Vom Blick zurück ins Heute und Morgen

September Oktober 2019

Die Titelseiten der Broschüren
Die Titelseiten der Broschüren
Bild: Hans-Jürgen Kolbe

von Ursula A. Kolbe

In den vergangenen Wochen und Monaten zog immer wieder ein Jubiläum die Aufmerksamkeit auf sich: Das 40-jährige Jubiläum des Berliner Stadtbezirks Marzahn-Hellersdorf, auf die Gründung des Stadtbezirks Marzahns am 5. Januar 1979 und die Fusion mit dem Stadtbezirk Hellersdorf am 1. Januar 2001, der am 1. Juni 1986 gegründet worden war.

Seitdem entwickelt der jüngste Bezirk eine besondere Dynamik. Vergegenwärtigen wir uns noch einmal kurz, dass das Durchschnittsalter vor 40 Jahren bei 27 Jahren lag und es heute mit über 43,5 Jahren über dem Berliner Durchschnitt liegt. Der älteste Stadtteil ist der rund um die Marchwitzastrasse, jüngster ist der Stadtteil Hellersdorf – Nord. Heute leben rund 270.000 Menschen in Marzahn-Hellersdorf als unseren Heimat- und Zukunftsort, wie es treffender Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle mit Blick auf das Jubiläum nicht ausdrücken konnte.

Und natürlich lag es nahe, dass für alle Einwohnerinnen und Einwohner und ihre Gäste zur großen Geburtstagsfeier Mitte Juni in den Gärten der Welt diese Entwicklung festgehalten worden ist: Das Bezirksamt hat seine Imagebroschüre „Berlins beste Aussichten“ verteilt, vom rührigen Heimatverein des Bezirks Marzahn – Hellersdorf e. V. gab es die Broschüre „40 Jahre Marzahn-Hellersdorf. Eine Chronik“:

Bezirksamts-Broschüre „Berlins beste Aussichten“

Das Bezirksamt Marzahn – Hellersdorf als Herausgeber hat in Zusammenarbeit mit der apercu Verlagsgesellschaft mbH den Titel dieser Jubiläums-Broschüre nicht zufällig gewählt. Mit diesem Slogan wirbt der Bezirk schon seit einigen Jahren für sich. Und dieses Exemplar ist ein weiterer Mosaikstein, den über Jahrzehnte durch Vorurteile und Medienberichte beschädigten Ruf des Bezirks zu verbessern. Aber die Entwicklung ist unaufhaltsam. Die zunächst eigenständigen Bezirke Marzahn und Hellersdorf wuchsen schnell auf insgesamt über 300.000 Einwohner. Nach der Wende aber sank die Zahl auf 230.000. Inzwischen nähert sie sich wieder der Marke von 270.000 an.

Es siedelten und siedeln sich Unternehmen an, und das ist auch der Schwerpunkt: Die wirtschaftliche Entwicklung im Bezirk. Vorgestellt werden insgesamt 34 Firmen und Unternehmen, die hier ihren Sitz oder wichtige Standorte haben. Jörg Franzen, Vorstandsvorsitzender der Gesobau, z. B. stellt das Engagement der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft im Bezirk vor. Sie begann mit einem Bestand von 120 Wohnungen. Bis 2023 will sie im Bezirk rund 500 Millionen Euro investieren. Dabei sollen rund 2.800 Wohnungen neu gebaut werden, rund 1.250 allein im und am Stadtgut Hellersdorf; die Hälfte davon mit Fördermitteln und einer Miete von 6.50 Euro netto kalt pro Quadratmeter.

Tom Lüders ist der Geschäftsführende Direktor der Berlin.Industrial.Group (BIG), und seine rasant wachsende Unternehmensgruppe setzt auf technische Innovationen für die industrielle Produktion. Zu ihr gehören u. a. die Firmen Scansonic, Pionier der modernen Lasertechnologie, und Gefertec, Schrittmacher bei der Nutzung von Druckverfahren in der Metallurgie. Die BIG zog 2015 von Weißensee auf ein fünf Hektar großes Grundstück am Boxhagener Ring. Sie hat inzwischen rund 320 Mitarbeiter und strebt zweistellige Wachstumsraten an. Mit Berliner Forschungseinrichtungen ist sie eng vernetzt. „Wir haben im Bezirk Platz für Wachstum gefunden und Raum für Ideen“, so der BIG- Geschäftsführende Direktor.

Broschüre des Heimatvereins Marzahn – Hellersdorf e. V.:

„40 Jahre Marzahn – Hellersdorf. Eine Chronik“

Auch der Heimatverein hat es sich nicht nehmen lassen, zum 40. Gründungsjubiläum mit der Chronik des Bezirks von 1973 bis 2018 seinen eigenen Beitrag beizusteuern. Sein Vorsitzender Wolfgang Brauer hat es zum Ausdruck gebracht, als er im Vorwort hervorhob, das mit dieser Chronik gezeigt werden soll, was hinter der Überschrift „40 Jahre Marzahn – Hellersdorf. Eine Chronik“ steht.

Und weiter:“ Natürlich spielen die Baugeschichte vor und nach 1990 und die ihnen zugrunde liegenden politischen Entscheidungen eine tragend Rolle. Aber das Entscheidende im Leben einer Kommune – mit mittlerweile fast 270.000 Einwohnern handelt es sich um eine Großstadt, größer als die Landeshauptstädte Magdeburg oder Kiel – sind die in ihr lebenden Menschen und die Art und Weise, wie sie ihre Lebensumstände gestalten. Daher haben wir in diese Chronik auch die wesentlichen Daten zur politischen Geschichte, zur Wirtschaftsgeschichte, zur Kulturentwicklung und zur Gestaltung der infrastrukturellen und sozialen Einrichtungen einschließlich derer von Gesundheitswesen und Gesundheitswirtschaft aufgenommen.“

Ja, der Bezirk ist ein Werk von vielen. Auch seine aufgeschriebene Geschichte kann nur das Werk vieler sein. Diese vor uns liegende Broschüre ist ein lebendiger Beweis dafür und an dieser Stelle gilt die besondere Wertschätzung den Autorinnen Dr. Christa Hübner, Dr. Renate Schilling und dem dritten im Bunde, dem Autor Dr. Manfred Teresiak; alle drei Historiker und Vorstandsmitglieder des Heimatvereins.

In aufwendigen Recherchen erarbeiteten sie die Chronik, die für viele Marzahner und Hellersdorfer so manch Denkwürdiges in Erinnerung ruft. Der erste Eintrag beginnt mit dem 27. März 1973: „Das Politbüro des ZK der SED bestätigt eine Vorlage zur Entwicklung des komplexen Wohnungsbaus in Ostberlin. Biesdorf-Nord wird als Standort für den Bau von 20.000 Wohnungen bis 1980 und 15.000 nach 1980 benannt.“…

Am 25. März 1983 heißt es: „Das Spree-Center in der Hellersdorfer Straße 77 – 83 wird als erstes nach 1990 im Bezirk Hellersdorf errichtetes Einkaufszentrum eröffnet.“… 12. Mai 1994: „An der Landsberger Allee/Allee der Kosmonauten wird der 21 Meter hohe Neubau einer traditionellen Bockwindmühle nach Plänen der holländischen Firma Harrie Beijik eingeweiht. Aus Anlass der Einweihung findet das erste Marzahner Mühlenfest statt. Am 5. Mai hatte sich der Mühlenverein Berlin-Marzahn e. V. mit dem Ziel gegründet, den Betrieb und die bauliche Erhaltung der Mühle zu unterstützen….

Ach, man vergräbt sich in den Inhalten. Überhaupt könnte über beide Broschüren auch an dieser Stelle noch viel mehr geschrieben werden. Aber lesen Sie selbst, sind beide zusammen doch eine Einheit. Wie es auch Bürgermeisterin Dagmar Pohle im Geleit zur Heimatverein-Broschüre schrieb: “Ich habe die Chronik mit Gewinn gelesen, mich an Manches erinnert, was mir entfallen war, Neues entdeckt und erfahren und diese oder jene Erinnerung korrigiert auf Grund der gründlichen Recherche und Darstellung…“

Was ich selbst nur bestätigen kann, lebe ich mit meiner Familie doch seit August 1980 in einer der schönen Neubauwohnungen Marzahns.