VERDIENSTORDEN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND

Pressemitteilung vom 14.10.2002

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Im Auftrag des Bundespräsidenten überreicht der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, am Mittwoch, 16. Oktober 2002, ab 10 Uhr im Festsaal des Berliner Rathauses an zehn Berlinerinnen und Berliner Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (Fototermin). Die Auszeichnungen erfolgen in Zusammenhang mit dem diesjährigen Tag der Deutschen Einheit. Raiko Thal von der “Berliner Abendschau” wird die Veranstaltung moderieren. Im Anschluß findet im Wappensaal ein Empfang statt.

Die zehn Bürgerinnen und Bürger sind im sozialen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen sowie im kulturellen Bereich tätig. Wowereit: “Diese Mitbürgerinnen und Mitbürger haben sich auf vielfältige Weise für gesellschaftliche Belange eingesetzt. Es sind Frauen und Männer, die aus ganz persönlicher Betroffenheit oder ausgehend von engagierter beruflicher Tätigkeit aktiv geworden sind. Sie haben zumeist ehrenamtlich viel Zeit und Mühe investiert.”

Die zehn Persönlichkeiten in Kurz-Porträts:

Siegfried Dreusicke (geb. 17. Februar 1942, Berlin), Geschäftsführer des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerkes: Dreusicke hat sich schwerpunktmäßig dafür eingesetzt, Hilfsangebote für straffällig gewordene Kinder und Jugendliche zu schaffen. Er engagiert sich für offene Einrichtungen der Jugendarbeit, in denen Erziehung und gesellschaftliche Rehabilitation eben gerade außerhalb von Untersuchungshaft und Strafvollzug möglich sind. Vor allem seinem Einsatz ist zu verdanken, dass in Brandenburg zwei Einrichtungen für diese Berliner Kinder und Jugendlichen eingerichtet worden sind und eine dritte derzeit aufgebaut wird. Dreusicke hat dabei auch immer Wert auf den Ausbau der Kooperation zwischen Berlin und Brandenburg in der Jugendhilfe gelegt. Unter seiner Leitung hat sich das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk der Arbeit mit Opfern sexueller Gewalt gewidmet.

Lothar Duclos (geb. 14. Dezember 1939, Berlin), Angestellter: Duclos hat sich mittlerweile fast 50 Jahre auch ehrenamtlich in der Jugendarbeit engagiert. Bereits im Alter von 15 Jahren ist er dem Bund deutscher Pfadfinder beigetreten. Seit 1959 arbeitete er
im Bezirksjugendring Wilmersdorf und war acht Mal in Folge dessen Vorsitzender. Besonders wichtig war Duclos die internationale Jugendarbeit und dabei besonders der Kontakt zu Israel. Höhepunkt dieser Aktivitäten war die Organisierung des Pfadfindertreffens Jamborette, beim dem sich während der 750-Jahr-Feier Berlins 4600 Pfadfinder aus der ganzen Welt in unserer Stadt trafen. Besonders hervorzuheben ist Duclos’ Mitarbeit beim Aufbau der “Teestube” im Komplex der Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße, die dank seiner Unterstützung zu einer Anlaufstelle für Jugendliche in einem sozialen Brennpunkt werden konnte.

Ingrid Fuhrmann (geb. 19. Juni 1934, Berlin), Rentnerin: Seit 15 Jahren setzt sich Fuhrmann für Demenzkranke und ihre Angehörigen ein. Auslöser für Fuhrmanns Engagement war ihr persönliches Schicksal: Ihre Mutter erkrankte 1987 an Alzheimer, wurde zunächst in ihrer Wohnung versorgt und kam später in eine Pflegeeinrichtung. Fuhrmann hat aus dieser Betroffenheit heraus die erste offene Selbsthilfegruppe für Angehörige von Demenzkranken in Berlin initiiert. Zudem war Fuhrmann Impulsgeberin für die Gründung der Alzheimer Gesellschaft Berlin e.V. 1989. Fuhrmann hat ehrenamtlich viel Zeit aufgewendet, um für Verständnis für Alzheimer-Patienten und deren Angehörige zu werben. Entscheidend ist für sie immer gewesen, dass die “Fachleute” nicht über die Belange der Betroffenen hinwegreden, sondern den Dialog mit den pflegenden Angehörigen suchen.

Alfred Gertler (geb. 25. Juni 1950, Hannover), freier Journalist: Als Vorstandsmitglied der Bundespressekonferenz e.V. hat Gertler maßgeblich dazu beigetragen, dass seine Organisation und ihre Mitglieder den Umzug aus Bonn an die Spree erfolgreich gemeistert haben. Als Verantwortlicher für die alljährliche Ausrichtung des Bundespresseballs hat er mit außergewöhnlichem persönlichen Einsatz dafür gesorgt, dass diese Ballveranstaltung in angemessener Weise in Berlin fortgesetzt wird.

Jürgen Kocka (geb. 19. April 1941, Haindorf), Universitäts-Professor: Der seit 1988 als Professor für die Geschichte der Industriellen Welt an der Freien Universiät Berlin tätige Historiker hat am 1. Januar 2001 die Präsidentschaft des größten sozialwissenschaftlichen Forschungszentrums in Europa, des Wissenschaftszentrums Berlin, übernommen. Besondere Verdienste hat sich Kocka seit Anfang der 90er Jahre bei der Umgestaltung der Wissenschaftslandschaft in Berlin und Brandenburg erworben. Bei der Aufarbeitung der Geschichte der DDR legt er Wert darauf, dass es dem Zeithistoriker um Nuancen und Grautöne gehen müsse, und wendet sich gegen eine zu starke Politisierung der Zeitgeschichte.

Massimo Mannozzi (geb. 12. März 1941, Viareggio/Italien), Gastronom: Mannozzis Verdienste liegen in der Positionierung Berlins als kulturelle und gastronomische Metropole und in seinem Engagement für die deutsch-italienischen Beziehungen. Er ist seit 1968 Eigentümer des Berliner Restaurants “Bacco” und war der erste Italiener in unserer Stadt, der die anspruchsvolle italienische Küche favorisierte. Wirtschaftspolitisch wurde er nach der Wende als Präsident der Vereinigung “Kleine ausländische Firmen in Berlin” aktiv. Mannozzi sorgte für die Wiederbelebung des Berliner Filmballs als “Notte delle Stelle” und stiftete den Preis “Premio Bacco Speziale” an einen Vertreter des italienischen Films, der unter Schirmherrschaft des italienischen Botschafters verliehen wird. Als Gastronom schuf er in seinem Restaurant ein Zentrum kreativen Gedankenaustauschs. Zudem ist er Präsident der Vereinigung der Luccheser in aller Welt (“Lucchesi nel mondo”). Die Provinz Lucca ist seine Heimatprovinz.

Wolf-Dieter Tuchel (geb. 6. Februar 1931, Berlin), Senatsdirigent a.D.: Weit über seine dienstlichen Pflichten hinaus hat Tuchel sein Leben und seine Kraft dafür eingesetzt, der Jugend in Deutschland eine Chance auf eine gute Zukunft zu verschaffen. Seit seiner Verabschiedung aus dem aktiven Dienst des Landes Berlin 1996 arbeitet Tuchel ehrenamtlich als Vorsitzender des “Fördervereins für Jugend- und Sozialarbeit” und der “Universalstiftung-Helmuth-Ziegner” in Berlin und Brandenburg. In seiner dienstlichen Tätigkeit setzte er sich in außergewöhnlicher Weise für die Verbesserung der Lage von Familien und Kindern in der Nachkriegszeit und während der Teilung ein. Nach dem Fall der Mauer machte er die Zusammenführung der Jugendhilfe in Ost und West zu seinem auch persönlichen Anliegen.

Brigitte Walz (geb. 16. Februar 1955, Altensteig): Berlin verdankt Walz den großen Erfolg des “Karnevals der Kulturen”, der inzwischen neben der Love Parade und dem Christopher-Street- Day zu den weit über die Stadt hinaus bekannten Open-Air-Veranstaltungen zählt. Der “Karneval der Kulturen” ist ein Fest aller Generationen und sozialen Gruppen, offen für neue Trends und Stilrichtungen der Jugend- und Minderheitenkulturen, und er ist damit eine Demonstration der Vielfalt traditioneller und moderner Kulturen Berlins. Dieser Erfolg ist Ergebnis der sorgfältigen und kontinuierlichen Arbeit des in der “Werkstatt der Kulturen” angesiedelten Projektbüros, dem Walz angehört. Seit sechs Jahren gelingt es immer wieder aufs neue, über 70 Nationalitäten und Hunderte von Akteuren zusammenzuführen. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Integration der in unserer Stadt lebenden Zuwanderer geleistet.

Dietmar Winje (geb. 20. Juli 1944, Glatz), Universitäts-Professor: Als Professor an der Technischen Universität Berlin hat Winje 1984 bis 1990 das Fachgebiet Energie- und Rohstoffwirtschaft aufgebaut und geleitet. Aus seiner wissenschaftlichen Tätigkeit heraus hat er sich weit über die Grenzen Deutschlands hinaus verdient gemacht um den zukunftsfähigen Umgang mit Ressourcen und Energie. Hervorzuheben sind besonders seine Aktivitäten in China und Brasilien, seine Tätigkeit für die Europäische Kommission sowie für mehrere Regierung asiatischer Staaten. Von 1990 bis 2002 gehörte Winje dem Bewag-Vorstand an, dessen Vorsitz er 1996 übernahm. Hier gehörte insbesondere die erfolgreiche Privatisierung des Unternehmens und damit die Sicherung des Wirtschaftsstandortes Berlin sowie zuvor die Zusammenführung der beiden Berliner Energieversorger aus Ost und West zu seinen Verdiensten.

Nanna Zernack (geb. 19. September 1938, Düsseldorf), Medizinisch-technische Assistentin: Zernack arbeitet seit vielen Jahren ehrenamtlich in frauenpolitischen Fragen, vor allem im vorpolitischen Raum als Mitglied der GEDOK-Berlin (Verband der Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstförderer e.V.). GEDOK ist ein weitvernetzter Förderverein, der Künstlerinnen aller Kunstgattungen zusammenführt und der Künstlerinnen einen Weg in die Öffentlichkeit bahnt. Zernack hat in diesem Rahmen mit großem Erfolg viele Funktionen bei der Vertretung der Berliner Gruppe nach außen – in den öffentlichen Gremien unserer Stadt und beim Senat – als auch nach innen – bei der Koordinierung von Ausstellungen und der Gestaltung von Katalogen – ausgeübt. Im Kontext der Wiedervereinigung hat Zernack sich für Künsterinnen aus den neuen Bundesländern eingesetzt. Sie hat entscheidend an der Neugründung der GEDOK Leipzig (1992) und der Gruppe Brandenburg (1994) mitgewirkt.

Weitere Informationen zum Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland: http://www.bundespraesident.de/index2.htm?/010amt/020inland/050ehrungen/010verdienst/

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