DLRG: Schwimmbäder mehr denn je im Blick

Juli August 2020

Ein Kind lernt schwimmen - die Schwimmausbildung gehört zu den Kernaufgaben der DLRG
Ein Kind lernt schwimmen - die Schwimmausbildung gehört zu den Kernaufgaben der DLRG
Bild: DLRG

von Ursula A. Kolbe

Als ich dieser Tage die neueste Ausgabe von „DLRG Aktuell“ aus dem Briefkasten nahm, hielt ich eine Sonderpublikation für die Förderer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V. in der Hand. Und wieder hatte die DLRG alarmierende Nachrichten zu vermelden: Alle vier Tage schließt in Deutschland ein Bad!

Doch der Reihe nach: 417 Menschen sind 2019 hierzulande ertrunken. Und immer weniger sind sichere Schwimmer. Laut DLRG-Präsident Achim Haag ist die Zahl der Nichtschwimmer drastisch angestiegen. Rund 60 Prozent der Zehnjährigen seien keine sicheren Schwimmer. Das ist leider ein besorgniserregender Trend, denn 2010 waren es laut einer von der DLRG in Auftrag gegebenen forsa-Umfrage noch rund 50 Prozent. Deutschland entwickle sich mehr und mehr zum Land der Nichtschwimmer.

In DDR-Zeiten war zu meiner Schulzeit der Schwimmunterricht obligatorisch. Da es in unserem Ort kein Bad gab, fuhr die Klasse in den Sommerferien drei Wochen in ein Schwimmlager – und wir hatten leider Pech, drei Wochen lang nur Regen, Regen, Regen – am Ende aber kein Schwimmabzeichen. Also die ganze Prozedur ein Jahr später noch einmal – und diesmal mit Erfolg, glückliche Kinder kehrten zu ihren Eltern zurück. Eine Mitschülerin ist nach erfolgreicher Beendigung der 10. Klasse übrigens Bademeisterin in einem Schwimmbad geworden.

Auf die Frage, warum denn in vielen Schulen kein Schwimmunterricht mehr angeboten wird, antwortete Präsident Haag, dass es daran liegt, „dass 25 Prozent der Grundschulen überhaupt keinen Zugang mehr zu einem Schwimmbad haben“. Statistisch gesehen schließt, wie gesagt, alle vier Tage ein Schwimmbad – weil das Geld fehlt.

Bäder sind wenig lukrativ, Kommunen müssen ihre Schwimmbäder in der Regel bezuschussen. In Zeiten leerer Kassen werden diese Kosten häufig eingespart, sodass Schwimmbäder entweder geschlossen oder an einen privaten Träger verkauft werden. Und das hat Folgen: Private Betreiber verlangen meist höhere Eintrittspreise – und die sind für viele Familien unerschwinglich. Der Zugang für Schulen und Vereine wird schwierig. Die DLRG kämpfe aber weiter dafür, dass das Bädersterben endlich beendet wird.

Petition mit 150.000 Unterstützern

Dafür hat die DLRG ihre Petition „Rettet die Bäder!“ an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages übergeben. Darin fordern rund 150.000 Unterstützende eine angemessene und nachhaltige Bäderversorgung, damit auch in Zukunft Menschen das Schwimmen lernen und die Möglichkeit bezahlbarer sozialer Angebote erhalten bleibt.

Nach zwei Anhörungen sah die Vorsitzende des Sportausschusses, Dagmar Freitag, Handlungsbedarf und war zuversichtlich, dass der Bund zukünftig Mittel freigibt. Damit bezog sie sich auf eine Aussage von Bundesinnenminister Horst Seehofer, der sich Ende letzten Jahres positiv zu einem Sportstättenförderungsprogramm äußerte. Ob dies den Weg in den Bundeshaushalt 2021 findet, ist noch offen.

Und jetzt die Corona-Krise und ihre Folgen, die ihre drastischen Auswirkungen auch auf Kommunen, auf die DLRG-Retter haben. Sie hoffen auf künftige finanzielle Mittel. Viele von Ihnen konnten die Schwimmbäder in ihren Gemeinden nur vor der Schließung bewahren, indem sie ihren Betrieb in Eigenregie übernahmen – was den Rettungsschwimmern viel abverlangt.

So gehören DLRG-Retterin Anja Bossens und ihre Kameraden der Ortsgruppe Hochneukirch zu diesen engagierten Ehrenamtlichen. Ohne sie wäre die Nutzung des städtischen Bades nicht möglich: „Wir stellen das komplette Personal. Und natürlich stellen wir hier auch die Schwimmaufsicht und bieten Schwimmkurse an“, berichtet Anja Bossens. Die Materialien für die Kurse wie Schwimmbretter und Poolnudeln finanzieren die Hochneukirchner Retter zum Teil selbst. Das ist auch in vielen weiteren Städten und Gemeinden so. DLRG-Präsident Haag: “Ob auf lokaler oder politischer Ebene – es ist an der Zeit, die fortschreitenden Bäderschließungen zu stoppen!“

Seenotretter wieder im Einsatz

Mit Lockerung der Ausgangsbeschränkungen an den Badeabschnitten an der Nord- und Ostsee haben auch die Seenotretter wieder alle Hände voll zu tun, um über die Sicherheit von Badenden und Wassersportlern zu wachen. So hatte auch die Rettungsschwimmerin Mareike einen Anruf von ihrem Einsatzleiter erhalten, ob sie wieder auf Rügen bereitstehe.

Sie war schon überrascht, sagte aber natürlich zu. Wäre die diesjährige Badesaison wegen Corona ausgefallen, wäre dies das erste Mal, dass sie ihren dreiwöchigen Sommerurlaub nicht als Rettungsschwimmerin verbracht hätte.

Aber auch diese Helden und Heldinnen brauchen Schutz. Deshalb stattet die DLRG sie und die weiteren 7.000 Rettungsschwimmer und -innen mit einem Corona-Schutz-Set aus. Auch die Ausstattung von Stationen und Rettungstürmen muss ergänzt werden. Auch das braucht finanzielle Unterstützung.