Zwischenergebnisse: Drei Entwürfe für das Dragonerareal

Die folgenden Konzepte sind das Zwischenergebnis des städtebaulichen Werkstattverfahrens, das der Öffentlichkeit am 05. November 2019 vorgestellt wurde. Die Anregungen und Bedenken aus der frühzeitigen Beteiligung werden thematisch zusammengefasst und in das Abschlusskolloquium eingebracht.

Entwurf des Planungsteams ROBERTNEUN™ / BeL / Studio Vulkan

Entwurf Team ROBERTNEUN/ BeL/ Studio Vulkan
Bild: ROBERTNEUN/ BeL/ Studio Vulkan

Leitidee und Grundzüge der Planung

  • Grundgedanke des Entwurfs ist, dass sich das Dragonerareal in zwei Bereiche mit sehr unterschiedlichen Charakter gliedert. Dies sind die Kaserne mit großmaßstäblichen, baulich gefassten Höfen und der “Hinterhof” zwischen Blockrandbebauung und Kaserne mit Remisen, Werkstätten und Garagen und typisch Berliner Hinterhofatmosphäre. Für die Weiterentwicklung im Sinne eines Weiterbauens dieser beiden Bereiche werden eine differenzierte Strategie im Umgang mit dem Denkmalbestand und ein situativer Ansatz verfolgt.
  • Grundlage der weitergebauten Kaserne sind die drei ursprünglichen Höfe. Diese wilden unterschiedliche Zonen und Baufelder aus. Die fehlenden Flügel werden nicht rekonstruiert, sondern durch breitere und höhere Baukörper ersetzt. Auf diese Weise bleibt der dreigliedrige Rhythmus entlang des Mannschaftsgebäude deutlich und die verbleibenden Höfe werden als großmaßstäbliche, unterschiedlich genutzt Freiräume les- und nutzbar.
  • Im “Hinterhof” werden bestehende Gebäude situativ und punktuell ergänzt. Dies geschieht durch Weiter-, Um- und Anbauten sowie durch Aufstockung. Auf diese Weise entstehen fließende informelle, kleinteilige Raumverbindungen und ein Freiraumring, der eine Durchwegung und Öffnung des Blocks ermöglicht.
  • Die Nutzungsstruktur folgt der Empfehlung, das Gebiet in einen gewerblich geprägten südlichen Teil aufzuteilen. Durch die Anordnung urbaner Nutzungen in der Sockelzone (z. B. wohnverträgliches Gewerbe) und gewerblicher bzw. Wohnnutzung in den oberen Geschossen erfolgt zudem auch eine vertikale Gliederung.
  • Die Erweiterung des Rathauses erfolgt im nördlichen Teil des Rathausgrundstücks, wo sie in Verbindung mit anderen Gebäuden einen Rathausplatz ausbildet.
  • Die zusätzlichen Flächen für das Finanzamt werden in einem dem Mannschaftsgebäude auf der gesamten Länge vorgelagerten Ergänzungsbau nachgewiesen. Dieser orientiert sich mit seinen urbanen Nutzungen in der Erdgeschosszone zum Gebietsinneren, so dass eine neue räumlich-funktionale Qualität entsteht.

Entwurf Team ROBERTNEUN/ BeL/ Studio Vulkan

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Entwurf des Planungsteams ifau / Stadt Land Fluss / friedburg & hhvh projektbüro

Planungsteam ifau / Stadt Land Fluss / friedburg & hhvh projektbüro
Bild: Planungsteam ifau / Stadt Land Fluss / friedburg & hhvh projektbüro

Leitidee und Grundzüge der Planung

  • Die stadträumliche Struktur des Entwurfs orientiert sich am orthogonalen Raster des ehemaligen Kasernegeländes und schafft Entwicklungsfelder, die projektorientiert von den jeweils beteiligten Akteuren ausdifferenziert werden können. Jedes Feld integriert Bestands- und Neubauten und eine Mischung unterschiedlicher Nutzergruppen. Auf diese Weise entsteht ein alternierendes Feld aus Neubau und Bestand, eine Stadt in der Stadt, die durch Freiräume, Wege und Gassen strukturiert und gegliedert wird und eine gleichmäßige Verteilung der Bauvolumen ermöglicht.
  • Prägendes Element des Entwurfs ist die fünf Meter hohe Sockelzone, die im nördlichen Bereich vorhandene, das Wohnen störende Nutzungen (z. B. Club und Gewerbe) und in den durch Wohnnutzung geprägten Bereichen auch gemeinschaftliche / gemeinwohlorientierte Einrichtungen (z. B. Werkstätten und Ateliers) aufnimmt.
  • Die gewerblichen Nutzungen werden im nördlichen Teilbereich in einem fünf-geschossigen Gewerbehof in zwei Baukörpern angesiedelt. Das Wohnen verteilt sich auf den südlichen Hof, sowie auf die Flächen im westlichen Teil des Areals und ist in unterschiedlichen Typologien mit bis zu sieben Vollgeschossen organisiert.
  • Im Hinblick auf die Rathauserweiterung wird ein drei-geschossiger Anbau im Norden und Osten des bestehenden Verwaltungsgebäude vorgeschlagen.
  • Die Erweiterung des Finanzamts erfolgt durch einen drei-geschossigen Riegel auf der Rückseite des Finanzamts, der wie auch das Mannschaftsgebäude durchlässig sein soll.
  • In der Neuen Reiterhalle sind Kita und Jugendfreizeiteinrichtung mit den erforderlichen Freiflächen konzentriert.
  • Die Entwicklung des Dragonerareals kann in voneinander unabhängigen Teilschritten erfolgen, so dass im weiteren Verlauf Korrekturen und Anpassungen an akute Bedarfe vorgenommen werden können. Auch die Gestaltung der Freiräume erfolgt adaptiv – bestehende Qualitäten werden erhalten und im Verlauf des Realisierungsprozesses integrativ weiterentwickelt.

Entwurf Team ifau/ Stadt und Land/ friedburg & hhvh projektbüro

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Entwurf des Planungsteams SMAQ Architektur und Stadt / MML / Barbara Schindler

Entwurf Team SMAQ Architektur und Stadt/ MML/ Barbara Schindler
Bild: SMAQ Architektur und Stadt/ MML/ Barbara Schindler

Leitidee und Grundzüge der Planung

  • Im Zentrum des Entwurfs steht die Schaffung eines klimawirksamen, freizugänglichen Freiraums, der zur Begegnung aller Gruppen einlädt und die Nachbarschaft miteinander vernetzt. Dieser spannt sich zwischen ehemaliger Kasernenanlage und der gründerzeitlichen Blockrandbebauung auf. Drei potentielle Hochpunkte betonen die grünen Fugen als neue Mitte im Quartier.
  • Die Kasernenanlage wird nahezu komplett erhalten und in ihrer dreiteiligen Gliederung durch die Setzung eines Hochpunkts in der Mittelachse, eines zwei- bis achtgeschossigen Wohnhofs im Süden und der fünfgeschossigen Mietfabrik im Norden gestärkt. Die neuen Baukörper lösen sich dabei von der strengen orthogonalen Ordnung der ehemaligen Kaserne und schaffen so versammelnde Räume.
  • Die bestehenden gründerzeitlichen Seitenflügel / Hofgebäude werden durch zwei kompakte, acht-geschossige mischgenutzte Gebäude zu innen liegenden Höfen geschlossen und bilden im Zusammenspiel mit diesen überschaubare Teilnachbarschaften aus. Sie geben ihnen zur grünen Fuge ein neues Gesicht und machen diese zugänglich.
  • In einer zentralen Platzfolge aus einem Aktivplatz mit Angeboten wie Basketball und Skate-Boarding, einem Kreativmarktplatz fur Kiezaktivitäten und einem „Dorfplatz“ mit Kita und Kantine wird die historische Anlage erlebbar.
  • Die Erweiterung des Finanzamtes erfolgt durch zwei fünf-geschossige Erweiterungsbauten. Diese formulieren im Zusammenspiel mit der Adlerhalle einen Platz, der durch die Öffnung des Mannschaftsgebäudes direkt zugänglich sein soll und den Auftakt für das Quartierszentrum darstellt.
  • Die Rathauserweiterung erfolgt auf dem eigenen Grundstuck durch drei Anbauten.
  • Das Nutzungskonzept reagiert auf Lärmemission, die im Quartier im Wesentlichen von den Kfz-Werkstätten, Lieferverkehren, dem Club-betrieb und dem Jugendtreff ausgehen. Deshalb Wird eine Zonierung von Norden nach Süden von Gewerbe (Gewerbehof mit Mietfabrik) zum Wohnen (Wohnhof) vorgeschlagen.
  • Das Quartier ist ebenerdig mit öffentlichen, gewerblichen und gemeinschaftlichen Funktionen unterlegt, die ein lebendiges und sicheres Quartiersleben garantieren.

Entwurf Team SMAQ Architektur und Stadt/ MML/ Barbara Schindler

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