Vor hundert Jahren trat Versailler Vertrag in Kraft

Januar Februar 2020

Abschluss des Versailler Vertrages im Spiegelsaal von Schloss Versaille
Abschluss des Versailler Vertrages im Spiegelsaal von Schloss Versaille
Bild: William Orpen / Wikipedia

von Tristan Micke

Am 10. Januar 1920 trat um 04.15 Uhr der Versailler Vertrag in Kraft. Das war das formelle Ende des 1. Weltkriegs. Ausgehandelt wurde der Vertrag auf der am 18. Januar 1919 eröffneten Pariser Friedenskonferenz. Unter Ausschluss des besiegten Deutschen Reichs entschieden die 32 alliierten und beteiligten Mächte über dessen Zukunft. Besonderen Einfluss hatten dabei die USA, Großbritannien und Frankreich. Die USA strebten die Schaffung des Völkerbundes an, Frankreich verfolgte die Schwächung des Deutschen Reichs durch Abrüstung und Gebietsabtretungen. Die Briten wollten dagegen ein lebensfähiges Deutsches Reich als politisches Gegengewicht zu Frankreich.

Ablehnung im Deutschen Reich

Nach Bekanntwerden des Versailler Vertrags war die Empörung im Deutschen Reich groß. Der Vertag sei unannehmbar, so der damalige Ministerpräsident Philipp Scheidemann. Unter Druck der Alliierten billigte die deutsche Nationalversammlung jedoch am 23 Juni 1919 den Vertrag bedingungslos und unterzeichnete ihn unter Protest am 28. Juni 1919 im Spiegelsaal von Schloss Versailles. Alle politischen Richtungen waren für eine Revidierung der harten Vertragsbedingungen. Nationalistische Kreise fordern den Widerstand gegen den Vollzug des “Schanddiktats”. Besonders die Auslieferung deutscher “Kriegsverbrecher” zur Aburteilung durch alliierte Militärgerichte und die alleinige Kriegsschuld des Deutschen Reichs, mit der die Alliierten ihre Reparationsansprüche begründeten, lösten Empörung und Widerstand gegen die junge Weimarer Republik mit ihrer Erfüllungspolitik aus, zumal sich die Hoffnungen auf ein baldiges Einlenken der Siegermächte nicht erfüllten.

Auswirkungen

Der Versailler Vertrag bedeutete für das Deutsche Reich Gebietsverluste, Reparationsschulden und Entwaffnung. So übernahm im Saargebiet der Völkerbund die Regierung und im Rheinland begann die sogenannte Interalliierte Hohe Kommission ihre Tätigkeit. Besiegelt war der Verlust Elsaß-Lothringens (an Frankreich) sowie des gesamten Kolonialbesitzes. Die Provinzen Posen und Westpreußen gingen weitgehend an Polen, wodurch es einen Zugang zur Ostsee erhielt (polnischer Korridor). Danzig (heute Gdansk) wurde dem Völkerbund unterstellt, Memelgebiet und Hultschiner Ländchen gingen an die Tschechoslowakei, Nordschleswig an Dänemark. Insgesamt bedeutete das für das Deutsche Reich einen Gebietsverlust von 70 579 km² mit 6,5 Millionen Menschen (ohne Kolonien). Mit den Ostprovinzen gingen wichtige Agrargebiete verloren, wodurch sich die ohnehin schlechte Versorgungslage im Deutschen Reich verschärfte.

Das Rheinlandabkommen sah vor, dass das linksrheinische Gebiet und die rechtsrheinischen Brückenköpfe bei Köln, Koblenz, Mainz und Kehl unter alliierter Besetzung bleiben und die Räumung dieser Gebiete erst stufenweise nach fünf, zehn und fünfzehn Jahren erfolgen soll. Ab 20. Januar 1920 hatte das Deutsche Reich sämtliche Besatzungskosten zu tragen.

Reparationsleistungen

Die Höhe der vom Deutschen Reich zu erbringenden Reparationsleistungen waren zunächst noch nicht festgelegt. Bis zur Festlegung des Gesamtbetrags hatte das Deutsche Reich Geld und Sachleistungen in Höhe von 20 Milliarden Reichsmark zu erbringen. Große Teile der Handelsflotte, Strom- und Telegrafenkabel sowie Kohle und Kohleprodukte waren abzuliefern. Das Deutsche Reich wurde weitgehend vom internationalen Handel ausgeschlossen.

Entwaffnung

Die Stärke des Heeres wurde auf 100 000 und die der Marine auf 15 000 Mann reduziert, was für die Grenzsicherung und gegen revolutionäre Umstürze ausreichen sollte. Die allgemeine Wehrpflicht wurde verboten. Es gab keine Flugzeuge, U-Boote und Panzer.

Fazit

Der Versailler Vertag war selbst im Lager der Sieger oft Gegenstand der Kritik. Ein Teil der wirtschaftlichen Auswirkungen wurde durch die Verständigungspolitik von Außenminister Gustav Stresemanns gemildert. Der Kampf gegen den Vertrag war ein Hauptpunkt nationalsozialistischer Propaganda.