtungen werden. Wir entwickeln zur Zeit ein Bildungsprogramm für Kinder im Vorschulalter. Es soll einen Orientierungsrahmen für Eltern und Erzieher/innen bieten und Standards vorgeben. Die Erzieherinnen müssen noch besser in die Lage versetzt werden, die deutsche Sprache zu vermitteln. Deshalb haben wir die Fortbildungsangebote im Bereich der Sprachförderung für Erzie-herinnen verdoppelt. Ähnliches gilt für die Qualifizierung der Lehrerinnen und Lehrer: In den Seminaren, Fachseminaren und in Ergänzungskursen der zweiten Ausbildungsphase nehmen Lehramtsanwärter an einem Lehrgang „Deutsch als Zweitsprache“ teil.

Wir bieten Lehrerfortbildung an, haben Unterrichtsmaterialien entwickelt. In der Lehrerweiterbildung gibt es ein viersemestriges Zusatzstudium. Mit der TU haben wir einen Weiterbildungslehrgang entwickelt.
Mein Wunsch ist es, dass mehr junge türkische Frauen und Männer sich für den Lehrerberuf entscheiden und damit einerseits Vorbildfunktion haben und andererseits ihre spezifischen Fähigkeiten – wie Zweisprachigkeit und Kenntnisse beider Kulturkreise – einsetzen können.
Durch den Aufbau von 30 Ganztagsgrundschulen und ein flächendeckendes Angebot an familienfreundlichen, verlässlichen Halbtagsgrundschulen können wir alle Schülerinnen und Schüler intensiver fördern und fordern.
1000 Lehrerstellen werden zur Förderung von Kindern und Jugendlichen nichtdeutscher Herkunftssprache eingesetzt – beispielsweise für Förderklassen, für das Sprachförderprogramm Deutsch als Zweitsprache, für kleinere Klassen in Schulen, die in sozial schwierigen Gebieten liegen und einen hohen Anteil von Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache aufweisen. In allen Grundschulen gibt es seit diesem Schuljahr eine zu-sätzliche Stunde Deutschunterricht in der 2. Klasse. Auch dadurch können Sprachkompetenzen der Kinder noch intensiver gefördert werden.
Die wichtigste Voraussetzung für den Schulerfolg – und das kann ich gar nicht oft genug wiederholen – ist und bleibt die Fähigkeit, Deutsch zu sprechen und zwar möglichst früh. Dazu brauchen wir vor allen Dingen die Mitarbeit der Eltern, die das Recht und die Pflicht zur Erziehung haben. Ich bin freue mich deshalb, dass dieses Thema auf der Bildungskonferenz einen breiten Raum einnimmt. Wir brauchen die Mitarbeit der Eltern, ihre Beteiligung am Schulleben und bei den Belangen in den Kitas.

Türkische Eltern müssen in den Bildungsprozess ihrer Kinder mit einbezogen werden. Mit den „Elternbriefen“ in türkischer Sprache haben wir damit begonnen, uns an die Eltern zu wenden, die nicht genügend Deutsch sprechen. Wichtig ist, mit den Kindern zu reden, ihnen vorzulesen, sie an Sprache heranzuführen. Das gilt ebenso für die Muttersprache. Kinder, die gelernt haben, sich auszudrücken, haben es immer leichter, andere Sprachen zu lernen. Wer in einer Sprache fit ist, einen großen Wortschatz entwickelt, der lernt leichter, zu begreifen. Und natürlich sollen Sie ihre Muttersprache pflegen und erhalten. Das widerspricht überhaupt nicht der Aufforderung Deutsch zu lernen, um in Deutschland leben zu können. Deshalb möchte ich zu Abschluss ein-dringlich an Eltern appellieren: Mischen Sie sich ein, machen Sie mit bei Aktivitäten an Ihrer Schule, motivieren Sie Ihre Kinder für die Schule.“

Rückfragen:
Dr. Thomas John
Telefon: 9026-5846
E-Mail: Thomas.John@senbjs.verwalt-berlin.de