Inhaltsspalte

Stilles Gedenken 2021

März / April 2021

Gebinde mit Schleife vom Heimatvereins Marzahn-Hellersdorf
Bild: Dr. Renate Schilling

von Wolfgang Brauer (Heimatverein Marzahn-Hellersdorf)
und Hans-Jürgen Kolbe

Anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus legte der Vorstand des Heimatvereins Marzahn-Hellersdorf e.V. am 27. Januar 2021 an der Zwangsarbeiter – Gedenkstele auf dem Parkfriedhof in Marzahn ein Gebinde nieder. Der Heimatverein setzte damit die Tradition des „Stillen Gedenkens“ fort, das in seiner bisherigen Form parteipolitischen Auseinandersetzungen im Bezirk zum Opfer fiel. Der Verein will damit deutlich machen, dass die Zivilgesellschaft Berlins an diesem originären Ort – es ist der größte Zwangsarbeiterfriedhof der Stadt – eine besondere Verantwortung zum Wachhalten der Erinnerung an weit über eintausend Menschen hat, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Eine Gedenksäule auf dem Parkfriedhof Marzahn erinnert an die Opfer der Zwangsarbeit 1939 – 1945, von denen mehr als 1400 hier auf dem Friedhof begraben sind. Das Denkmal wurde vom Berliner Bildhauer Michael Klein geschaffen und 2010 hier aufgestellt.

Dieses Denkmal erinnert an die Verstorbenen. Es hat die Form einer Stele mit einem Sockel, auf der Säule kniet eine bronzene Figur in trauernder Haltung. Auf ihrem prismatischen Sockel mahnt folgende Inschrift:
„Zur Erinnerung an die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie ihre Kinder aus vielen Ländern Europas 1939 bis 1945“

Allein in Marzahn befanden sich 27 Lager mit Menschen vor allem aus der Sowjetunion, Polen und der Tschechoslowakei, hinzu kamen Zwangsarbeiter aus Italien, Belgien, den Niederlanden und anderen Ländern Europas. Die Deutsche Reichsbahn beschäftigte die meisten Zwangsarbeiter, sie hatte sieben Lager in Marzahn-Hellersdorf.

Bereits seit den frühen 1950er Jahren existierte ein Denkmal für die Opfer der Vereinten Nationen, das in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre wegen des schlechten Zustandes abgetragen wurde. Die jetzige Gedenkstätte wurde vom Heimatverein und dem Marzahn-Hellersdorfer Wirtschaftskreis initiiert. Sowohl in Einzelgräbern auf einer großen Rasenfläche vor dem neuen Denkmal als auch in Massengräbern sind viele Hundert Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter bestattet. Soweit bekannt, sind alle Grabplatten mit den Namen und den Lebensdaten versehen.