Die Wiesenweihe in märkischen Gefilden im Blick

Wiesenweihe beim Anflug auf das geschützte Nest

von Ursula A. Kolbe (in ZA mit CITES-Sachverständigem Helmut Brücher)

Das wird die Naturfreunde freuen, überhaupt alle, die bewusst in und mit der Natur leben, sie hegen und pflegen. Es geht hier um die Wiesenweihen in Brandenburg, um seltene, stark gefährdete Greifvögel mit einer Flügelspanne von etwas über einem Meter. Man erkennt das Männchen, ein überwiegend hell-grauer Greifvogel, vor allem an seinen schwarzen Flügelspitzen. Das Weibchen hat eine hellere, gestreifte Unterseite und einen auffälligen, weißen Bürzel.

In den letzten Jahrzehnten wurden es immer weniger, bis 1996 keine einzige Wiesenweihe mehr in Brandenburg brütete. Bis 2008 stieg die Zahl der Paare auf 40 bis 50 an. Grund war die bessere Ernährungslage durch die von der EU verordnete Flächenstilllegung, die bis zu zehn Prozent der Agrarlandschaft betraf. Doch seitdem geht die Art wieder zurück. 2016/2017 gab es nur noch 22 bzw. 25 Brutpaare.

Im Frühjahr 2018 hat die Art europaweit starke Verluste erlitten. Als die Wiesenweihen nach einer Überwinterung im Sahelgürtel die Rückreise nach Europa antraten, wehte ihnen wochenlang ein starker, heißer Sahelwind entgegen. Von mit Sendern versehenen Vögeln wissen wir, dass einzelne Weihen bis zu vier Versuche starteten, die Sahara zu überqueren; manche flogen 1.500 km gen Norden und kehrten dann wieder um.

Andere, die den gefährlichen Sturm überwunden hatten, sammelten vier Wochen lang in Nordafrika erst einmal neue Kraft für den Flug übers Mittelmeer und durch Europa in ihr Brutgebiet. Es wird damit gerechnet, dass bis zu einem Drittel der Vögel den diesjährigen Frühjahrszug nicht überlebte. So ist der diesjährige Brutbestand in Brandenburg auf unter 15 Brutpaare zurückgegangen.

Brutgebiete vor allem auf intensiv genutzten Ackerflächen

In den 70er Jahren konzentrierten sich die Brutvorkommen der Wiesenweihe auf die großen ehemaligen Niedermoore und Luchgebiete in den Kreisen Havelland, Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming, wo zur Brut vor allem die Verlandungszonen größerer Seen genutzt wurde. Seit Ende der 90er Jahre werden fast ausschließlich intensiv genutzte Ackerflächen besiedelt, in denen Bruten zumeist im Getreide, in Feldgras oder Luzerne zu finden sind. Diese Art ist nämlich – im Gegensatz zu den anderen Greifvogelarten – ein Bodenbrüter.

Für 1969/70 ermittelten Ornithologen laut NABU noch einen Bestand von 45 Brutpaaren, die allerdings auch schon Ausdruck eines lang anhaltenden negativen Trends waren. 1996 gelang erstmals kein Brutnachweis mehr. Danach nahm der Bestand jedoch stetig zu. Insbesondere das „Feldmausjahr“ 2005 wirkte sich positiv auf den Bruterfolg aus.

20005/2006 konnten bereits 38 bis 45 Brutpaare gemeldet werden, aktuell geht man schätzungsweise von 25 bis 25 in Brandenburg aus, von denen sich über die Hälfte in den Landkreisen Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark befinden. Die Erhaltung dieser kleinen Population wäre ohne aktive Nestschutzmaßnahmen für die Ackerbrüter nicht zu erreichen gewesen.

Spektakuläre Flugbalz mit Loopings

Die Wiesenweihe kommt Ende April/Anfang Mai aus Afrika zurück. Sofort setzt die spektakuläre Flugbalz mit Loopings und seitlicher Drehung ein. Daher wird die Wiesenweihe von den Engländern auch als „Sky Dancer“ bezeichnet. Danach beginnt die 30tägige Bebrütung des Geleges; weitere fünf Wochen benötigen die Jungvögel, bis sie flügge werden. Und das wird den Brütern zum Verhängnis.

Längst setzt dann die Getreideernte ein, die Jungvögel geraten in den Mähdrescher und damit in den sicheren Tod. Daher haben die Weihen nur dort eine Überlebenschance, wo sich Naturschützer um den Fortbestand der Art kümmern. Sie suchen aufwändig die Nester und stellen einen Schutzzaun gegen Raubtiere um das Nest. Naht die Ernte, wird eine sogenannte Restfläche von 50m x 50m ausgesteckt und bleibt während der Ernte stehen. Der Bauer erhält für die Ernteverzögerung auf der Restfläche eine Prämie von 250 Euro.

Es gibt keine andere Vogelart in Europa, deren Fortbestehen so auf den Nestschutz durch den Menschen angewiesen ist. In Deutschland gibt es ca. 400 Brutpaare, wovon rund die Hälfte in Bayern ansässig ist. Hier kümmern sich 80 ehrenamtliche Mitarbeiter um deren Schutz und erhalten dafür von den bayerischen Naturschutzbehörden eine Aufwandsentschädigung sowie Unterstützung von einer hauptamtlichen Kraft.

In Brandenburg dagegen müssen die oft erheblichen Aufwendungen von engagierten Ehrenamtlichen privat getragen werden. Nur ein Beispiel, das die verantwortlichen Stellen zum Nachdenken anregen sollte: Auch dem Ornithologen und NABU-Artenschutzreferenten Helmut Brücher und seiner Mitarbeiterin Antje Drangusch aus Rohrbeck (Teltow-Fläming) liegen das Überleben der Wiesenweihen sehr am Herzen, und sie setzen über 1.000 Stunden Freizeit ein, finanzieren die Fahrten von ca. 15.000 km selbst. So kann in den Kreisen Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark eine kleine Restpopulation erhalten werden. In anderen Gegenden ist sie als Brutvogel bereits verschwunden.

Fleißig Nachwuchs in der Agrargenossenschaft „Flämingland“

In der Agrargenossenschaft „Flämingland“ um Marzahna fühlt sich die Wiesenweihe so wohl, dass die ansonsten vom Aussterben bedrohte Vogelart fleißig Nachwuchs produziert, war am 8. März diesen Jahres in der Lokalzeitung „Fläming-Echo“ zu lesen. Daran haben auch die Landwirte großen Anteil. Denn sie machen jetzt mit ihren Mähdreschern und sonstiger Agrartechnik auch schon mal einen großen Bogen um die Nester dieser seltenen Greifvögel.

Ein Ausdruck der Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit der Naturschützer, so wie auch Helmut Brücher und Antje Drangusch feststellten, dass die Kooperation mit den Landwirten in der Fläming-Region hervorragend klappen würde.
Nicht unerwähnt bleiben soll, dass das Land mit EU-Mitteln von 2018 bis 2020 ein Projekt des Landschaftspflegeverbandes Uckermark-Schorfheide, wo fünf Brutpaare vermutet werden, zum Schutz der Wiesenweihen unterstützt. Bei allen Aktivitäten soll auch ein Faltblatt des Landesumweltamts für Umwelt helfen, in dem sich Landwirte über die Greifvögel und ihren Schutz informieren können.

Was die Roten Listen sagen

In den Roten Listen von Deutschland und Brandenburg sind die Wiesenweihen als stark bedroht eingestuft. Neben dem Problem, dass die Jungvögel bei der Getreideernte ausgemäht werden, finden sie nicht genügend Nahrung. Mäuse kommen in den riesigen, monotonen Feldern nur noch in sehr geringer Dichte vor. Es fehlen die naturbelassenen Feldwege mit breiten Randstreifen sowie Hecken und unbewirtschaftete Flächen.

Die Anzahl der Mäuse wechselt von Jahr zu Jahr. Es gibt Boom-Jahre, genannt Kalamitäten, und solche mit sehr geringer Mäusedichte. In Mangeljahren konnte die Wiesenweihe früher auf Feldvögel wie Feldlerchen ausweichen. Diese sind jedoch auch durch die Intensivierung der Landwirtschaft stark zurückgegangen.
Eines steht auf jeden Fall fest: Die Agrarlandschaften verlieren immer mehr Arten. Und viele Ursachen sind handgemacht.

Übrigens: Wer auch in Zukunft über die Wiesenweihe im Brandenburgischen auf dem Laufenden bleiben will, kann sich auf die derzeit im Aufbau befindliche Homepage www.Wiesenweihen-Brandenburg.de freuen.