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Stärken-Schwächen-Analyse der vorbereitenden Untersuchungen

Marmorwerk
Bild: S.T.E.R.N.

In den vorbereitenden Untersuchungen wurde eine umfassende Stärken-Schwächen-Analyse des Rathausblocks und der Ruhlsdorfer Straße durchgeführt. Die Zusammenfassung ist der sog. “Wachsenden Ausstellung” entnommen, die von den Stadtplanern der Planergemeinschaft erarbeitet wurde:

Stärken
  1. Das Gebiet liegt zentral in der Innenstadt Berlins, etwa auf halbem Weg zwischen City Ost und City West und mit noch geringerer Distanz zum Potsdamer Platz und dem Regierungsviertel.
  2. Die U-Bahn stellt – mit drei Zugangspunkten – direkte Verbindungen in weite Teile des Stadtgebietes her. Durch Buslinien und Umsteigemöglichkeiten zur S-Bahn sind weitere Ziele (zu Naherholungsgebieten, Fernbahnhöfen) ebenfalls bequem zu erreichen.
  3. Das Gebiet liegt unmittelbar im westlichen Kreuzberger Zentrum mit vielfältigen öffentlichen und privaten Angeboten an Bildung, Kultur, öffentlichen Einrichtungen, Einzelhandel, Gastronomie, Dienstleistungen, Handwerk. All dies vermischt sich mit dem Wohnen zur unverwechselbaren „Kreuzberger Mischung“, bietet Lebensqualität und Arbeitsmöglichkeiten für unterschiedliche Qualifikationen und Lebensentwürfe.
  4. Die Stadtstruktur – überwiegend durch das Straßenraster des Hobrechtplanes und die gründerzeitliche Bebauung geprägt – ist weitgehend erhalten und adressen- und identitätsbildend.
  5. Das Dragonerareal, mit dem denkmalgeschützten Finanzamt als äußere Markierung und den großen Potenzialflächen im Blockinneren, bietet die Chance, vielfältige Nutzungen in einem besonderen städtebaulichen Raum zu schaffen.
  6. Die Nachbarschaft zum Sanierungsgebiet Südliche Friedrichstadt mit seinen besonderen kulturellen Angeboten einerseits und dem lebhaften „Bergmannkiez“ andererseits, verortet das Gebiet in einem stark nachgefragten städtischen Raum.
  7. Die Nähe zu siedlungsnahen Grünflächen wie dem Tiergarten, der Hasenheide, dem Tempelhofer Feld und insbesondere dem neuen Gleisdreieckpark bildet einen wichtigen Ausgleich für geringes wohnungsnahes Grün und die dichte Baustruktur.
  8. Das breite Interesse von Betroffenen bzw. engagierten Bürgerinnen und Bürgern der Stadtgesellschaft im Rahmen der Vorbereitenden Untersuchungen zeigt die Mitwirkungsbereitschaft an den angestrebten Veränderungen.
Schwächen
  1. Viele Gebäude aus der gründerzeitlichen Epoche weisen mittleren bis hohen Instandsetzungs- und Modernisierungsbedarf, auch aus energetischen Gesichtspunkten, auf.
  2. Die dichte Baustruktur mit ihrer engen Nachbarschaft aus Wohnen und Arbeiten schafft auch Probleme: durch Emissionen und Flächenkonkurrenzen, z.B. bei der Freiflächennutzung.
  3. Erfolgte Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen und angenommene Zweckentfremdungen für Ferienwohnungen zeigen, dass die bestehende Bevölkerungsstruktur im Gebiet potenziell gefährdet ist.
  4. Ein überdurchschnittlicher Anstieg der ortsüblichen Vergleichs- und der Angebotsmieten geht einher mit einer merklichen Veränderung der Bevölkerungs- und Sozialstruktur.
  5. Das Dragonerareal, gegenüber dem Umfeld und der Lage in der Stadt ohnehin gering genutzt, weist erhebliche Leerstände auf. Hier liegt ein großes Potenzial, das zur Minderung des Wohnungsmangels, insbesondere für bezahlbaren Wohnraum aktivierbar wäre.
  6. Die denkmalgeschützte Bausubstanz, insbesondere auf dem Dragonerareal, ist durch Überformung und schlechter Instandhaltung in einem dringend erneuerungsbedürftigen Zustand.
  7. Es fehlen Angebote der sozialen Infrastruktur und des öffentlichen Grüns in unmittelbarer Nachbarschaft zum Wohnen. Darüber hinaus fehlen attraktive Fuß- und Radwegverbindungen.
  8. Die hohe Verkehrsbelastung durch den motorisierten Individualverkehr verursacht erhebliche, z.T. grenzwertübersteigende Emissionen, bedeutet in vielen Straßen Barrierewirkung und Gefährdung und schränkt Nutzung und Gestaltbarkeit des öffentlichen Raumes für andere als Verkehrszwecke massiv ein.
  9. Die stadtklimatischen Bedingungen sind durch die bauliche Dichte und hohe Versiegelung, verstärkt durch die Belastungen durch die Emissionen aus Heizung und Verkehr, schlecht.

Schlussbericht der Vorbereitenden Untersuchung für den Rathausblock Ruhlsdorfer Straße

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