Für Sie gelesen: „Russland verstehen“ Autorin: Gabriele Krone-Schmalz

September/Oktober 2017

Foto mit Buchtitel und Frauenbild
Bild: Waltraud Käß

von Waltraus Käß

Während ich diesen Buchtipp für Sie niederschreibe, laufen die Vorbereitungen für das Treffen der Mächtigen der Welt, die G 20, in Hamburg auf Hochtouren. Die Journaille überschlägt sich mit Mutmaßungen zur Chemie des Treffens der Präsidenten von Russland und den USA, Wladimir Putin und Donald Trump.

Und einig ist man sich in der Bewertung, dass dieser Putin ein böser Junge ist, mit dem man eigentlich nicht spielen darf (das sollte man wirklich nicht tun). An dieser Stelle empfehle ich, nach dem Buch von Gabriele Krone-Schmalz „Russland verstehen“ zu greifen, die sich mit dem arroganten Verhältnis des Westens und der NATO zu Russland beschäftigt, die die politische Kultur, den Wahrheitsgehalt der Informationen über die Medien hinterfragt.

Aus dieser Analyse formt sich ein ganz anderes Bild von Russland. Von seinem Präsidenten, an dessen Ende die Frage steht: Ist er wirklich der Böse, dieser Putin? Oder braucht man dieses Feindbild? Welche Interessen stecken dahinter?
Da lese ich von der Behauptung des Westens, dass Putin imperiale Machtgelüste hat, dass er sich die baltischen Staaten einverleiben will.

Und dann lese ich Sätze der Analyse von Gabriele Krone-Schmalz: „Eine nüchterne Analyse der politischen Gegebenheiten in Russland läuft darauf hinaus, dass vor allem die folgenden Dinge im Interesse Russlands sind: Ruhe im Inneren und an den Grenzen, um den komplizierten Umgestaltungsprozess, der längst nicht abgeschlossen ist, weiterzuführen. Austausch und Zusammenarbeit mit dem Ausland, um sich weiter zu entwickeln. Akzeptanz und Sicherheitsgarantien des Westens, um sich auf die inneren Aufgaben konzentrieren zu können.“

Gabriele Krone-Schmalz ist eine integre Journalistin, die weiß, worüber sie redet oder schreibt. Sie war von 1987 – 1991 Moskau-Korrespondentin der ARD und moderierte anschließend bis 1997 den ARD-Kulturweltspiegel. Sie ist Professorin für TV und Journalistik an der Hochschule Iserlohn und Mitglied im Lenkungsausschuss des Petersburger Dialogs. Für mich ist sie eine ausgewiesene Russland-Expertin.

Gabriele Krone-Schmalz „Russland verstehen“, ISBN 978-3-406-67525-6

Zur Abrundung des Themas empfehle ich ein weiteres Buch: Philipp Ewers „Putin verstehen?“ Der Tenor ist ähnlich wie bei Krone-Schmalz, nur wird in diesem Buch die Person Putin näher beleuchtet. Wer weiß, dass er z.B. zwei Studienabschlüsse hat – man ihn also nicht auf den KGB-Agenten reduzieren sollte? Wer weiß, dass er vor einiger Zeit einen Offenen Brief an die amerikanische Bevölkerung gerichtet hat, der dort sogar in einer der führenden Zeitungen veröffentlicht wurde?

Ich nicht. Unseren Medien war das keine Nachricht wert. Das Buch von Philipp Ewers will aufklären, und das tut er schonungslos. Denn Frieden in Europa ist nicht gegen, sondern nur mit Russland zu erreichen. Nicht sinnlose Sanktionen sind das Gebot der Stunde, sondern das Gespräch, die Akzeptanz und das gegenseitige Verständnis gilt es auf dem diplomatischen Parkett zu fördern. Zwei Sachbücher, die sich aber spannend wie ein Krimi lesen.