Wenn es heißt: "nach Adam Ries..."

März April 2019

Gedenkbriefmarke der Deutschen Bundespost zum 500. Geburtstag von Adam Riese 1992
Bild: Deutsche Bundespost / Harry Scheuner / Gemeinfrei

von Tristan Micke

Vor 460 Jahren, am 30. März 1559 starb der sprichwörtliche deutsche Rechenmeister Adam Ries in Annaberg (heute Annaberg-Buchholz) oder Wiesa/Erzgebirge. Das ist eines der wenigen sicheren Lebensdaten dieses Mannes. Da damals die Schreibweise von Namen noch nicht festgelegt war, gibt es auch Schreibweisen wie “Riese”, “Rise”, “Ryse”, und “Reyeß”

Geboren wurde Adam Ries am 12. April 1492 (?) in Staffelstein/Oberfranken als Sohn des Besitzers der dortigen Stockmühle, Contz Ries, und dessen zweiter Ehefrau Eva. Über die Kindheit, Jugendzeit und Ausbildung von Adam Ries ist nichts überliefert, da bei einem Rathausbrand in seinem Heimatort alle Unterlagen vernichtet wurden.

Erst wegen einer Erbschaftsstreitigkeit wurde sein Name am 22. April 1517 erstmals urkundlich erwähnt. Nach einem Aufenthalt in Zwickau leitete Ries ab 1518 eine Rechenschule in Erfurt. Ebenfalls 1518 verfasste er das Rechenbuch “Rechenung auff den linihen”, in dem das Rechnen auf den Linien eines Rechenbretts beschrieben wird und das für Kinder bestimmt war.

Für Lehrlinge kaufmännischer und handwerklicher Berufe folgte 1522 sein Buch “Rechenung auff den linihen und federn” mit der Anleitung zum Rechnen auf dem Rechenbrett und des Ziffernrechnens mit indischen und arabischen Zahlen. Es erschien schließlich in 114 Auflagen. Ab 1522 oder 1523 lebte Ries in Annaberg, wo er Beamter beim sächsischen Bergbau war. 1524 beendete er das Manuskript seines Algebra-Lehrbuchs “Coß” (mittelalterliche Bezeichnung für Variable oder Unbekannte, hier erschien erstmals das Wurzelzeichen). Das vollständige Manuskript wurde aber erst 1992(!) gedruckt, denn damals hätte der Druck enorme Kosten verursacht. Dadurch wurde Ries als großer Mathematiker zu seinen Lebzeiten noch nicht voll erkannt.

Rechnen, damit beim Einkauf nicht betrogen wird

In Annaberg heiratete Adam Ries in der St. Annen-Kirche 1525 Anna Leuber, die Tochter eines Freiberger Schlossermeisters und kaufte in der Johannisgasse ein Haus. Dieses Haus beherbergt heute das Adam-Ries-Museum. 1533 beendete er das Buch “Ein Gerechent Büchlein auff den Schöffel/Eimer/Pfundtgewicht”, welches 1536 in Druck ging. Es enthält Tabellen alltäglicher Preise und sollte dazu dienen, dass das “gemeine Volk” beim Einkauf nicht von betrügerischen Kaufleuten übervorteilt wird. Es ist auch als “Annaberger Brotordnung” bekannt geworden.

1539 wurde Ries zum “Churfürstlich Sächsischen Hofarithmeticus” ernannt. Im gleichen Jahr erwarb er die nach ihm benannte “Riesenburg”, ein Vorwerk außerhalb Annabergs. Bis 1599 schrieb Ries auch Brotordnungen für die Städte Leipzig, Joachimsthal, und Hof. Das 1550 erschienene Buch “Rechenung nach der lenge” (Kurztitel “Practica”) enthielt erstmals ein zeitgenössisches Porträt von Adam Ries. Es wurde bis ins 17. Jahrhundert über hundertmal aufgelegt und hatte erheblichen Einfluss auf den Rechenunterricht in den damaligen Schulen.

Bücher für großen Leserkreis

Adam Ries wollte sein Wissen dem “gemeinen Volk” vermitteln. Deshalb schrieb er seine Bücher nicht, wie damals üblich, in lateinischer, sondern in deutscher Sprache. Er machte sie dadurch einem großen Leserkreis zugänglich und trug zur Vereinheitlichung der deutschen Sprache bei. Es waren keine theoretischen Werke, denn sie lehrten die praktische Rechenweise. Ries ersetzte die beim Rechnen unzweckmäßigen römischen Zahlen durch arabische Zahlen und gilt als Begründer des modernen Rechnens. Mit dem Spruch “Nach Adam Ries” soll die Richtigkeit einer Rechnung versichert werden.

Adam Ries hatte mindestens acht Kinder. Drei seiner Söhne waren zeitweise ebenfalls als Rechenmeister in Annaberg tätig. Noch heute lebt eine große Zahl von Ries-Nachfahren im Osterzgebirge. Der Adam-Ries-Bund ermittelt Nachfahren von Adam Ries und kann heute weltweit auf über 20.000 Nachkommen verweisen.