Eine Legende, die weiter lebt … der gute, alte „Trabi“

Januar/Februar 2018

Schnappschuss vom Internationalen Trabi-Treffen im Sommer 2017
Bild: August Horch Museum

von Ursula A. Kolbe

Es knattert unüberhörbar, der Abgasgeruch des Benzingemischs hängt in der Luft – na ja, der „Trabi“ kommt um die Ecke. Geliebt und verflucht und doch nicht vergessen. Obwohl er seit 1991 nicht mehr produziert wird.

Doch der Reihe nach. Vor nunmehr 60 Jahren schlug die Geburtsstunde des Pkw Trabant, der „Rennpappe“. Genau am 7. November 1957 war der erste „P50“ in Zwickau vom Band gelaufen. Robust, sparsam und preiswert sollte der Kleinwagen sein. Aber er war nicht aus Blech, dieser Rohstoff stand nämlich auf der Embargoliste.

Die findigen DDR-Konstrukteure fanden doch auch hier eine Lösung: Die berühmte Kunststoff-Karosserie aus Duroplast, wetterfest und leicht verfügbar. Der Zweitakter ging in Serie. Ja, die Wartezeiten waren lang, und in den Familien kursierten viele Anmeldungen. Aber der „Trabi“ wurde gehegt und gepflegt. Er war Familienglück, Mobilität, Transportmittel.

Apropos Transportmittel. Auch für Spaß sorgte das Auto. Denn so klein und unscheinbar es auch erschien, sein Volumen schien riesig. Die beliebte DDR-Sendung „Außenseiter-Spitzenreiter“ hatte 1976 mal die Probe auf’s Exempel gemacht – und: 17 Personen fanden in der „Pappe“ Platz. Natürlich nur ein Test. Über viele Kilometer wollte sicher keiner so befördert werden.

Im Übrigen vermerkt die Statistik, dass bis April 1991 insgesamt 3.051.385 Trabants aus Zwickau kamen. Zu DDR-Zeiten ging der Export in die CSSR, nach Polen und vor allem nach Ungarn. Er galt, wie gesagt, als sparsam, robust und preiswert.

Nach dem Motto „Totgesagte“ leben länger entwickelt sich der „Trabi“ schon länger zu einem Sammlerauto mit Kultstatus. Bereits Anfang der 90er Jahre entstanden die ersten Fan-Clubs nicht nur auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Bastler, die gern an diesen Oldies schrauben, trifft man allerorten. Das war ja der Vorteil, vieles konnte selbst repariert werden. Man brauchte nur die nötigen Ersatzteile.

Die findet man heute z. B. bei Frank Hofmann. Seit 2003 ist der Zwickauer Inhaber eines Online-Versandhandels für Trabant-Ersatzteile, habe ich im „Berliner Kurier“ vom 4.11.2017 nachgelesen. Angefangen zu zweit, beschäftigt er jetzt acht Mitarbeiter, vertreibt 1.800 Artikel von der kleinsten Schraube bis zum kompletten Trabi-Motor.

Das Interesse an dem Kultauto reiche längst über deutsche Grenzen hinaus. Die Päckchen mit Kultteilen gehen nach England, Australien und in die USA. Einen Bremszylinder habe er sogar schon bis Namibia verschickt. Aus welch einfachen Mitteln die „Rennpappe“ entstanden ist, schildert der inzwischen verstorbene Trabi-Chef-Konstrukteur Werner Lang in einer Dokumentation des Filmemachers Eberhard Görner, die letzten Frühjahr Premiere feierte. „Wolle auf Asphalt – Das Experiment Trabant“ lief seitdem nicht nur in Programmkinos, sondern zuletzt auch in der Schweiz. Selbst eine Einladung nach Texas gebe es bereits.

Mit aktuell rund 34.500 „Rennpappen“ in ganz Deutschland sei der „Trabi“ nicht nur ein Ost-Ding, sagt Wolfgang Kießling, Vorsitzender des Internationalen Trabant-Registers. Der Verein hält alle Markenrechte am Trabant und betrieb mit 20 Aktiven bis vor kurzem eine mobile Trabi-Ausstellung.

Kießling beobachtet vor allem unter jüngeren Menschen ein zunehmendes Interesse, das sich nicht nur mit dem Nostalgiefaktor erklären lasse. Das Kultauto sei auf dem Weg zum Oldtimer, den es möglichst originalgetreu aufzubauen gelte. Eine Wertanlage sei der Trabant zwar noch nicht. Doch für gut restaurierte Modelle würden bereits 10.000 Euro gezahlt.

Jetzt gibt es auch die neue Dauerausstellung in Zwickau. Das August Horch Museum ist dafür erweitert worden. Die Geschichte kann nun dort erzählt werden, wo der Trabi vor 60 Jahren im Werk II des VEB Sachsenring losgeknattert war.