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Finale Entwürfe der Planungsteams

Am 28. Januar 2020 haben die Planungsteams ihre Entwürfe auf der Abschlusspräsentation des städtebaulichen Werkstattverfahrens der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Folgenden finden Sie die Entwürfe und Beschreibungen der drei Planergemeinschaften.

ifau / Stadt Land Fluss / friedburg & hhvh / projektbüro

Pläne ifau
Bild: ifau - Institut für angewandte Urbanistik

Das räumliche Konzept nimmt wesentliche Qualitäten des überformten ehemaligen Kasernengeländes auf. Bestehende Typologien und Elemente sowie bestehende Nutzungen und Gebrauchsweisen werden fortgeschrieben und bilden den Ausgangspunkt für die Implementierung neuer erweiternder Programme.

Die orthogonale Struktur der in den Block eingebetteten Anlage bildet die Grundlage für ein tragendes Wegesystem, dass die weitere Entwicklung des Areals wie eine ‚Stadt in der Stadt‘ organisiert. So werden charakteristische räumliche Elemente wie die Gasse, der kleine Platz und des Freiraums bestätigt und weitergeführt – gleichzeitig werden Entwicklungsfelder generiert, die autonom und spezifisch sowie dialogisch und nachbarschaftlich ausdifferenziert werden können. Diese räumliche und programmatische Disposition basiert auf einem einfachen Prinzip der urbanen Entwicklung, das Zugänglichkeiten gleichberechtigt organisiert, gemeinschaftliche Räume und Zwischenräume überordnend gestaltet und gleichzeitig Spezialisierungen, Transformationen und Adaption ermöglicht, ohne dabei die Kohärenz des Gesamtgefüges aufzuheben.

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Das regelmäßig angelegte und erweiterte Wegesystem erlaubt eine gleichmäßige Verteilung der Bauvolumen und eine äquivalente räumliche Dichte. Bestehende und ergänzende Grünräume sind gleichwertig als Volumen in dieses System integriert. So entsteht ein abwechslungsreiches Blockinneres aus Neubauten und Bestandsgebäuden, das durch Freiräume, Wege und Gassen strukturiert und gegliedert wird.

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Die Erdgeschosszone (Ebene 0) wird grundsätzlich als verhandelbare Zone gedacht, in der die Freiräume implizierter Bestandteil sind. Verhandelbar heißt, dass auf dieser Ebene die Bedarfe an Gemeinwohl und die Ansprüche der entwickelnden Akteure verknüpft werden können. Als Schwellenräume zum Stadtraum verbinden sich Flächen des Gemeinwesens, sozialer Infrastruktur, Wohnen und Wohnnebenflächen, Gemeinschaftliche Nutzungen, Dienstleistungen und leises Gewerbe zu einem differenzierten porösen Gefüge von öffentlichen, teilöffentlichen und privaten Räumen.

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Das Areal ist in 11 Felder unterteilt, die jeweils Bestandsgebäude, Freiräume und neue Bauvolumen einschließen. Die Felder O – 6b + F/R sind so bemessen, dass sie jeweils von einer kleinen Gruppe von Akteuren entwickelt und verhandelt werden können. Das jeweilige Ensemble wird zum einen durch übergeordnete räumliche Regeln qualifiziert und differenziert, zum anderen können die spezifischen Bedarfe der jeweiligen Bestandsnutzer, der Projektverantwortlichen und der Kooperationspartner berücksichtigt werden. Ein Feld kann so projektweise situativ und kooperativ entwickelt werden, und – der Konstitution der die bisherige Entwicklung des Dragonerareals begleitenden Akteursgruppe entsprechend – deren Ressourcen und Potentiale weiterhin produktiv eingebracht werden.

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Entwurf des Planungsteams ifau / Stadt Land Fluss / friedburg & hhvh / projektbüro

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ROBERTNEUN™ / BeL / Studio Vulkan

ROBERTNEUN™ / BeL / Studio Vulkan
Bild: ROBERTNEUN ARCHITEKTEN GmbH

Das Dragoner Areal begeistert durch eine große räumliche und atmosphärische Dichte, Reichhaltigkeit und Vielfalt, die unbedingt Ausgangspunkt, Ziel und Inhalt unseres Konzeptes sein soll. Die bestehenden und zu integrierenden gewerblichen und kulturellen Nutzungen bieten zudem die Chance, dass hier wirklich ein nutzungsgemischtes urbanes Quartier entsteht.

Unser Konzept basiert auf der denkmalpflegerischen Strategie des Weiterbauens. Dieses Konzept knüpft an die bereits vollzogene Verwandlung der Kaserne im Laufe Ihres Lebens an und macht sich die Eigenarten der sehr unterschiedlichen Bestandteile zunutze. Das Denkmal wird lebendiger Bestandteil der Weiterentwicklung.

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Die Vielfalt des Ortes begründet sich vor allem in der Dualität aus Kaserne und gründerzeitlicher Stadttextur. Die infrastrukturelle Kaserne vor der Stadt wurde im Rahmen der Stadterweiterung von einer gründerzeitlichen Stadttextur als Blockrandbebauung überwuchert und so in die Stadttextur integriert. Zwischen der rigiden Kasernen- Geometrie und dem Inneren des Berliner Blocks mit seinen ausfransenden Stadtbausteinen blieb ein ungeordnetes Hinterland, das seitens der Kaserne mit weiteren nachgeordneten Nebengebäuden in einer unhierarchischen Weise gefüllt wurde.

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Die heutigen Bestandsbauten sind das Ergebnis vielfältiger Erweiterungen und Überschreibungen der kontinuierlich gewachsenen Stadtstruktur. Denkmalgeschützte und für das Ensemble Dragoner Areal essentielle Gebäudeteile werden erhalten und mit einer zusätzlichen Nutzungsschicht, der Wohnnutzung und Gemeinwohl Nutzung erweitert.

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Über die Ausrichtung und Erschließung der einstigen Reit- und Werkhallen entsteht eine scheinbar zufällige Hinterhofabfolge. Die bestehende Platzabfolge wird gestärkt und charakteristisch eigene Orte und Plätze entstehen. Bestand und Neubau bilden lebenswerte Wohnensembles. Die öffentlichen Gebäudeteile orientieren sich zu den Höfen.

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Die historische Kammstruktur der Stallungen und das gegenüberliegende Mannschaftsgebäude sind prägend für das
einstige Kasernenareal – und bis heute. Die Struktur wird in ihren Grundzügen erhalten. Die fehlenden Flügel werden nicht rekonstruiert, sondern durch breitere und höhere Baufelder ersetzt und so zu einer zeitgemäß nutzbaren Architektur. Die Barriere des Finanzamtes wird aufgelöst. Über den Anbau gelingt es einen Nutzungsbezug in das Gebiet herzustellen.

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Die vormalige Kasernenarchitektur umschließt die drei großzügigen Hofräume. Den Exerzierplatz als repräsentativer Schauplatz zwischen Mannschaftsgebäude und Reithalle und die beiden Reitübungsplätze zwischen den Stallungen. Die beiden Reitübungsplätze bleiben in ihrer Großmaßstäblichkeit erhalten und bilden zwei unterschiedlich genutzte Freiräume, den Wohngarten und den Werkhof. Der ehemalige Exerzierplatz, wird teilweise wieder offengelegt und ist Zentrum der Arealentwicklung.

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Alle Bauten bleiben in einer Flucht als Gegenüber zum Mannschaftsgebäude und bilden mit ihren, nun zwar unterschiedlich proportionierten Köpfen, die bestehende Gliederung des Zwischenraums.

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Grundlage der weitergebauten Kaserne sind die drei ursprünglichen Höfe, als Zonierung, wie auch die bestehenden Torhäuser als Wegebeziehungen der Kaserne. Das strenge Grid an Wege- und Sichtbeziehungen bleibt auch weiterhin erhalten und schließt die Neubauten und Hofräume mit ein.

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Entwurf des Planungsteams ROBERTNEUN™ / BeL / Studio Vulkan

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SMAQ Architektur und Stadt / MML / Barbara Schindler

SMAQ Architektur und Stadt / MML / Barbara Schindler
Bild: SMAQ Architektur & Stadt GmbH

Die vorgeschlagene Bebauung arbeitet die historische Differenz zwischen der ehemaligen Kasernenanlage und der gründerzeitlichen Blockrandbebauung heraus. Es bleibt erkennbar und spürbar, wie die Zeitschichten und Stadtplanungsphasen aufeinander eingewirkt haben. Der klassische Berliner Block wird im Quartier geöffnet und bekommt eine Orientierung zu seiner Mitte hin. Die neuen Häuserreihen entlang der charakteristischen Fünfeck-Geometrie adressieren die Öffentlichkeit im Quartier.

Das zentrale Angebot an die städtische Öffentlichkeit besteht in der Etablierung eines klimawirksamen, offenen Raums, der zur Begegnung aller Gruppen einlädt und die Nachbarschaften mit einbezieht. Diese Grüne Füge öffnet als kommunaler und kooperativer Gartenraum den Block und bietet vielfältige Formen zur Nutzung und Aneignung. Eine zweite Orientierung bildet die Mittelachse der Kasernenanlage mit einem Wohnhochhaus als weithin sichtbares Zeichen. Auf dieser Linie bildet sich eine Sequenz von Plätzen, vom Finanzamt über die Adlerhalle bis zum „Quartiersforum“ im Herzen des Quartiers mit sozialen Funktionen in den ehemaligen Reithallen.

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Der denkmalgeschützte Gebäudebestand wird städtebaulich aufgegriffen und neu interpretiert. Die Gebäude bleiben eigenständig und rahmen die Baufelder, welche die dreiteilige Anlage der Kaserne nachzeichnen. Im südlichen Bereich der Kaserne entstehen die kompakten Wohn-Höfe, im Sinne bezahlbaren Wohnens mit einer guten Bauökonomie und zugleich einer hohen Wohnqualität. Die Urbane Fabrik im Norden des Quartiers vereint vielfältige Produktionsformen. Zwischen diesen beiden Nutzungsschwerpunkten wird die zentrale Achse als Austauschraum vorgeschlagen, als Tauschort für Produkte, Ideen und Fertigkeiten.

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Die bestehenden Stallgebäude der Kaserne sind eine entscheidende Ressource für eine Vielfalt an Nutzungen. Es sind die Nischen, die nicht alle vorweg programmiert werden müssen, um ein Wachsen und eine Ausdifferenzierung des Quartiers prozesshaft zu ermöglichen. Das Prinzip der Zukunftsoffenheit und flexiblen Programmierbarkeit wird auch bei den Neubauten etabliert. Gemeinwohlflächen werden mit Waben-Nutzungen weiter ausdifferenziert. Dabei fungiert die aktive, offene und dynamische Ebene des Erdgeschosses über das Quartier hinweg wie eine physische Austausch-Plattform für nicht vordefinierte Synergien.

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Die Freiräume durchweben das gesamte Areal und bieten vielfältige Aneignungsmöglichkeiten. Das Innere des Quartiers ist autoarm und durch die vielen Freiräume fußgänger- und fahrradfreundlich erschlossen. Die Freiräume wirken darüber hinaus als klimawirksame Infrastruktur des Viertels. Hierbei ist das integrierte Regenwassermanagement von besonderer Bedeutung, durch welches das Regenwasser als Ressource betrachtet wird. Eine weitere infrastrukturelle Säule bildet die Gehölzstruktur aus, um die notwendige Begrünung und Beschattung zu gewährleisten. Der Freiraum wird nur mit dieser Grundinfrastruktur ausgestattet und in einem demokratischen Prozess, mit den NutzerInnen ausgestaltet bzw. an sie übergeben.

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Entwurf des Planungsteams SMAQ Architektur und Stadt / MML / Barbara Schindler

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