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Stimmentausch – der multikulturelle Chor

Die Gruppe singt zusammen in den Räumlichkeiten der Kiezspinne.
Der Stimmentausch-Chor bei der Probe
Bild: Publiplikator GmbH

Der erste Schritt zur Integration und zum gemeinsamen Leben von Neu- und Alt-Berlinern und -Berlinerinnen ist die Kommunikation. Der Stimmentausch-Chor aus Lichtenberg hat die Musik als verbindendes Element gewählt. Das Ziel ist es „Immigranten und Einheimische zusammen zu bringen, um einander kennen zu lernen und einen effektiven Beitrag zum Sprachunterricht zu leisten“. Die Chorgruppe singt Lieder aus der ganzen Welt und übersetzt diese ins Deutsche, Arabische, Persische und Englische. So bringen sich die Chormitglieder gegenseitig neue Sprachen bei.

Das Projekt wurde 2016 unter der Leitung des Dirigenten Gerd Herklotz ins Leben gerufen. Wenig später übernahm Till Schwabenbauer die Leitung des Chors, welchen er seit nunmehr 2 Jahren betreut. Seit 2018 ist mit Tom Dyan ein weiterer Musiker Teil der Chorleitung. Geprobt wird wöchentlich in der Kiezspinne, einem Nachbarschaftszentrum südlich der Frankfurter Allee. Jeder der Teilnehmerinnen und Teilnehmer kann eigene Lieder vorschlagen, welche dann von den Chormitgliedern besprochen, übersetzt und gesungen werden. Das multilinguale Singen ist einer der wichtigsten Aspekte der Gruppe. Die Strophen werden in den verschiedenen Sprachen nacheinander gesungen und formen so ein multilinguales Ganzes. Dieser Ansatz hilft gegenseitige Sprachbarrieren abzubauen und gibt jeder Sprache die gleiche Bedeutung. Dies hilft nicht nur dabei Deutsch zu lernen, sondern gibt auch den deutschsprachigen Chormitgliedern die Möglichkeit neue sprachliche Einblicke zu erlangen. Die Strophen werden hintereinander gesungen. Auf diese Weise lernen alle Beteiligten neue Wörter und verstehen die Botschaft der Lieder.

Sänger und Sängerinnen so vielfältig wie Berlin

Die Chorgruppe sitzt auf Stühlen und bespricht den nächsten Song.
Die Chorgruppe spricht über das nächste Lied.
Bild: Publiplikator GmbH

Die Mitglieder des Chors kommen aus allen Teilen der Welt. Sie alle verbindet die Leidenschaft zur Musik. Delbershah ist Teil der Kiezspinne und hilft seit Beginn bei der Organisation des Chors. Das Ziel ist, Immigranten und Immigrantinnen mit Einheimischen zusammen zu bringen, sich gegenseitig zu helfen und Willkommenskultur zu leben. „Musik verbindet, Musik ist eine Kultur und wir sind Kulturvermittler“, sagt Delbershah.

Auch Silke und ihre Tochter Rebecca sind Mitorganisatorinnen des Chors und kümmern sich um Auftritte auf Nachbarschaftsfesten und anderen Veranstaltungen. Neben dem Spaß am Singen treibt sie der Wille zum sozialen Engagement an. Für sie bedeutet der Stimmentausch-Chor nicht nur Singen, sondern auch gegenseitigen Austausch, Begleitung, Freundschaft sowie Unterstützung bei Behördengängen, Arbeits- oder Wohnungssuche. Eben eine Gemeinschaft, die immer ein offenes Ohr hat und hilft, wo sie kann.

Der Stimmentausch Chor singt beim BENN-Nachbarschaftsfest in Hohenschönhausen
Ein Auftritt des Chors beim BENN-Nachbarschaftsfest in Hohenschönhausen
Bild: Publiplikator GmbH

Wedad ist in den 1980-er Jahren aus Bagdad, wo sie politisch verfolgt wurde, nach Deutschland geflohen. Im Chor ist sie seit vier Monaten aktiv und bringt sich speziell durch ihre vielfältigen Sprachkenntnisse ein. Von ihr werden die Texte der Lieder in die verschiedenen Sprachen übersetzt. Innerhalb der Gruppe und mit Hilfe des Chorleiters werden die übersetzten Texte dann dem Rhythmus angepasst. Dies ist ein wichtiger Aspekt des Kulturaustauschs.

Freddy kommt aus Lichtenberg. Neben der Leidenschaft zur Musik, besucht sie den Chor, um Leute kennen zu lernen, mit denen sie sonst nicht so viel zu tun hat. Im Chor treffen sich nicht nur Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Religionen, sondern auch aus unterschiedlichen Generationen. Durch die wöchentlichen Treffen erweitert sie ihren Horizont.

Endlich singen

Mohammad singt seine Strophe bei einem Auftritt des Chors.
Mohammad singt bei einem Auftritt des Chors.
Bild: Publiplikator GmbH

Mohammad hat zuvor in Lichtenberg in einer Flüchtlingsunterkunft gelebt. Dort hat ihn einer der Übersetzer auf den Stimmentausch-Chor aufmerksam gemacht. Anfangs war er noch sehr zurückhaltend, aber im Chor hat er sich sofort wohl gefühlt und ist seit mittlerweile zwei Jahren fester Teil der Gruppe. Im Chor übernimmt er auch regelmäßig die Rolle als Solo-Vokalist und spielt manchmal die Gitarre. Schon als Kind in Afghanistan wollte Mohammad singen, doch gläubigen Muslimen ist das Singen dort oft nicht erlaubt. In Deutschland hat er nun die Freiheit sich musikalisch auszudrücken.

Mohammad hat seinen Freund Hussain zum Chorbesuch animiert. Eigentlich interessiert der sich mehr für Fußball, doch sein erster Besuch hat ihm sehr gut gefallen. Auch er will fortan regelmäßig den Chor besuchen.

Die Chormitglieder Hussain, Rebecca, Freddy, Silke und Mohammad (von links) stehen lachend zusammen.
Die Chormitglieder Hussain, Rebecca, Freddy, Silke und Mohammad (von links)
Bild: Publiplikator GmbH

Alle Mitglieder sind sich einig. Die Chortreffen haben einen großartigen Mehrwert für alle Beteiligten. Speziell die Aussprache deutscher Wörter fällt vielen durch das gemeinsame Singen deutlich leichter. Natürlich sollen die Teilnehmer*innen nicht nur sprachliche, sondern auch gesangliche Fortschritte machen. Jeder soll sich gefordert und gefördert fühlen, egal auf welchem Level gesungen wird.

Hier singt der Stimmentausch Chor singt das Lied “Gib uns Frieden”:

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Wer jetzt selbst Lust bekommen hat, kann den Chor in der Kiezspinne, Schulze-Boysen-Straße 38, besuchen. (Kontakt: Silke Grünberg – 015774225336)

Jeffrey Ziegler