TRAUERFEIER FÜR HILDEGARD KNEF

Pressemitteilung vom 07.02.2002

Sperrfrist: 7. Februar 2002, 12.00 Uhr
Es gilt das gesprochene Wort!

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, führt anlässlich der Trauerfeier für Hildegard Knef am 7. Februar 2002 in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche unter anderem aus:

Der Senat von Berlin, die Berlinerinnen und Berliner, verneigen sich vor Hildegard Knef.

Berlin nimmt Abschied von einer großen Schauspielerin, Sängerin und Künstlerin, einer einzigartigen Frau, die über viele Jahrzehnte die Stimme Berlins war.

Obwohl in Ulm geboren und ausgebildet an der Filmschule in Babelsberg, wurde sie zeitlebens mit Berlin immer in einem Atemzug genannt.

Die Berlinerinnen und Berliner haben sie geliebt und Berlin war die große Liebe der Knef.

Die Botschafterin Berlins, zu der sie ihr Freund Willy Brandt gemacht hatte, blieb sie zeitlebens.

Ihre einzigartige künstlerische Karriere hatte ihren ersten großen Erfolg mit ihrer Filmrolle im Sommer 1946 in Staudtes Film „Die Mörder sind unter uns“. Sie ist 20 Jahre alt. Hier erleben wir sie zum ersten Mal als das Wunder, den Glücksfall, Hildegard Knef.

Nach ihrem ersten Ausflug nach Amerika kehrt sie 1950 zurück und löst einen Skandal aus mit ihrer Titelrolle in Willi Forsts Film „Die Sünderin“.

Das, was sie zeitlebens blieb, erkennen wir schon in diesen frühen Filmen: eine emanzipierte und realitätsbezogene, selbstständige Frau.
Ein Frauenbild, das in den 50er Jahren noch revolutionär war.
Es folgen bemerkenswerte Rollen in verschiedenen Hollywood-Filmen und am Broadway.
Sie ist der erste große Filmstar Deutschlands nach dem Krieg in Amerika.

1963 dann beginnt sie ihre zweite Karriere als Chansonsängerin, ihre Schallplatten erzielen Millionenumsätze, die Tourneen sind stets ausverkauft.
Als Autorin einer Autobiographie „Der geschenkte Gaul“ 1970 erreicht sie eine Weltauflage von über 3 Millionen Exemplaren.

Viele ihrer Liedtexte hat sie selbst geschrieben. Ihr großartiger Erfolg in Text und Gesang begründet sich wohl auch darauf, dass sie selbst erlebte Geschichten erzählt.

Geschichten vom Überleben, von eigenen Ängsten, vom Alltag, von Glück und Unglück.

Manchmal schnoddrig auf berlinerische Art vorgetragen, so wie wir Berliner es lieben, aber immer auch mit einem Schuss Sentimentalität, der nie kitschig war.

Hier ist sie ihrer großen Freundin Marlene Dietrich sehr ähnlich. Beide sind vielleicht wirklich nur zu verstehen, wenn man sich ihre Berliner Ursprünge vergegenwärtigt.

Hildegard Knef war uns Berlinerinnen und Berlinern menschlich sehr nah.

Sie hat ihre Krisen, Verzweiflungen und Zusammenbrüche mit uns geteilt.
Mit ihrem Beispiel an Kraft und Stärke, an Unverzagtheit und Mut im Leben wie im Film, auf der Bühne und im Lied war sie vielen Menschen ein Vorbild, eine Identifikationsperson.

So wie Hildegard Knef das Leben gemeistert hat, so wie sie Leid und Schmerz ertragen hat, so wünschen wir uns, selbst zu sein.
Dazu noch eine Weltläufigkeit mit Bodenhaftung.
In ihr fanden sich die Berlinerinnen und Berliner wieder.
Diese enge Symbiose zwischen der Stadt und ihrer Stimme erklärt auch die große Trauer, die uns alle bei ihrem Tod erfasst hat.
Hildchen hatte mit ihrer Stadt Berlin viel gemeinsam.

Höhen und Tiefen einer langen Karriere.
Wunden, Narben und viele Schicksalsschläge.
Aber immer mit Mut und Entschlossenheit gekämpft.
Nie aufgeben.
Bis zum Schluss.

Berlin sagt Danke.
Ein großartiger Mensch ist von uns gegangen.

Hildegard Knef, für dich wird es immer tausend rote Rosen regnen – in unserer, deiner Stadt Berlin. – - – - -

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