Grußwort des Landeskonservators

DENK_MAL NACHHALTIG

Einige von Ihnen werden sich vielleicht darüber wundern, dass es der Flughafen Tegel geschafft hat, auf das Cover eines Programmheftes zum Tag des offenen Denkmals mit dem Motto „Denk_mal nachhaltig“ zu gelangen. TXL steht doch eigentlich für Flugzeugstarts im Zweiminutentakt und motorisierten Individualverkehr – also zwei Verkehrsformen, die nicht für Nachhaltigkeit und einen schonenden Umgang mit Ressourcen stehen. TXL steht aber für mehr: Die Flughafenanlage ist ein gestalterisches Gesamtkunstwerk, das viele Gäste der Stadt, aber vor allem auch viele Berlinerinnen und Berliner schätzen. Seit 2019 ist das Gelände mit seinen Bauten eine denkmalgeschützte Gesamtanlage; zugleich ist der Flughafen auch ein Zukunftsort. Denn nach Beendigung des Flugbetriebs sollen hier Studierende, Kreative, IT-Spezialisten und viele andere ein- und hinziehen. TXL ist ein Ort, der Identität stiftet und dessen Weiternutzung kulturell, ökonomisch und ökologisch sinnvoll – und damit nachhaltig ist.

Diese Aussage gilt beinahe für jedes (Bau-)Denkmal, denn die Erhaltung eines Gebäudes ist fast immer ökologisch und ressourcenschonend. So ist der Denkmalpflege das Prinzip der Ressourcenökonomie fest eingeschrieben, welches sich in Handlungsprinzipien wie Materialkontinuität, Eingriffsminimierung, Reparatur vor Austausch, Reversibilität und Verwendung natürlicher Baustoffe manifestiert. Und je länger die Lebensdauer eines Gebäudes aufrecht erhalten wird, desto größer ist der Beitrag zur Ressourcenschonung. Denn man spart beträchtliche Mengen an Abrissenergie und Energie für einen Neubau. Mit dem diesjährigen Tag des offenen Denkmals wollen wir in Berlin – und deutschlandweit koordiniert durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz – den Blick dafür schärfen, welches Nachhaltigkeits-Potenzial in unseren Denkmalen steckt.

Ursprünglich war im Vorfeld zum Tag des offenen Denkmals eine Veranstaltung geplant, an der wir mit Denkmaleigentümerinnen und -eigentümern, Planerinnen und Planern, Ökologinnen und Ökologen und vielen mehr über die Partnerschaft von Denkmalschutz und Klimaschutz diskutieren und für Langfristigkeit als Leitbild werben wollten. Aufgrund der Corona-Pandemie haben wir uns entschieden, diese Veranstaltung zu verschieben, was aber kein Nachteil sein muss: Der Tag des offenen Denkmals ist nun der große Auftakt zu einer intensivierten Beschäftigung zum Thema, welchen Beitrag der Denkmalschutz für den Klimaschutz bereits leistet und noch leisten wird.

Allen Denkmaleigentümerinnen und -eigentümern, die trotz der Pandemieeinschränkungen ihre Türen und Tore analog und digital öffnen, sei an dieser Stelle sehr herzlich gedankt. Alle haben sich sorgsam Gedanken gemacht, wie sie auf die aktuelle Situation reagieren können (und ich hoffe bei Drucklegung dieses Hefts, dass dies auch klappen wird). Alle Besucherinnen und Besucher bitte ich, auf die notwendigen Einschränkungen mit Verständnis Rücksicht zu nehmen – und bei den Besuchen vor Ort zum Schutze aller sich an die geltenden Hygienemaßnahmen zu halten. Ich bin mir sicher – auch mit dem entsprechenden Abstand wird dies ein großartiger Tag des offenen Denkmals, der uns besonders in Erinnerung bleiben wird!  

Dr. Christoph Rauhut
Landeskonservator und Direktor
des Landesdenkmalamtes Berlin