Trachten und Musik – ein Fest für die Sinne

September Oktober 2019

Eine Trachtengruppe aus dem Fläming
Eine Trachtengruppe aus dem Fläming
Bild: G. Meißner

von Günter Knackfuß

Zum Jahrgang 2019 des Deutschen Trachtenfestes zog es fast 2000 Mitglieder des inzwischen 90 Jahre alten Trachtenvereins nach Lübben/Lubin im Spreewald. Insgesamt fünf zentrale Programmorte boten den über 50 Gruppen aus allen deutschen Landen und aus Polen, Tschechien, Holland und der Ukraine die Bühne für ihre Auftritte. Ein Glanz auch von Stoffen und Farben.

Zum neunten Mal seit der Wiedervereinigung feiern die Trachtenträger zwischen Bodensee und Nordsee, Saarland und Spreewald ihr großes Fest. Motto: „Tracht verbindet“ – und zwar Regionen und Generationen. Da begeistern z.B. die Sorbische Trachtengruppe Seidewinkel aus Hoyerswerda mit den Trachten der evangelischen Sorben oder die schmucken Gäste aus der ukrainischen Partnerstadt Lityn. Auch die Trachtengruppe Salzfurtkapelle, Sachsen-Anhalt findet ein interessiertes Publikum.

Nicht gefehlt haben die Trachtengaue aus Bayern, darunter Rosenheim, Hochstätt, Oberfalz, Bruck, München, Gochsheim und Niederbayern. Dazwischen begegnen wir auch Jutta von Kittlitz, die Werbung für ihre Stadt Spremberg macht. Trotz der Dominanz der Altersgruppe 60 plus bei den Trachtenträgern ermutigt die Thüringer Trachtenjugend mit ihrem frischen Nachwuchs. Ein Glanzpunkt auch der Auftritt des Tabarzer Trachtenvereins.

Insgesamt war das Fest in Lübben zugleich die große Begegnung und freundschaftliche Annäherung der Trachtenpfleger selbst. Und Knut Kreuch, Präsident des DTV sieht es so: „Wenn einer ausruft „Fröhlich soll mein Herze springen“, dann geht es mir genauso, weil ich viele Freunde wieder treffe und denen sage ich aus Überzeugung „Geh aus mein Herz und suche Freud“.

Mit dem Fest haben die Gastgeber ein Thema in den Fokus gerückt, das die Region in der Lausitz seit jeher stark prägt: Der Spreewald ist eine traditionsreiche ländliche Trachtenregion mit zahlreichen sorbischen/wendischen Bräuchen, altem Handwerk und typischen Festen. Als “ein in spätern Kulturzeiten Gewordenes” bezeichnete der Heimatdichter Fontane die wendischen Trachten, übersetzt: Tracht lebt! Zugleich bewunderte er während seines Besuchs im Spreewald, dass vor allem die Damen “der Nivellierkunst unserer Zeit und großen Städten siegreich widerstanden”.

Das heißt: Tracht ist lebendig. Aber Tracht ist kein Kostüm und keine Spielart der Mode: Tracht ist Heimat auf der Haut. Das Deutsche Trachtenfest ist das größte Volksfest der Heimat- und Brauchtumspflege in Deutschland. Es wird alle 3 bis 5 Jahre an einen Landesverband und eine Stadt vergeben. In Deutschland ist heute eine Trachtenlandschaft vereint, die in ihrer einzigartigen Vielfalt, in der Pracht und Unverwechselbarkeit der Kleidung weltweit bewundert wird. Aber auch in ihren Tänzen, in ihrer Muttersprache, in ihren Volksliedern und ihrer Volksmusik sowie ihren Sitten und Bräuchen.