Eine lohnenswerte Seniorenreisewoche ins obere Saaletal

Mai/Juni 2018

Die Saale in einem Bogen
Bild: Wolfgang Prietsch

von Wolfgang Prietsch

Wer einen abwechslungsreichen Wochenurlaub mit Wanderungen und Besuch kultureller Glanzpunkte erleben will, dem kann eine Reise ins Tal der oberen Saale zwischen der Hohenwarte- und der Bleilochtalsperre sehr empfohlen werden.
Als Ausgangsort eignet sich ausgezeichnet das im Naturpark Thüringischer Schiefergebirge gelegene Ziegenrück, die 5-kleinste Stadt Deutschlands.

Von hier kann man direkt sowohl flussaufwärts, als auch in der Gegenrichtung “Hohenwartestaumauer“ leichte oder auch anspruchsvolle Wanderungen an der in mehreren großen und kleinen Schleifen fließenden Saale unternehmen. Der Fluss hat sich in erdgeschichtlichen Zeiten durch die steil ansteigenden, bewaldeten Schieferhänge gearbeitet, oft bieten sich von den Hangwanderwegen phantastische Blicke auf den unten zwischen den Hängen verlaufenden Fluss.

Von Ziegenrück flussaufwärts wird der Fluss immer breiter: Durch den Bau der Stauseen in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts sind abwechslungsreiche landschaftliche Kontraste entstanden. Spezielle Lehrpfade, wie der Schieferpfad, ermöglichen Einblicke in die regionalen Besonderheiten.

Um bei Wanderungen nicht auf der gleichen Fluss-Seite zurück laufen zu müssen, kann man sich an einigen Stellen mit der Fähre übersetzen lassen, und auf der anderen Fluss-Seite zurückwandern.
So eine Wanderung führt von Ziegenrück z.B. flussabwärts auf steilen Schieferhängen bis zur Linkenmühle, wo es eine Fähre über den schon deutlich gestauten, breiten Fluss gibt.

Man kann nun flussaufwärts am Wasser entlang zurück wandern, oder über eine wenig befahrene Straße auf die Hochebene zum schönen Fachwerkdorf Paska gehen, und von dort durch den romantischen Sornitzgrund direkt nach Ziegenrück laufen. Wanderzeit 5 ½ Stunden, teilweise anspruchsvoll.

Ein sehr schöner und leicht zu bewältigender Wanderweg verläuft von Ziegenrück immer Saale-aufwärts nach Walsburg. Es ist eine ganz ebene, asphaltierte Strasse (nur für Forstfahrverkehr und Fahrräder gestattet). Hier erlebt man die Ruhe und Schönheit des Flusses. Für den Hin- und Rückweg braucht man gemächlich ca. 3 Stunden.

Nach Wandertagen wünscht man sich doch immer wieder Ruhezeiten. Da bieten sich Autofahrten in die umliegenden Städte oder ein Besuch nahe gelegener Burgen und Schlösser an.
Pößneck bietet mit einer sehr schönen, restaurierten Altstadt viele Sehenswürdigkeiten, so z.B. auf dem schräg liegenden Markt (historische Pflasterung!) das spätgotische Rathaus,1478 bis 1499 erbaut, davor ein alter Marktbrunnen von1521.

Von den Stadttürmen ist z.B. noch der Weiße Turm von 1453 mit Bastei erhalten. Im Stadtzentrum fällt die mittelalterliche Bartholomäuskirche mit Turm von etwa 1290 auf.
In Neustadt(Orla) sollte man zunächst auf dem Markt das spätgotische Rathaus mit reichen Steinmetzarbeiten am Erker und an der Freitreppe besichtigen. Es verfügt auch über eine sehenswerte Schmuckfassade. Neben dem berühmten Cranach-Altar in der St. Johannis-Kirche sollte man vor allem die in Europa einmalig erhaltenen mittelalterlichen Fleischbänke besichtigen, die noch in nahezu ursprünglicher Art zu finden sind.

Dabei handelt es sich um eine in einer Gasse zwischen Markt und Kirche gelegene Ladenstraße der Neustädter Fleischer aus dem Jahre 1475. Von ehemals beidseitig angeordneten 17 Verkaufslauben sind noch 9 Lauben erhalten.
Die in den Lauben/Verkaufsständen tätigen Neustädter Fleischer standen unter strenger Aufsicht eines vom Rat der Stadt beauftragten Fleischaufsehers. Nur hier an den Fleischständen durfte in Neustadt Fleisch verkauft werden, und zwar zu festgesetzten Preisen bei strenger Einhaltung der damaligen hygienischen Bestimmungen und der Qualitätsanforderungen der damaligen Zeit.

Bis 1948 wurden die Neustädter Fleischstände als Freibank genutzt. In mühevoller Kleinarbeit erfolgte 1984-1987 eine Instandsetzung und Restaurierung, 2002 wurden die Fleischbänke erneut saniert. Noch heute werden sie als Verkaufsstände genutzt, nämlich zum Stadtfest und zum Adventmarkt.
Nicht nur wegen der Fleischbänke und dem Cranach-Altar ist ein Besuch der Stadt Neustadt(Orla) lohnenswert.

Besonders auch das vor 1450 errichtete bauhistorisch außerordentlich sehenswerten Luther-Haus am Markt (in dem aber Luther wohl nie übernachtet hat) sollte man aufsuchen.
Dieses am Markt gelegene Bauwerk mit dem schönen Steildachgiebel und dem auffälligen Erker enthält 2 mittelalterliche Bohlenstuben mit verzierten Decken, viele mittelalterliche Wandmalereien und ermöglicht detaillierte Einblicke in die Bauart und Baugeschichte des Hauses und besonders der Bohlenstuben von der Gründung bis in die Zeit der letzten Nutzung um 1985.

Von den Burgen ist zunächst die im nahen Umfeld von Ziegenrück gelegene, weithin sichtbare, auf einem Felsrücken erbaute Burg Ranis zu nennen. Die aus dem13./14. Jh. stammende Anlage enthält eine kleine Hauptburg mit rundem Bergfried und zwei große Vorburgen. Von der Burg führt ein Tunnel zur Ilsenhöhle, wo in zwei etwa 10 m dicken Felsspalten Funde von altsteinzeitlichen Kulturen gemacht wurden. Diese Funde zählen zu den bedeutendsten in Mitteleuropa.

Ganz malerisch liegt hoch über der Oberen Saale die ehemals Reußische Residenz Schloss Burgk, umschlossen von spätmittelalterlichen Wehranlagen. Mit seinen Sammlungen (Neue Galerie, Pirckheimer-Kabinett, Grafik-Kabinett, bedeutende Exlibris- Sammlung) gilt Schloss Burgk als eines der interessantesten und schönsten Schlösser Mitteldeutschlands.

Besonders soll auf die prächtige Schlosskapelle mit der darin befindlichen, 1742/43 durch Gottfried Silbermann erbauten Orgel hingewiesen werden. Dieses späte Werk des Meisters gehört zu den wenigen Orgeln, deren barockes Chortonsystem unverändert erhalten geblieben ist.

Wer etwas weiter ins Umfeld fahren will, dem sei noch die als „Königin der Burgen“ bezeichnete Leuchtenburg nahe Kahla empfohlen. Hier erfährt man alles über Porzellan. Bei einem Rundgang taucht man ein in die Welt des Mittelalters, in die tausendjährige Burggeschichte (natürlich mit Folterkammer wie auch auf Burg Ranis), und kann von der Höhe der Burganlage spektakuläre Blicke in Saaletal genießen.

Sie sehen, liebe Leser, eine Reise an die Obere Saale hat durchaus Reiz! Wenn Aachen nur nicht so weit wäre. Aber vielleicht ergibt sich doch mal ein Besuch bei ohnehin gegebenem Anlass in Thüringen (Durchreise, Verwandtenbesuch), da könnte man dann einige Tage anhängen.