Und sie bewegt sich doch – Focault-Pendel beweist Drehung der Erde

Juli August 2019

Kinder an einem Focault-Pendel
Kinder an einem Focault-Pendel
Bild: Wikipedia

von Tristan Micke

Dass sich die Erde einmal in 24 Stunden um sich selbst dreht, haben wir in der Schule gelernt und wir erleben selbst den Wechsel zwischen Tag und Nacht. Von Einstein wissen wir aber, dass Bewegungen relativ sind. Es wäre theoretisch auch möglich, dass die Erde sich nicht bewegt und die Sonne einmal in 24 Stunden um die Erde wandert, wie es das geozentrische Weltbild des Ptolemäus fast 1.400 Jahre lang lehrte.

Nachdem das heliozentrische Weltbild des Nikolaus Kopernikus mit der Sonne in seinem Zentrum anerkannt worden war, versuchten findige Physiker die Drehung der Erde zu beweisen, ohne sie dabei von außen zu beobachten. Der französische Physiker Leon Focault (1819-1868) demonstrierte 1850 mit einem Pendelversuch die Erddrehung. Dazu hängte er in der Kupppel des Pariser Pantheons ein 67 Meter langes Stahlseil. Knapp über dem Erdboden war eine 28 Kilogramm schwere Metallkugel befestigt.

An ihrer unteren Seite befand sich eine Spitze. Im Schwingungsbereich des Pendels waren an den Wedepunkten als Markierungen etliche Holzklötzchen oder Metallröhrchen im Abstand von wenigen Zentimetern aufgestellt. Wurde das Pendel in eine ständige, weit ausschwingende und geradlinige Bewegung versetzt, so traf im Laufe des Tages die Spitze an der Metallkugel des Pendels nacheinander alle Markierungen an seinen Wendepunkten und schlug sie um, bis keine mehr aufrecht stand.

Diese Erscheinung beruht darauf, dass das Pendel unabhängig von der Erddrehung immer in der gleichen Ebene schwingt, während sich der Erdboden darunter mit den Markierungen langsam weiterdreht. Das Focault-Pendel bestätigt somit nachträglich den Satz Galileo Galileis: “Und sie bewegt sich doch!”, den er der Legende nach an seinem Lebensende ausrief. Denn Galilei hatte unter Zwang der Inquisition im Jahre 1633 der von ihm vertretenen kopernikanischen Lehre öffentlich abschwören müssen.

In vielen Einrichtungen und Museen sind heute noch Focault-Pendel vorhanden. Sie werden von einer in der Mitte des Kreises eingelassenen Magnetspule ständig am Schwingen gehalten.