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Berliner Schulbauoffensive: Neue Holzmodulschulen geplant

Bisher konnten in Holzmodulbauweise eine Sekundarschule in Mahlsdorf und zwei Grundschulen in Lichtenberg errichtet werden. Jetzt laufen die Vorbereitungen einer neuen Tranche von Holzmodulschulen durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen.

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ISS Mahlsdorf: Erster Neubau der Berliner Schulbauoffensive eröffnet

Nur rund ein Jahr nach der Grundsteinlegung konnte die erste in Holzmodulbauweise errichtete eröffnet werden.

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Gewinner des Berliner Holzbaupreises

Die Gewinner des ersten von der Berliner Senatsbauverwaltung ausgelobten Berliner Holzbaupreises 2019 wurden feierlich geehrt.

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Broschüre: Bauen mit Holz = aktiver Klimaschutz

Die Broschüre erläutert die Klimaschutz-Qualitäten des Baustoffes Holz und zeigt die konstruktiven und gestalterischen Möglichkeiten des Bauens mit Holz insbesondere im öffentlichen Bau und im urbanen Umfeld.

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Berlin erleichtert das Bauen mit Holz

Berlin hat den Einsatz von Holz als Baustoff auch für tragende Teile in Gebäuden erleichtert. Im April 2018 trat eine entsprechende Änderung der Berliner Bauordnung in Kraft. Der Berliner Senat bringt damit das Bauen mit Holz weiter voran. So sollen künftig dringend benötigte Schulneubauten und Kitas vornehmlich in Holzbauweise errichtet werden. Denn aufgrund der Vorfertigung der Holzelemente verkürzt sich die Bauzeit gegenüber herkömmlicher Bauweise enorm. In Berlin wurden bereits einzelne Wohn- und Bürogebäude, aber auch Schulen in Holzbauweise realisiert. Durch die Änderung der Bauordnung wird dies nun deutlich erleichtert.

Beschluss: https://www.parlament-berlin.de/ados/18/IIIPlen/vorgang/d18-0908.pdf

Pressemeldung zur Schulbauoffensive: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/aktuell/pressebox/archiv_volltext.shtml?arch_1712/nachricht6460.html (mehr lesen)

Bauen mit Holz

Bauen mit Holz ist in Berlin noch relativ wenig verbreitet. Dabei ist Bauen mit Holz ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz. Berlin will deshalb verstärkt auf diesen nachwachsenden Baustoff setzen. So soll Holz künftig verstärkt im Schulbau zum Einsatz kommen.

Der Berliner Architekt Tom Kaden setzt bereits seit Jahren auf Holz und ist von seinen Vorteilen überzeugt. Er hat mit seinen Gebäuden gezeigt, dass Holz auch im innerstädtischen Geschosswohnungsbau problemlos einsetzbar ist.
Wir sprachen mit Tom Kaden über die Perspektiven des Holzbaus in Berlin.

1. Herr Kaden, Sie bauen seit vielen Jahren mit dem für Berlin ungewöhnlichen Baustoff Holz. Welche Argumente sprechen aus Ihrer Sicht für diesen Baustoff?

Die ökologischen liegen auf der Hand: Holz ist ein wahrhaft erneuerbares Baumaterial, das unbegrenzt zur Verfügung steht, wenn beim Wachstum der Wälder und der Ernte der Bäume die Prinzipien der Nachhaltigkeit angewendet werden. Bäume speichern während ihres Wachstums durch Fotosynthese Kohlenstoff und geben gleichzeitig Sauerstoff ab. Wenn Holz verbrennt oder verrottet, wird nur so viel Kohlendioxid an die Atmosphäre abgegeben, wie während des Wachstums aufgenommen wurde, sodass sich ein kohlenstoffneutraler Lebenszyklus ergibt. Der aktuell technologische Fortschritt in der Verarbeitung t ermöglicht den Einsatz von Holz in mehrgeschossigen Gebäuden, durch die unsere Gebäude und Städte von CO2- Quellen zu Kohlenstoffsenken werden könnten.
Des Weiteren ist Holz tatsächlich das einzige konstruktive Baumaterial, für das unabhängige Zertifizierungssysteme existieren. Diese gewährleisten, dass die Produkte aus einer nachhaltig bewirtschafteten Quelle kommen. Langfristig gesehen ist das auch ein ökonomisches Argument für Holz. Kurzfristig sprechen natürlich die kurzen, per Präfabrikation vorbereiteten Bauzeiten für Holz. Zudem ein Mehr an Wohnfläche, da der Holzbau bei gleichem Energiestandart erheblich weniger Konstruktionsfläche verbraucht und nicht zu vergessen die hervorragenden bauphysikalischen Eigenschaften im Sinne des guten Feuchte-, Kälte-, Wärme- und Brandschutzes.

2. Sie bauen seit vielen Jahren mit dem Baustoff Holz – auch im Geschosswohnungsbau und jetzt sogar Hochhäuser. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Wo liegt die Grenze?

Unserer Erfahren in den letzten 25 Jahren sind durchweg gute. Egal ob wir, um jetzt einmal konsequent städtisch zu denken, über Anbauten, Lückenschließungen, Aufstockungen, Einfügungen oder Gebäudehüllen sprechen. Bei all diesen Anwendungsfällen hat der Holzbau unschlagbare Vorteile. Die Grenzen werden gerade weltweit sprichwörtlich in die Höhe geschoben. Aktuell ist das Projekt eines Studentenwohnheims in Vancouver mit 18 Geschossen das höchste Gebäude. Wien ist mit seinen 24 Stockwerken auch auf einem guten Weg. Genau in diesen Größenordnungen könnten wir uns in Deutschland auch bewegen. Leider werden die aktuellen Höhenbegrenzungen – auch in Berlin durch die jeweiligen Landesbauordungen definiert, die von Baden-Württemberg abgesehen in keinster Weise die tatsächlichen technischen Möglichkeiten des modernen Holzbaus abbilden. Das hat zur Konsequenz, dass wir immer noch gezwungen sind, mit Einzelfallgenehmigungen zu arbeiten.

3. Bei Holz denken viele sofort an Brandschutz. Welche Auflagen bzw. Beschränkungen sind in Berlin zu beachten?

Ja, das ist richtig. Diese Frage bewegt viele – aber denken wir da bitte an die positiven Eigenschaften von Holz im Brandfall! Ganz unabhängig davon, dass im Falle eines Wohnungsbrandes ja anfangs nicht die Konstruktion brennt, sondern die sogenannten mobilen Brandlasten wie Möbel, Teppiche, etc., müssen wir davon ausgehen, dass sich im sogenannten Vollbrand massive Holzkonstruktionen sozusagen durch die sich bildende Holzkohleschicht selbst schützen. Die hohe Isolation reduziert die thermische Belastung des tragenden Holzkerns erheblich und garantiert mithin, dass die Feuerwehr ihr Schutzziel – die Rettung von Menschen – auch ausführen kann.
In Berlin dürfen wir nach wie vor nur bis zu fünf Geschosse im Rahmen der Landesbauordnung realisieren. Alle darüber liegenden Geschossigkeiten – und das ist die Mehrzahl unserer aktuellen Projekte – geht nur mit Genehmigungen im Einzelfall und erzeugt ein gewisses, fachlich aber nicht mehr notwendiges Maß an Mehrkosten.

4. Wie ist die Situation im übrigen Bundesgebiet? Was kann Berlin davon lernen?

Von Baden-Württemberg lernen heißt siegen lernen! Zumindest was die Novelle der Landesbauordnung anbelangt! Das bemerken wir gerade bei unserem Hochhausprojekt für eine städtische Wohnungsbaugesellschaft in Heilbronn sehr positiv!
Der Landtag Baden-Württemberg hat am 5. November 2014 ein Gesetz zur Änderung der Landesbauordnung beschlossen. In der Neuregelung der Landesbauordnung wird unter anderem die Nutzung des Baustoffes Holz wesentlich erleichtert. Gemäß § 26 Landesbauordnung wird nunmehr zugelassen, dass Decken sowie tragende, aussteifende oder raumabschließende Wände und Stützen, die als hochfeuerhemmende Bauteile (d.h. mit der Feuerwiderstandsfähigkeit F 60) oder als feuerbeständige Bauteile (F 90) ausgeführt werden müssen, nunmehr auch aus brennbaren Baustoffen (z.B. Holz) ohne (nichtbrennbare) Brandschutzbekleidung bestehen dürfen. Es muss natürlich die erforderliche Feuerwiderstandsdauer von 60 bzw. 90 Minuten tatsächlich erreicht werden. In der Landesbauordnung ist formuliert, dass, ich lese vor, „die Bauteile so hergestellt und eingebaut werden, dass Feuer und Rauch nicht über Grenzen von Brand- oder Rauchschutzbereichen, insbesondere Geschosstrennungen, hinweg übertragen werden können.“
Genau dieser konkrete Passus sollte auch in die Berliner BauO eingefügt werden.

5. Warum ist Holzbau ist nicht stärker als urbaner nachwachsender Baustoff verbreitet und was muss sich ändern, um Holz stärker „in die Stadt“ zu holen?

Dem Holzbau fehlt nach wie vor die entsprechende Lobby in den dafür notwendigen Netzwerken und letztlich bei den gesetzesgebenden Institutionen. Man muss es so klar sagen: dort “regieren” und dominieren mithin andere Baustoffe! Wir müssen die jeweiligen Landesbauordnungen den tatsächlichen technischen Möglichkeiten des Holzbaus anpassen, selbige sozusagen auf den „Stand der Technik“ bringen. Und damit einhergehend haben wir durchaus auch ein Bildungsproblem zum Thema Holzbau in Deutschland im Allgemeinen und in Berlin im Besonderen. Schauen sie sich die einschlägigen Bildungseinrichtungen an – es gibt außer an der TU München keine konsequente Lehre mit dem Thema Holzbau. Das zieht natürlich wieder nach sich, dass nicht genügend gut ausgebildetes Fachpersonal in den Architektur- und Ingenieurbüros sowie den Verwaltungen sitzt. Die alten Vorurteile sind so nur sehr mühsam aus der Welt zu schaffen.

Weitere Informationen und einen Film zum Holzhochhaus in Vancouver finden Sie unter folgenden Links:
Film: https://www.youtube.com/watch?v=GHtdnY_gnmE
Pressemitteilung der University of British Columbia (in englischer Sprache): http://news.ubc.ca/2016/09/15/structure-of-ubcs-tall-wood-building-now-complete/