Integration im Dialog Marzahn-Hellersdorf

Foto der Gastgeber der Veranstaltung Integration im Dialog in Marzahn-Hellersdorf
Gastgeber der Veranstaltung Integration im Dialog in Marzahn-Hellersdorf
Bild: Buddy Bartelsen

„Willkommen in Arbeit“ – Unter diesem Motto stand die Veranstaltung in Marzahn-Hellersdorf. An vier Thementischen konnten die über 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Bezirk, Senat, Jobcentern und Unternehmensverbänden behördliche Verfahren, Möglichkeiten am Arbeitsmarkt oder kreative Ideen zur Schaffung von Arbeitsplätzen diskutieren. Der Integrationsbeauftragte des Senats, Andreas Germershausen, die Bürgermeisterin von Marzahn-Hellersdorf, Dagmar Pohle, die Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Elke Breitenbach und der Integrationsbeauftragte von Marzahn-Hellersdorf, Dr. Thomas Bryant, hatten zu der Veranstaltung eingeladen und diskutierten mit Geflüchteten, Initiativen, Vereinen, Vertreterinnen und Vertretern der Bezirksämter, Migrant_innenorganisationen und den Bürgerinnen und Bürgern.

Gemeinsame Horizonte e.V.

Eine Frau steht an einer Wand und schreibt bei der Veranstaltung etwas auf einen Zettel
Bild: Buddy Bartelsen

Am Thementisch 1 wurde besprochen, welche Verbesserungsvorschläge es für Integration und Partizipation im Bezirk Marzahn-Hellersdorf gebe. Gleich zu Anfang stellte sich der neugegründete Verein „Gemeinsame Horizonte e.V.“ vor, ein Projekt von Geflüchteten. Mitglieder des Vereins sitzen beispielsweise im Integrationsausschuss von Marzahn-Hellersdorf, um auch auf Verwaltungsebene mitzubestimmen. Das Ziel des Vereins sei es, Integration zu einem beidseitigen Prozess zu machen – nicht nur die Neuhinzugekommenen sollten sich integrieren (müssen), auch die Aufnahmegesellschaft sollte auf die neue Situation reagieren.

Wohnen hat Priorität

Eine Frau steht gestikulierend bei der Veranstaltung. Im Hintergrund ist leicht verschwommen auf einer Leinwand das Logo der Veranstaltungsreihe zu sehen.

Ein wichtiges Thema an diesem Tisch war auch der angespannte Wohnungsmarkt. Hier wurde hervorgehoben, dass Wohnen bei allen Integrationsbemühungen Priorität haben sollte, „housing first“. Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten von struktureller Diskriminierung Geflüchteter bei der Wohnungssuche. Eine eigene Wohnung sei auch deshalb für Integration grundlegend, weil Spracherwerb und Lernen in Unterkünften nur schwer möglich sei. Allerdings sei ein Auszug aus Unterkünften auch mit Schwierigkeiten verbunden: Geflüchtete könnten dann nicht mehr auf dort verankerte soziale Strukturen und Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen, sie verlören soziale Netzwerke.

Regelungslücken bei der Arbeitsmarktintegration

Menschen sitzen in einem Raum auf Stühlen und hören einem Redner zu.

An Thementisch 2 wurde besprochen, wie Jobcenter und andere Verwaltungen Geflüchtete bei der Arbeitssuche wirkungsvoll unterstützen können. Vertreterinnen und Vertreter des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten und der Arbeitsagentur erläuterten die Regelungen zum Status von Geflüchteten: So lange sie noch nicht anerkannt seien, sind LAF und Arbeitsagentur für Geflüchtete zuständig. Sie haben noch einen ungesicherten Status, was zwar einem Ausbildungsbeginn nicht im Weg stehe, aber die Förderung einer Umschulungsmaßnahme sehr erschwere. Komme es zur Anerkennung, wandelt sich der Status, die Geflüchteten fallen aus der Zuständigkeit von LAF und Arbeitsagentur, was Schwierigkeiten mit sich bringe. Mit dem Erhalt ihres ersten Arbeitsentgeltes seien Geflüchtete bspw. verpflichtet, ihre Unterbringung zu bezahlen. Im Falle einer teuren Notunterkunft reiche oftmals der Verdienst nicht aus. Das bedeute, dass die Arbeitsaufnahme unter Umständen sogar nachteilig ist. Dies wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern als Regelungslücke identifiziert, die dringend geschlossen werden müsse. Schließlich habe nach Auskunft der Vertreterin des Jobcenters bei den allermeisten Geflüchteten das Geldverdienen höchste Priorität, weil bspw. Angehörige unterstützt werden müssen.

Zentraler Informationsspeicher

Porträtfoto von Andreas Germershausen
Andreas Germershausen

Am dritten Thementisch ging es darum, wie Unterstützungsangebote des Landes Berlin zur Arbeitsmarktintegration Geflüchteter optimiert werden können. Vertreterinnen und Vertreter des „IQ-Netzwerks“, von ‚Arrivo’, von ‚bridge-Berliner Netzwerk für Bleiberecht’ und aus den „Willkommen in Arbeit“-Büros stellten die Ergebnisse ihrer Arbeit vor. Die Projekte haben durch ihre Unterstützungsangebote innerhalb der letzten Jahre Geflüchtete zu den Themen Jobsuche, (Aus-)Bildung und Anerkennung von ausländischen Abschlüssen beraten und Geflüchtete auch direkt in Arbeit vermittelt. Allerdings müsse die Absprache zwischen Beratungsstellen verbessert werden. So seien in der Vergangenheit mitunter die gleichen Menschen an verschiedenen Stellen beraten worden und die Beratung habe jedes Mal wieder bei Null angesetzt. Abhilfe würde ein zentraler Informationsspeicher schaffen, in dem alle erhaltenen Beratungen und Integrationsbemühungen abrufbar seien und auf den alle Beratungsstellen zugreifen könnten. Kritisiert wurde, dass die meisten Beratungsangebote in den Berliner Innenstadtbezirken konzentriert seien, in Marzahn-Hellersdorf kämen oft nur die Flyer an.

Wie kann die Integration von Geflüchteten in Unternehmen gelingen?

Eine Frau steht mit einem Mikrofon in der Hand vor einer Plakatwand und erklärt etwas gestikulierend.

„Wie kann die Integration von Geflüchteten in Unternehmen gelingen?,“ war das Thema am vierten Tisch. Unternehmer des Marzahn-Hellersdorfer Wirtschaftskreises äußerten sich dazu, wie derzeit die Vermittlung von Geflüchteten an Unternehmen laufe. Aus ihrer Sicht seien die Zuständigkeiten der Verwaltung oftmals unklar, was Unternehmen die Beschäftigung von Geflüchteten erschwere. Dazu käme, dass Unternehmen mitunter auch zum Ansprechpartner für prekäre Wohnungsverhältnisse, unklare Aufenthaltssituationen oder den Familiennachzug würden. Für die meisten dieser Schwierigkeiten sei ein Unternehmen jedoch nicht kompetent und zuständig. Positiv hervorgehoben wurde, dass viele Unternehmen einen großen Bedarf an Fachkräften hätten, weshalb sie zunehmend selbst aktiv würden, um Geflüchtete in Unternehmen zu holen. Und auch von Geflüchteten gebe es eine große Nachfrage nach Arbeit. Allerdings fehle es an spezifischen „Berufs“-Sprachkursen in den Berufsschulen. Kritisiert wurde auch, dass es zwar viele Netzwerke und Integrationsangebote gebe, diese jedoch nicht transparent genug seien. Auch halte mögliche Fremdenfeindlichkeit alteingesessener Mitarbeiter viele Unternehmen noch davon ab, die Einstellung von Geflüchteten zu wagen. Gefordert wurde abschließend die Einführung einer Clearingsstelle, um Geflüchtete und Unternehmen effizienter zusammenzubringen. Und es gab den Vorschlag, die bisherigen beruflichen Qualifikationen bereits bei der Wohnortzuweisung zu berücksichtigen. Es sei nicht sinnvoll, Landwirte in die Stadt zu schicken und Studierende aufs Land.