Initiative "Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt"

  • Durchführende Verwaltung:

    Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung (LADS)

  • Maßgebliche Diversity-Dimensionen:

    Sexuelle Identität/ sexuelle und geschlechtliche Vielfalt

  • Dauer:

    seit 2010, kontinuierlich

  • Zielgruppe:

    Alle Berlinerinnen und Berliner; Berliner Verwaltung

Projektbeschreibung

Die Initiative “Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt” (ISV) ist ein berlinweiter Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie und besteht seit 2010. Die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, Landesstelle für Gleichbehandlung gegen Diskriminierung (LADS) hat für die Umsetzung die Federführung übernommen und koordiniert die Aktivitäten und Pläne der zuständigen Senatsverwaltungen und weiterer zivilgesellschaftlicher Akteurinnen bzw. Akteure. Insgesamt besteht die Initiative aus über 60 Einzelmaßnahmen in den folgenden sechs Handlungsfeldern:

  1. Bildung und Aufklärung stärken: Die Maßnahmen betreffen insbesondere den Bereich der Schule und Jugendhilfe, in dem Diskriminierungen, Mobbing und Gewalt wahrgenommen, abgebaut und präventiv verhindert werden sollen. Weitere Maßnahmen werden zur Akzeptanz sexueller Vielfalt in Senioren-, Pflege- und Wohneinrichtungen implementiert.
  2. Diskriminierung, Gewalt und vorurteilsmotivierte Kriminalität: Lesben, Schwule, Bisexuelle sowie trans- und intergeschlechtliche Menschen (LSBTI) werden mit Empowermentmaßnahmen unterstützt, Gefahren zu erkennen, ihre Rechte zu kennen und in Anspruch zu nehmen. Weitere Maßnahmen sind die Beratung von Opfern von homo- bzw. transphober Gewalt und Diskriminierung, Erhöhung der Sensibilität für die Belange der Opfer durch die Polizei und Staatsanwaltschaft und eine Akzeptanzkampagne zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt: „Berlin liebt! Respekt macht’s möglich.“.
  3. Wandel der Verwaltung vorantreiben: Diversity-Aspekte sollen als integraler Bestandteil der Personalentwicklungskonzepte der Berliner Verwaltung etabliert werden. Weiterhin werden Diversity-Fortbildungen mit dem Schwerpunktthema “sexuelle und geschlechtliche Identität” für Führungskräfte sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Senatsverwaltungen und anderer öffentlicher Dienststellen durchgeführt.
  4. Erkenntnisgrundlagen verbessern: Im Zentrum steht das Erforschen der empirischen Basis zu den unterschiedlichen sozialen Erfahrungen von Lesben, Schwulen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen. Dazu sind repräsentative wissenschaftliche Studien in Auftrag gegeben worden.
  5. Dialog fördern: Um die Akzeptanz sexueller Vielfalt in der Gesellschaft zu erreichen, soll der Senat seinen Dialog und die Kooperation mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen wie Religionsgemeinschaften, Verbänden der migrantischen Selbstorganisation, Sportverbänden und anderen fortsetzen und kontinuierlich ausbauen.
  6. Rechtlicher Gleichstellung bundesweit zum Durchbruch verhelfen: Der Senat von Berlin soll Initiativen für die rechtliche Gleichstellung von Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung fortsetzen und sich dafür auch im Bundesrat einsetzen.

Die ISV wird kontinuierlich weiterentwickelt.

Entstehung

Im April 2009 wurde ein „Aktionsplan gegen Homophobie“ vom Berliner Abgeordnetenhaus fraktionsübergreifend beschlossen. Zur Umsetzung des Beschlusses wurde im Februar 2010 vom Senat ein Maßnahmenpaket unter dem Titel “Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt” beschlossen.

Dem Aktionsplan vorangegangen waren vermehrte homophobe Vorfälle, welche zu dem politischen Bewusstsein führten, dass dringend eine Handlungsnotwendigkeit besteht. Eine Bestandsanalyse von Aktivitäten und Projekten ergab, dass die bisherigen Angebote nicht ausreichten, um homo- und transsexuellenfeindliche Einstellungen und Verhaltensweisen nachhaltig abzubauen.

Nach dem Abgeordnetenhaus-Beschluss wurde die LADS beauftragt, den Senatsbeschluss zu erstellen und hat hierfür in einem partizipativen Verfahren die Verwaltung und die zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteure aus den LSBTI-Communities zusammengebracht. Dazu wurden eine Steuerungsrunde und fünf ressortübergreifende Arbeitsgruppen gebildet, die die Umsetzung der jeweiligen Handlungsfelder diskutiert und Maßnahmenvorschläge entwickelt haben. Eine Reihe von Maßnahmen existierte bereits, die nun durch die Handlungsfelder strategisch ergänzt wurden. Die Maßnahmenvorschläge wurden von den entsprechenden Abteilungen und Einrichtungen der Verwaltung in Hinblick auf Zuständigkeiten und Umsetzbarkeit geprüft und sind dann in das Maßnahmenpaket eingeflossen.

Die ISV wird kontinuierlich weiterentwickelt. So zählen beispielsweise die Stärkung des Opferschutzes und des internationalen Engagements genauso dazu wie die Stärkung des Handlungsfeldes Trans- und Intergeschlechtlichkeit und des Handlungsfeldes Dokumentation der LSBTI Geschichte.

Finanzierung

Die Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt“ wurde im Doppelhaushalt 2010/2011 mit insgesamt 2.108.000 Euro finanziert.

Zielgruppen

Die Initiative richtet sich an alle Berlinerinnen und Berliner. Ziel des Aktionsplans ist es, die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt zu erhöhen. Daher wurde bei der Erarbeitung der Maßnahmen auch die Zivilgesellschaft in Form der LSBTI-Communities mit einbezogen. Durch die Mitwirkung zielgruppenspezifischer Abteilungen wird sichergestellt, dass die vielfältigen Zielgruppen auch erreicht werden. Weiterhin werden zur Umsetzung der Maßnahmen auch Projekte gefördert, die von Trägern aus der Zivilgesellschaft durchgeführt werden.

Maßnahmen, die speziell den „Wandel der Verwaltung“ im gleichnamigen Handlungsfeld vorantreiben sollen, richten sich an Führungskräfte und Mitarbeitende der Berliner Verwaltung. Um Bewusstsein über sexuelle Vielfalt zu schaffen, für diese zu sensibilisieren und auch Wissen zu vermitteln, werden verschiedene Fortbildungen angeboten, die sich sowohl an Senatsverwaltungen wie auch an Bezirksämter und weitere Behörden richten. Konzipiert sind sie als Diversity-Trainings mit dem Schwerpunkt sexuelle Identität/ sexuelle und geschlechtliche Vielfalt. Mit verschiedenen Schulungsformaten (Präsentationen, Halbtagsseminaren sowie Ein- und Zweitagestrainings sowie einer Fortbildungsreihe für Multiplikatorinnen bzw. Multiplikatoren) werden die unterschiedlichen zeitlichen Kapazitäten und Bedarfe der Zielgruppen berücksichtigt und eine hohe Zielgruppenorientierung ermöglicht, die den Transfer in den Arbeitskontext fördert.

Die Fortbildungsformate sind darauf angelegt, auch eine Außenwirkung zu entfalten: einerseits auf die fachliche Ebene, also die Themen- und Handlungsfelder, die in der Zuständigkeit der jeweiligen Verwaltungseinheit liegen. Diversity-Aspekte sollen dabei in die Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen, Vorschriften und Gesetzen einfließen. Andererseits beziehen sie sich auf die personelle Ebene, also den Umgang mit Kolleginnen und Kollegen, Vorgesetzten, Mitarbeitenden und auch auf den Kontakt mit Kundinnen und Kunden.

Empfehlungen

  • Für die auf den Wandel in der Verwaltung abzielenden Fortbildungen ist es essentiell, dass die Angebote und Inhalte auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnitten sind.
  • Unterschiedliche Angebote sind nicht nur zwischen den einzelnen Hierarchieebenen zu machen (Führungskräfte/Mitarbeitende), sondern auch zwischen den einzelnen Verwaltungen.
  • Die einzelnen Verwaltungen haben nicht nur verschiedene Arbeitsschwerpunkte, sondern auch unterschiedliche Kommunikationskulturen. Daher ist auch auf eine spezifische Ansprache zu achten (zum Beispiel Ausschreibungstext, Wahl der Sprache, zielgruppenspezifische Flyer).
  • Neben der Kommunikation muss auch der Koordination eine Schlüsselrolle eingeräumt werden. So hat es sich bewährt, Verwaltungseinheiten mit einem angemessenen zeitlichen Vorlauf bereits im Vorfeld einzubinden und auch an der Konzeptentwicklung zu beteiligen.
  • Eine besondere Funktion kommt den Aus- und Fortbildungsbeauftragten zu, da sie mit der Kultur in ihrer Verwaltung vertraut sind. Mit ihnen erfolgt die Abstimmung über die Art und Inhalte der Ansprache, das Anmeldeverfahren und die inhaltliche Schwerpunktsetzung. Je nach hausinterner Kultur können auch die Büroleitungen eine ebenso zentrale Funktion einnehmen.
  • Ein wichtiger Aspekt für die Gestaltung der Fortbildungen ist der Transfer der Inhalte in die Arbeitspraxis. Dabei ist bedarfsorientiert vorzugehen und darauf zu achten, dass auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden eingegangen wird. Bewährt hat sich das Arbeiten mit Fallbeispielen und Inhalten, die von den Teilnehmenden selbst eingebracht werden.
  • Ein gutes Briefing der Referentinnen und Referenten sowie Trainerinnen und Trainern beinhaltet auch einen Einblick in die Kultur der jeweiligen Verwaltung.
  • Um die Nachhaltigkeit der Maßnahmen sicherzustellen, werden Qualitätssicherungsmaßnahmen angewendet. Dazu gehören die Evaluation durch die Teilnehmenden und eine weitere Rückkoppelung mit den Aus- und Fortbildungsbeauftragten.

Kontaktdaten Ansprechperson

Florencio Chicote
Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, Landesstelle für Gleichbehandlung gegen Diskriminierung – LADS