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Renaissance-Theater

Renaissance-Theater (ehem. Motivhaus)
Renaissance-Theater (ehem. Motivhaus)
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Reuss

Hardenbergstraße 6, ehem. Motivhaus (Vereinshaus)

  • 1901–02 von Reimer & Körte
  • 1919 Teilumbau zum Kino von Otto Berlich
  • 1926–27 Teilumbau zum Theater von Oskar Kaufmann
  • 1936–38 Teilumbau zum Verwaltungsgebäude (Reichsschrifttumskammer) von Ernst Bechler

Das Renaissance-Theater in Charlottenburg entstand durch Umbau bereits bestehender Gebäude in den Jahren 1926-27 nach Plänen des auf Theaterbauten spezialisierten Berliner Architekten Oskar Kaufmann und wurde mit einer reichen Ausstattung nach Entwürfen von César Klein versehen.

Oskar Kaufmann (1873-1956) war in Berlin unter anderem für den Bau des Hebbel-Theaters, der Volksbühne am heutigen Rosa-Luxemburg-Platz, des Theaters am Kurfürstendamm und der Komödie verantwortlich gewesen. Mit dem Ausbau des Renaissance-Theaters lieferte er einen weiteren Beweis für sein Können: Er schuf ein Musterbeispiel eines intimen Theaters, indem er die ungünstigen räumlichen und baulichen Gegebenheiten zwischen Hardenberg- und Knesebeckstraße geschickt nutzte.

Zentrale Bedeutung kommt dem Renaissance-Theater vor allem deshalb zu, weil es mitsamt einer kompletten Originalausstattung von höchster künstlerischer Qualität erhalten ist – von der Kassenhalle über die Umgänge, Treppen, Foyers bis hin zum Zuschauerraum, von den schmiedeeisernen Geländern, Lampen, Türen, Beschlägen, Wandbespannungen, Spiegeln bis zu den Intarsien. Besonders charakteristisch ist für Kaufmann sein sensibles Gespür für die wertvollen Materialien, Farben und Oberflächen und seine ausgeprägte Vorliebe für eine expressionistische Formenvielfalt, die im Renaissance-Theater in einem wahren Material- und Ausstattungsluxus mündet.

Denkmalgerechte Sanierung

Bei der Durchführung einer vom Landesdenkmalamt Berlin beauftragten und bezahlten Farbuntersuchung stellte sich im Frühjahr 1995 heraus, dass in den beiden oberen Foyerräumen die originale Raumfassung aus durchgefärbtem, poliertem Stuckgips in leuchtenden blaugrünen bzw. ultramarinblauen Farben vollständig erhalten ist. Sie konnte ohne weiteres freigelegt werden. In den Umgängen auf beiden Geschossebenen sowie im unteren Foyerbereich reichte die vorhandene Substanz zwar nicht für eine komplette Freilegung, aber immerhin für eine Wiederherstellung nach Befund aus.

Mit der gelungenen Freilegung bzw. Wiederherstellung der künstlerisch außerordentlich qualitätsvollen Innenraumfassungen konnte die Wiedergewinnung eines authentischen Kleinods deutscher Theaterarchitektur eingeleitet werden. Die Arbeiten sollen in den nächsten Jahren mit der Wiederherstellung der Wandbespannung, der Erneuerung des Fußbodenbelags und der Restaurierung der Intarsien im Zuschauerraum fortgesetzt werden, sofern die Finanzierung gesichert werden kann.