Integration im Dialog in Neukölln

Zeichnungen an einer Pinnwand bei der Veranstaltung Integration im Dialog in Neukölln
Integration im Dialog in Neukölln
Bild: Friedhelm Maria Leistner

Mitmachen, Mitbestimmen, Mitgestalten
Unter diesem Motto stand die Veranstaltung in Neukölln. Es ging darum, wie bürgerschaftliches Engagement erleichtert werden kann und wie Menschen sich gemeinsam mit Geflüchteten engagieren können. Der Integrationsbeauftragte des Senats, Andreas Germershausen, die (ehemalige) Bürgermeisterin von Neukölln, Franziska Giffey,der Referatsleiter Bürgerschaftliches Engagement und Demokratieförderung in der Senatskanzlei, Friedemann Walther und der Staatssekretär für Integration, Daniel Tietze, diskutierten mit Geflüchteten, Initiativen und den Bürgerinnen und Bürgern. Der Integrationsbeauftragte des Berliner Senats hatte gemeinsam mit der Bürgermeisterin von Neukölln zur Dialogveranstaltung in das Neuköllner Engagementzentrum eingeladen.

Wichtig ist nicht, woher du kommst, sondern, wer du sein willst.

Schriften an einer Pinnwand bei der Veranstaltung Integration im Dialog in Neukölln

Eingangs betonte Franziska Giffey, dass der Bezirk sich natürlich nicht erst seit 2015 intensiv um Integration und Partizipation kümmert. 330.000 Menschen aus 150 Nationen leben in Neukölln, 80 Religionsgemeinschaften gibt es im Bezirk. Eine unglaubliche Vielfalt, verbunden mit großen Herausforderungen. Sie betonte, dass in Neukölln im Jahr 1.000 Menschen eingebürgert werden. Sie würde den Neu-Neuköllnern dann immer mit auf den Weg geben: „Wichtig ist nicht, woher du kommst, sondern, wer du sein willst.“ Andreas Germershausen erklärte, dass der Senat seit vergangenem Jahr am Gesamtkonzept Integration und Partizipation arbeiten würde. Die Erkenntnisse aus den Bezirksdialogen würden dort einfließen. Anschließend stellten drei Neuköllner Projekte ihre Arbeit vor: Der Verein „Hürdenspringer“, die Schülerinitiative „United Youth“ und das Projekt „Give something back to Berlin“. Hürdenspringer Neukölln ist ein 1:1 Mentoring-Projekt. Hier geht es um eine erste Berufsorientierung für junge Geflüchtete zwischen 18 und 35 Jahren. Hürdenspringer qualifiziert zunächst Ehrenamtliche, damit diese gut mit Geflüchteten arbeiten können, danach beginnt die Zusammenarbeit zwischen Mentorinnen und Mentoren sowie Mentees. Die Mentorin Claudia Koch stellte anschließend ihre Arbeit vor: Sie begleitet seit 1½ Jahren „ihren“ Mentee Fahrim. Anfangs ging es um die Schulausbildung, danach um die Ausbildung. Am Veranstaltungstag hat Fahrim einen neuen Job bei der Bahn begonnen, Claudia Koch hat den Weg dorthin komplett begleitet.

Jugendliche können gut auf Jugendliche zugehen

Zeichnungen an einer Pinnwand bei der Veranstaltung Integration im Dialog in Neukölln

Lucy Thomas stellte danach „Give something back to Berlin“ vor. Die gebürtige Britin ist seit der Gründung vor vier Jahren dabei. „Give something back to Berlin“ war die erste englischsprachige Plattform, die Neuankömmlinge informierte und bestehende Initiativen und Projekte vernetzte. Heute werden vor allem Geflüchtete, die sich ehrenamtlich engagieren möchten, an Initiativen, Vereine, Einzelpersonen vermittelt, die Unterstützung brauchen. Regelmäßig gibt es Community-Treffen, bei denen dann auch neue, eigene Projekte entwickelt werden. Entstanden sind beispielsweise eine Musikschule, es gibt Koch-Events, ein Sprachcafé oder Unterstützungseinsätze in der Obdachlosenhilfe. Anton Hiller vom Albert Einstein Gymnasium erklärte anschließend die Arbeit des Netzwerkes „United Youth Berlin“, das er und andere vor zwei Jahren gegründet haben. Die Schülerinnen und Schüler geben geflüchteten Jugendlichen Nachhilfe, haben ein gemeinsames Fußballteam gegründet oder geben Schwimm- und Tanzkurse für Geflüchtete. Die mittlerweile 30 Schülerinnen und Schüler betreuen Kinder in Unterkünften, organisieren gemeinsame Ausflüge oder kochen mit Geflüchteten.

Ausbildungsduldung

Schriften an einer Pinnwand

Anton Hiller nutzte die Gelegenheit, um einige Handlungsempfehlungen für den Senat zu präsentieren. Er plädierte für einen einfacheren Zugang zu Unterkünften. Freiwillige würden bspw. oftmals ein Führungszeugnis vorweisen müssen. Er sprach sich auch dafür aus, dass sich der Senat an Schulen verstärkt um die Aktivierung von Jugendlichen kümmern sollte, dort gebe es eine große Hilfsbereitschaft. Anton Hiller schlug vor, Projekttage zum Thema Ehrenamt an Schulen anzubieten. Und er berichtete von einem Freund, der eine Ausbildung zum Fliesenleger machen würde und der gerade einen Abschiebebescheid bekommen habe. Die Gewissheit, nach der Ausbildung abgeschoben zu werden, wäre nicht besonders motivierend. Andreas Germershausen erklärte, dass es 2015 zunächst eine sehr hohe Quote der Anerkennung des Aufenthalts von 60% gegeben habe. In der folgenden Zeit wäre die Zahl derjenigen gestiegen, die subsidiären Schutz bekommen haben. Andreas Germershausen erklärte, dass in dieser Situation die Ausbildungsduldung ein gutes Instrument sei, schließlich gelte die Duldung nicht nur für die Zeit der Ausbildung sondern auch für zwei Jahre darüber hinaus. Eine Teilnehmerin äußerte Unverständnis für die Abschiebung von Menschen, die eine Berufsausbildung machen würden. Das gesamte Handwerk würde über Nachwuchsprobleme klagen, da wäre es doch sinnvoll, diejenigen, die einen handwerklichen Beruf erlernen, anschließend auch in Deutschland zu beschäftigen.

Kein Ehrenamt ohne Hauptamt

Eine Karikatur an einer Pinnwand

Der Staatssekretär für Integration, Daniel Tietze verwies darauf, dass der Senat leider nicht an den Bundesgesetzen vorbeikäme. Die gesetzlichen Regelungen seien „unglücklich und integrationsfeindlich“, es müsse deshalb darum gehen, verbliebene Spielräume auszunutzen. Der Referatsleiter Bürgerschaftliches Engagement und Demokratieförderung, Friedemann Walther, hob die Wichtigkeit derjenigen hervor, die sich hauptamtlich um Ehrenamtliche kümmern. Gerade beim Engagement für Geflüchtete gebe es mitunter schwierige, emotional belastende Situationen bei denen professionelle Unterstützung notwendig sei. Ein Teilnehmer betonte die Notwendigkeit, unterschiedliche Gruppen, die integriert werden sollen, nicht gegeneinander auszuspielen. Sein Vorschlag: An jeder Schule solle eine halbe Lehrerstelle ausschließlich für Integration eingerichtet werden. Andreas Germershausen berichtete abschließend, dass sich in seiner Wahrnehmung die Zusammenarbeit von Initiativen, Vereinen, Projekten, bezirklicher Verwaltung und dem Senat in den vergangenen Jahren erheblich verbessert habe. Veranstaltungen wie diese hätten zu einer optimierten Kommunikation sehr beigetragen. Er lud alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein, weiterhin im Dialog zu bleiben.

IMPRESSUM:
Ein Newsletter des Beauftragten des Senats von Berlin für Integration und Migration. Potsdamer Straße 65; 10785 Berlin. Keine Haftung für unverlangt zugeschicktes Material und kein Anspruch auf Veröffentlichung. Auszugsweiser Nachdruck und Vervielfältigung mit Quellenangabe erwünscht.
Grafik: Silke Eiselt • Fotos: Stefan Frohloff •Redaktion, Layout: Stefan Frohloff | Publiplikator. Graphic recording: Friedhelm Maria Leistner

Wir bedanken uns ganz herzlich bei unseren Gastgeberinnen und Gastgebern in Neukölln!

Kontakt: dialog@integrationberlin.de