Burgen und Schlösser, Sommerpalais und Parks - Reiseimpressionen aus Südmähren

Blick auf die Jagdschloss-Ruine Januv Hrad

Blick auf die Jagdschloss-Ruine Januv Hrad

von Wolfgang Prietsch

Bei der Durchsicht unserer alten Reiseerinnerungen stießen wir auch auf alte Bilder von Reisen nach Tschechien, u.a. auch zu Burgen und Schlössern in Böhmen.

Da entstand der Plan einer erneuten Reise, diesmal zu alten Bauwerken in Südmähren.Das ist das Gebiet zwischen Brno(Brünn), Olomouc (Olmütz) und Ostrava (Mährisch Ostrau) bis runter zur österreichischen Grenze.

Mit unseren erwachsenen Kindern machten wir uns in deren Auto auf eine 14tägige Reise in den Südosten Tschechiens. Die Folge von zu besuchenden Burgen und Schössern hatten wir vorher detailliert mit genauen Anfahradressen aus im internet aufrufbaren Tourismus-Anregungen ausgewählt. Es wurde eine wunderbare, aber anstrengende Kulturreise: Immerhin täglich zwei Schlösser oder Burgen haben wir in Ruhe und Ausführlichkeit innen und außen besichtigt und dabei einmalige Schönheit in historischer Orginalität erlebt. Kriegsschäden sind nämlich hier kaum vorhanden. Immer wieder haben wir einen „Ruhetag“ eingelegt und dabei herrliche Schloss- und Landschaftsparks wandernd genossen. Zu auf Bergen liegenden Burgen muß man oft ohnehin aufsteigen.

Für die Autoreise sollte man unbedingt ein Navigationsgerät benutzen, auf dem man das nächste Ziel mit amtlicher Ortsangabe genau eingeben kann, dann wird man vom Navi geführt, Land- und Straßenkarten allein genügen nicht. Zur Zusatzinfo kann aber die gute Karte mit Ortsindizes Morava/Mähren von Marco Polo dienen.

Man kann die Reise von Burg zu Burg oder Schloß ganz ohne mautpflichtige Straßen durchführen, anderenfalls muß aber an die Maut-Vignette gedacht werden.

Einen Pass braucht man nicht, aber einen gültigen Personalausweis. Den Erstbedarf an tchech. Kronen sollte man mitnehmen oder sofort an der Grenze eintauschen. Grundsätzlich ist der Umtausch €/ tschech. Kronen mit z.B. einer Visa-cart an Bank-Geldautomaten möglich, in kommunalen Wechselstellen aber günstiger.

Bevor es in media res geht, noch ein Wort zur Übernachtung. Wir haben die jeweiligen Quartiere operativ je nach zu erreichendem Zwischenziel mit Notebook über z.B. booking com festgemacht und dann nach Angebotslage sowohl in einfachen Dorfgasthöfen (war nie wirklich schlecht!) als auch in städtischen Pensionen oder in Sternehotels (trotzdem sehr kostengünstig) übernachtet. Last minute spart Kosten, erfordert aber nach anstrengender Tagestour doch Willen und Kondition und Fähigkeit zur Internet-Sucharbeit am mitgenommenen Computer.

Warmes Essen gibt es in Landgasthöfen meist erst am Spätnachmittag/Abend.

Eine detaillierte Wegbeschreibung würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen, daher folgt nur die Auflistung der besuchten Burgen, Schlösser und Parks als Anregung für die eigene Reise:

Schloss und Park Velke Losiny – Burg Sovinec – Burg Sternberk – Burg Bouzov – Schloss Namest na Hane – Burgruine Helfsteyn – Burg Buchlov – Schloss Buchlovice – Schloss Valtive – Burgruine Januv Hrad – Schoß Lednice -Burg Devicky hrad – Park Lednice – Schloß Mikulov – Schloß Znojmo (Znaim) an der Dyji (Thaja) – Burg Novy Hrad – Schloss Vranov – Burg Bitov – Schloss Jaromerice nad Rokytnou – Burg Veveri – Schloss Rajek nad Svitavou.

Von Berlin sind wir über die Autobahn A13/A15 (Grenzübergang Deutschland/Polen bei Bademeisel) weiter in Polen auf der Europastrasse E36 und der anschließenden, schlechten A40/E36 bis südlich von Wroclaw (Breslau) gefahren, dann auf der Strasse über Zabkovice sl. nach Kamieniec Zabkowicki (Kamenz). Hier haben wir ungeplant das sehr große Schlossensemble (1.Hälte 19.Jh.)(Teilruine) besichtigt (Bild 1). Aus dem ehem. Kloster wurde nach1830 in unter der niederländischen Prinzessin Marianne ein neugotisches Schloß erbaut.

Weiter ging es dann über die tschechische Grenze bis zum ersten geplanten Schloß Velky Losiny.

Dieses Renaissance-Schloß von 1580…1589 mit Arkadengängen (praktisch ohne Kriegsschäden) stellt innen wie außen ein Kleinod dar (Bild 3). Den kleinen Park, damals mit üppig blühenden Rhododendron-Büschen (Bild 2) bewachsen, haben wir beim ersten Abendspaziergang genossen (Reiseerholung!).

Eulenburg Sovinec(1380…1348), auf Fels gebaut, ist jetzt eine Ruine, aber höchst sehenswert wegen der Lage in der Landschaft (Bild 4).Die Burg war eine wichtige Festung der Hussiten, wurde 1543 umgebaut, kam 1623 an den Deutschen Orden, brannte 1945 völlig aus.

Die prächtig ausgestattete Burg Sternberk (1253…1269) liegt in der alten sehenswerten Stadt Moravsky Sternberk. Ein altes Cafe am Markplatz hat den mittelalterlichen Gewölbekeller zu einem romantischen Cafe-Teil ausgebaut: Sehr empfehlenswert für eine Ruhepause mit Kaffee und Kuchen. Auf der Weiterfahrt kamen wir ungeplant an einer russisch-orthodoxen Kapelle (Bild 5) vorbei: Wie die wohl hierher kam?

Früh am nächsten Reisetag haben wir die große Burg Bouzow besichtigen. Sie wurde im 13. bis 14. Jh. erbaut, 1896…1910 zum Sitz der Habsburger umgebaut, die prachtvollen Räume atmen noch heute den Geist dieser Zeit.

Und gegen Mittag ist man vielleicht im kleinen ebenerdigen Schloß Namesti na Hane (2.Hälfte 18. Jh.) mit umliegendem Park angelangt, wo neben dem eigentlichen Schloss auch eine historische Kinderwagensammlung besichtigt werden kann.

In frühe Geschichtsperioden fühlt man sich in den Burghöfen und Burgruinen der sehr großen Burganlage Helfsteyn versetzt, wo bei unserem Aufenthalt am Pfingstsonntag grade ein mittelalterliches Burgspektakel stattfand.

In Burg Buchlov (1250 vom böhm. König als Festung erbaut, später im Renaissancestil umgebaut, seit 1850 naturwissenschaftl., öffentliche Sammlung) fanden wir an der Mauer zum Pallas der Burg einen dort wachsenden, schon recht großen Baum (Bild 6): Keiner weiß, wovon der lebt. Von der Höhe der Burgzinnen hat man einen wunderbaren Fernblick auf die umliegende Landschaft, u. a. auch auf Schloss Buchlovice, unserem nächsten Ziel.

Von malerischer Schönheit sind die Schlösser in Valtice und besonders die im (neogotischen) englischen Tudor-Stil erbaute Schlossanlage in Lednice (Bild 8) mit darum liegenden sehr großem Landschaftspark von 1682. Hier ist die österreichische Grenze nicht weit. Die Innenausstattung ist wirklich prachtvoll. Das Schloß ist UNESCO-Welterbe. Bild 9 zeigt einen Treppenaufgang im Schloss.

Nicht weit von Lednice(Fußweg) findet man die sehenswerte, bereits als künstliche Ruine erbaute Burg Januv Hrad (Bild 7), die mit Bootsverkehr von Lednice erreicht werden kann.

Im mährischen Weinviertel an der österreichischen Grenze liegt Stadt und Schloß Mikulov, die „Stadt mit dem Duft des Südens“. Die Burg wurde 1719…30 zum imposanten Schloß (Bild 10) umgebaut, am Ende des 2. Weltkrieges brannte sie aus, wurde aufgebaut und ist heute ein sehenswertes Regionalmuseum.

Die Stadt besitzt eine sehenswerte Synagoge (Mitte 16. Jh.) (Bild 11) und einen alten jüdischen Friedhof mit vielen erhaltenen Gräbern aus der Mitte des 15. Jh.

Auf dem historischen Markplatz kann man unter Kolonnaden sitzend, in einem Weinrestaurant z.B. den sehr guten mährischen Rotwein Sorte „Regent“ verkosten!

Die alte Burg- und Königsstadt Znojmo/Znaim am Fluß Dyje/Thaja mit mittelalterlichem Stadtkern und Rathausturm von 1445 sollte man unbedingt besuchen. Vom Burgberg hat man einen phantastischen Blick auf die Thaja mit hohem Bahnviadukt und auf das Stadtpanorama (Bild 12).

Auf dem Burgberg steht die romanische Rotunde der Hl. Katharina (erbaut vor 1100) (Bild13) mit einzigartigen Wandmalereien innen.

Im österreichisch/tschechischen Nationalpark Thajatal, 10 km südwestlich von Znaim, liegt die romantische Burgruine Novy Hrad (Bild 14). 1358 wurde die untere Burg erbaut. 1645 wurde die von verschiedenen adligen Familien genutzte Burg zerstört. Die heutige Burgruine, hoch über dem Thajatal gelegen, ist heute ein lohnendes Wanderziel. Ab Ende der 50er Jahre bis 1989 war die Burganlage Bestandteil des Grenz-Sperrbezirks zu Österreich.

Auf der Rückfahrt ist unbedingt der Besuch des Schlosses Lysice/Lissitz (nördlich von Brno und Blansko) zu empfehlen: Die berühmte, in der deutschsprachigen Familie ihrer Verwandschaft und ihres Mannes Moritz von Ebner-Eschenbach lebende deutschsprachige Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach, geb. Dubsky (1830-1916) besuchte oft ihre Verwandten hier im Schloss (Bild16). Ein Museum ist ihrem Schaffen gewidmet.

Wem kann man so eine Kulturreise empfehlen? Man sollte großes Interesse für architektonische und kulturhistorische Schönheit besitzen, ferner das für die üblicherweise geführten Schloß-Innenbesichtigungen erforderliche „Stehvermögen“ sowie auch Fähigkeit und Willen zur last-minute-Quartierermittlung über internet. Am besten ist es, mit den erwachsenen Kindern zu reisen, da ist eine Arbeitsteilung beim PKW-Fahren und in organisatorischen Fragen erleichtert.