3D-Pergamon-Panorama simuliert antikes Leben

Januar Februar 2019

Panorama von Yadegar Asisi mit Blick auf den Burgberg von Pergamon
Bild: asisi

von Ursula A. Kolbe

Das Pergamonmuseum ist der Besuchermagnet auf der Berliner Museumsinsel. Gebaut für den Pergamonaltar. Der Steinkoloss mit dem legendären Fries ist 30 mal 30 Meter groß und mehr als 2.000 Jahre alt. Ende des 19. Jahrhunderts war er bei Ausgrabungen an der Westküste der heutigen Türkei entdeckt worden. Vielen Forschern gilt er als das achte Weltwunder der Antike.

Jetzt kann er wieder bewundert werden, zumindest virtuell. Denn da das Museum ja bekanntlich seit 2014 restauriert wird, wartet das Berliner Heiligtum – gut verpackt und bewacht – bis nach erfolgreicher Restauration im Jahre 2024, so hoffen alle, wieder darauf, bestaunt werden zu können.

Bis dahin können die Berliner und Besucher aus aller Welt im temporären Ausstellungsgebäude gegenüber dem Bode-Museum das Projekt „PERGAMON. Meisterwerke der antiken Metropole und 360°-Panorama von Yadegar Asisi“ besichtigen. In das begehbare Panorama, das bereits 2011/12 im Ehrenhof des Pergamonmuseums zu sehen war, haben Asisi und sein Team unter Berücksichtigung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse eine Neuinszenierung geschaffen, die auch 80 Spitzenstücke der Antikensammlung enthalten.

Das Panorama führt zurück in das Jahr 129 n. Chr. Es zeigt die antike Stadt Pergamon an der kleinasiatischen Westküste. Rekonstruiert wurde der Zustand der Stadt in der hohen römischen Kaiserzeit unter der Regierung des Kaisers Hadrian (117 – 138 n. Chr.). Eingebettet in die Terrassen der Akropolis auf dem 300 Meter hohen Burgberg fügen sich monumentale Bauwerke, darunter mehrere Tempel und ein riesiges Theater in die bergige Landschaft ein. Darin eingebunden ist das Ziel, das Leben verschiedener gesellschaftlicher Gruppen in der antiken Stadt eindrücklich darzustellen.

Eindrucksvoll ist auch die Darstellung der Dionysien, den Festspielen zu Ehren des Gottes Dionysos, die auch im antiken Pergamon stattfanden. Zudem wurden verschiedene Opferszenen auf dem Vorplatz des Großen Altars inszeniert. So stellt das überarbeitete Panorama einen noch stärkeren Bezug zum Alltagsleben im antiken Pergamon her. Zudem wurden Korrekturen an einzelnen Bauten und der Topographie des Burgberges nach dem neuesten Forschungsstand der Grabung des Deutschen Archäologischen Instituts und der Antikensammlung vorgenommen.

Vom Studio asisi sind die Originale der rund 80 der wichtigsten Werke der Antikensammlung aus Pergamon – darunter der größte Teil des Telephos-Frieses vom Pergamonaltar – aufwändig restauriert worden. Das sind vor allem die großen Frauenstatuen aus dem Hof und die Skulpturen vom Dach des Großen Altares. Mit Ausnahme der an das Metropolitan Museum of Art entliehenen Statue der Athena Parthenos aus der Bibliothek von Pergamon sind alle berühmten Bildwerke der Stadt wie der sog. „Schöne Kopf“, das kolossale Haupt des Herakles, die Porträts der Könige, die Tänzerin aus dem Palast, die Prometheus-Gruppe oder die Kreuzband-Athena zu sehen.

Verschiedene Installationen bieten künstlerische Interpretationen zum besseren Verständnis des Gezeigten. Wichtige Elemente sind dabei neue Zeichnungen von Yadegar Asisi, die sich mit den Skulpturen, der Architektur und der Stadtanlage Pergamons auseinandersetzen. Hinzu kommen virtuelle Visualisierungen wie etwa die 13×7m große Videoprojektion des Pergamonaltars und eine 12×9m große Lichtinstallation, die den Telephos-Fries des Altares eindrucksvoll in Szene setzt.

Das Besondere dabei: Der Einsatz der modernen Technik regt die Sinne besonders an. Die Installation simuliert den Tag und die Nacht, wie z. B. die sich im Laufe des Tages ständig verändernde natürliche Beleuchtung der Skulpturen auf der Akropolis von Pergamon. Die schon in der Antike für ihre besondere Qualität berühmten pergamenischen Skulpturen, die neu gestalteten Animationen des Pergamonaltars sowie die immersive Bildwirkung des Panoramas fügen sich zu einem großartigen Gesamtkonzept.

Das alles ist eindrucksvoll nacherlebbar auf fast 2.000qm Gesamtfläche. An die Stelle des für ein ganzes Jahrzehnt unzugänglichen Pergamonaltars ist das neue „Pergamonmuseum. Das Panorama“ getreten, in dem bedeutende Originale vom Skulpturenschmuck des Pergamonaltars sowie aus den Heiligtümern und Königspalästen der antiken Stadt nachempfunden werden können.

Das monumentale Rundbild von Asisi und die fesselnde Ausstellung vermitteln einen überaus lebendigen Eindruck dieser hellenistischen Metropole mit neuesten Visualisierungen. Sie lebt durch die Musik, den Lichtwechsel, die Farbinstallationen. „Ich finde es faszinierend, ist wie Geschichte zum Anfassen, alles so lebendig“ – spontane Eindrücke von Besuchern.

Erwähnenswert unbedingt: Das Haus und die Ausstellung sind barrierefrei. Zwei Aussichtsplattformen zur Betrachtung des Panoramas werden mit einem Aufzug erschlossen. Rollstühle und Klapphocker können ausgeliehen werden.
Der Adioguide wird auf Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Japanisch, Griechisch, Türkisch, Polnisch, Russisch, Chinesisch angeboten sowie einen Autoguide für Kinder (dt), ein Guide in leichter Sprache und eine Audiodeskription.

Eintritt: Kombiticket Pergamonmuseum + Panorama. 18 Euro, erm. 9,50 Euro, Zusatzticket für Museumsinsel-Ticket, Museumspass Berlin, Welcome Card Museumsinsel, Jahreskarten Basic und Classic: 6 Euro, erm. 3 Euro, freier Eintritt für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr. Buchbar unter www.smb.museum/pmp.