Interessenbekundungsverfahren zum Projekt: Vorübergehende Unterbringung von wohnungslosen Familien mit Kindern im Rahmen der Umsetzung der Berliner Strategie sowie des Aktionsplans zur Einbeziehung ausländischer Roma

20.12.2019 10:00

Frist: 14.02.2020

Geeignete Träger können sich bis zum 14.02.2020 für dieses Projekt bewerben.

Das Interessenbekundungsverfahren wird auf der Internetseite der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales – die Integrationsbeauftragte des Senats – veröffentlicht. Zusätzlich werden die in der beiliegenden Liste aufgeführten nichtstaatlichen Organisationen direkt informiert.

Ausgangssituation

Die Ankunft in ein fremdes Land verlangt vielen Migrantinnen und Migranten ein hohes Maß an Eigeninitiative und Information ab. Viele Zuwanderinnen und Zuwanderer benötigen umfangreichere Unterstützung. Hier gilt es Unterstützung durch Beratung zu bieten, Vorurteile abzubauen und die Integration in die hiesige Gesellschaft zu gestalten.

Insbesondere beim Zugang zum Wohnungsmarkt haben es Neuzugewanderte – darunter insbesondere Angehörige der ethnischen Minderheit der Roma – in Berlin seit Jahren besonders schwer, Wohnraum anzumieten.

Seit mehreren Jahren berichten die Einrichtungen der niedrigschwelligen Wohnungslosenhilfe und der Berliner Kältehilfe von Veränderungen innerhalb der oben genannten Zielgruppe. Immer mehr Neuzugewanderte aus den EU-Mitgliedsstaaten suchen ihre Einrichtungen auf, wobei insbesondere Familien mit minderjährigen Kindern eine große Herausforderung an die entsprechenden Einrichtungen und eine adäquate Notunterbringung stellen.

Überhöhte Mietpreise, Mietwucher sowie unseriöse Vermietungspraktiken, wie das Vermieten einzelner Räume oder von Schlafplätzen und damit verbundene Überbelegung trifft dabei Neuzugewanderte, insbesondere die ohnehin schon mehrfach benachteiligte Gruppe der Roma, hart. Auch das Campieren und Übernachten im öffentlichen Raum, Parkanlagen und Autos von Familien mit minderjährigen Kindern sind keine Seltenheit und stellen ein Risiko dar. Einige Familien stehen den prekären Lebenssituationen hilflos gegenüber. Ein Zugang zum Hilfesystem bedarf vieler Voraussetzungen und ist ihnen bislang in der Regel verschlossen. Vor diesem Hintergrund sind die Notunterkünfte für Familien mit Kindern in Verbindung mit einem Clearing zum Zugang zu Hilfen zum Lebensunterhalt ein Modell für die Einbeziehung.

Projektbeschreibung

Mit diesem Projekt soll sichergestellt werden, neuzugewanderten wohnungslosen Familien mit Kindern für einen bestimmten Zeitraum, eine Unterbringung in einer Notunterkunft zur Verfügung zu stellen und während ihres Aufenthalts, die Ansprüche auf Sozial- und Familienleistungen zu klären sowie den Zugang zu den regulären Angeboten des Arbeits- und Wohnungsmarktes zu öffnen, sodass eine anschließende Unterbringung der Familien in regulären Wohnungen sowie möglichst eine Erwerbstätigkeit sichergestellt werden kann. Im Rahmen des Projektes sollten mindestens zehn Notunterkünfte oder Wohnungen ab 01.01.2021 zur Verfügung stehen.

Projektziele

Zielgruppe:

  • Neu zugewanderte wohnungslose Familien aus der EU mit minderjährigen Kindern außerhalb des Bezugs von Leistungen nach SGB II/XII, insbesondere Roma-Familien aus Bulgarien und Rumänien.

Übergeordnete Ziele:

  • Unterbringung wohnungsloser Familien von Neuzugewanderten mit minderjährigen Kindern für einen zeitlich begrenzten Zeitraum von ca. 28 Tagen, einzelfallbezogen verlängerbar.
  • Clearing zur Klärung ob Ansprüche auf Leistungen nach SGB II und SGB XII geltend gemacht werden können und ggf. Unterstützung bei der Einforderung dieser Ansprüche.
  • Enge Nachbetreuung der ehemals in Notunterkünften nach § 17 ASOG oder Wohnungen untergebrachten Familien für einen begrenzten Zeitraum (einige Wochen bis einige Monate) nach Projektabschluss, um ein erneutes Herausfallen aus der Regelstruktur der Familien insbesondere aufgrund von Zuständigkeitsproblematiken zwischen Regeldiensten zu verhindern.

Einzelziele:

  • Beratung zu und Unterstützung bei der Antragstellung von Sozial- und Familienleistungen.
  • Ermittlung von Zuständigkeiten.
  • Unterstützung bei Eröffnung einer Bankverbindung.
  • Beratung bei der Arbeitssuche inklusive Unterstützung bei der Erstellung von Bewerbungen, Aufklärung zu Rechten und Pflichten eines Arbeitnehmers und Arbeitgebers sowie Mindestlohn. Ferner Beratung und Unterstützung bei Legalisierung von Beschäftigungen und Beschäftigungsverhältnissen. Unterstützung bei Selbstständigkeit (Beratung zu Schreiben von Rechnungen etc.). Unterstützung beim Zugang zum Arbeitsmarkt.
  • Beratung zu Krankenversicherung (Zugang zur Krankenversicherung in Abstimmung mit der Clearingstelle für Menschen ohne Krankenversicherung) und medizinischer Versorgung Nichtversicherter. Besondere Beratung und Begleitung minderjähriger Kinder zum Kinder- und Jugendgesundheitsdienst. Beratung und Begleitung der Frauen zum Zentrum für sexuelle Gesundheit und Familienplanung (v.a. bei Schwangerschaft, nach Entbindung und in Hinblick auf Empfängnisverhütung).
  • Beschulung der Kinder im schulpflichtigen Alter und Anmeldung zur frühkindlichen Erziehung.
  • Beratung zu Sprachkursen.
  • Beratung zum Umgang mit familiärer Gewalt.
  • Einhaltung der Hausordnung der Notunterkunft.
  • Rechtsberatung.
  • Beratung zu Rechten und Pflichten als Mieterin/Mieter.
  • Hilfe bei der Wohnungssuche.

Anforderungen

Es wird ein Träger gesucht, der die nachfolgenden Erfahrungen und Qualifikationen besitzt sowie über die nötige Ausstattung verfügt:

  • Mindestens zehn Notunterkünfte/Wohnungen in unterschiedlichen Größen für Familien (für insgesamt mindestens 50 Personen) ab 01.01.2021.
  • Kompetenz in der Auswahl von Inhalten, der Planung und methodischen Gestaltung von geeigneten Maßnahmen sowie des Clearingsverfahrens.
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit vielfältigen Sprachkenntnissen, insbesondere rumänisch und bulgarisch.
  • Sensibilität und Erfahrung in der vertrauensvollen Zielgruppenarbeit, Erfahrungen in der Entwicklung und Umsetzung von Beteiligungsprozessen und Prozessbegleitungen.
  • Kostenkalkulation.
  • Interkulturelle Kompetenz.
  • Kooperation mit den Bezirken, den kommunalen Wohnungsunternehmen, Mietervereinen sowie lokalen Einrichtungen.
  • Projektverwaltungen:
    1. Erfahrungen bei der Dokumentation von Projektabläufen,
    2. Kenntnisse in der Öffentlichkeitsarbeit sowie
    3. Kenntnisse der einschlägigen Bestimmungen der Landeshaushaltsordnung und des Zuwendungsverfahrens sind Voraussetzung.
      nachweisbare Erfahrungen in der Arbeit mit Neuzugewanderten

Projektbeginn

01.01.2021

Kostenrahmen der Zuwendung (Fehlbedarfsförderung)

Für die Umsetzung des Projekts stehen im Kapitel 1120/Titel 68406 im Rahmen zur Umsetzung des Aktionsplans zur Einbeziehung ausländischer Roma – vorbehaltlich der Verabschiedung des Haushaltsgesetzes für 2020/2021 – 2021 Mittel in Höhe von 421.000 € zur Verfügung. Diese sollen für Personal- bzw. Honorarmittel und Sachkosten verausgabt werden.

Einzureichende Unterlagen

  1. Vollständig Projektskizze mit entsprechenden Angaben über die Maßnahmen und Methoden zur Zielerreichung und zu den Arbeitsschritten sowie ein ausführlicher Kosten- und Finanzplan inkl. der Aufschlüsselung nach Personal, Honorar- und Sachkosten einschließlich Angaben zu den Eigenleistungen (mind. 10 v. H.) gem. LHO.
  2. Selbstdarstellung des Trägers, Qualifikationsnachweise und Referenzen in Bezug auf ähnliche Projekte.

Bewerbungsfrist und Ort der Abgabe

Die erforderlichen Unterlagen sind bis zum 14.02.2020 (7 Wochen Frist) postalisch mit Originalunterschrift zu richten an:

Senatsverwaltung für Integration,
Arbeit und Soziales
Beauftragte des Senats von Berlin
für Integration und Migration
Abteilung I – I B 3 – (“NOSTEL”)
Potsdamer Straße 65, 10785 Berlin

und per E-Mail im pdf-Format einzureichen an:
Integrationsbeauftragte@intmig.berlin.de

Kontakt und Informationen

Für Nachfragen steht Frau Fey
unter der Telefonnummer (030) 901723-53
zur Verfügung.

Die Entscheidung für den Zuwendungsnehmer erfolgt zweistufig. Nach diesem Interessenbekundungsverfahren werden Sie ggf. aufgefordert, einen formalen Antrag (Projektbeschreibung sowie Kosten- und Finanzplan) in der FAZIT-Datenbank zu stellen:

https://www.fazit-online.verwalt-berlin.de

Hinweis

Bei dem Auswahlverfahren handelt es sich um die beabsichtigte Vergabe einer Zuwendung im Rahmen eines Interessenbekundungsverfahren gem. § 7 LHO.

Rechtliche Forderungen oder Ansprüche auf Ausführung der Maßnahme oder finanzielle Mittel seitens der Bewerberinnen und Bewerber bestehen mit der Teilnahme am Auswahlverfahren nicht. Die Teilnahme ist unverbindlich. Kosten werden im Rahmen des Verfahrens nicht erstattet.
Berlin, 20.12.2019