Inhaltsspalte

Denkmaldatenbank

Naturwissenschaftliche und medizinische Institute der Königlichen Universität Berlin

Obj.-Dok.-Nr.: 09080416
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Dorotheenstraße
Hausnummer: 94 & 96
Strasse: Bunsenstraße
Hausnummer: 1
Strasse: Reichstagufer
Hausnummer: 8
Strasse: Wilhelmstraße
Hausnummer: 67
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Hochschule
Entwurf: 1873
Fertigstellung: 1883
Umbau: 1908
Umbau: nach 1945
Entwurf: Spieker, Paul Emmanuel (Architekt)
Ausführung: Zastrau, Karl Albert Fritz & Kleinwächter & Hellwig, Moritz (Architekt)
Entwurf: Thür, Georg (Architekt)
Bauherr: Friedrich-Wilhelm-Universität

Der ausgedehnte Komplex Dorotheenstraße 94/96 für die naturwissenschaftlichen, medizinischen und technischen Institute der Friedrich-Wilhelms-Universität (1) auf dem trapezförmigen Gelände zwischen Dorotheenstraße und Reichstagufer ist in den Jahren 1873-83 auf Initiative des Physikers Hermann von Helmholtz errichtet worden. Paul Spieker, der Architekt der Universitätsbibliothek, fertigte die Baupläne. Mitarbeiter und Bauleiter waren die Bauinspektoren Karl Zastrau, Moritz Hellwig und Kleinwächter. 1873-77 entstanden das Physiologische Institut an der Dorotheenstraße 96, der große Hörsaal im Zentrum des Gebäudes sowie die Direktorenwohnungen an der südwestlichen Ecke. Die Bauten des Physikalischen Instituts am Reichstagufer Ecke Wilhelmstraße, 1878 fertig gestellt, wurden im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und nach 1955 abgetragen. (2) Heute befindet sich an dieser Stelle das Hauptstadtstudio der ARD. In einer zweiten Bauphase 1879-83 konnten das Pharmakologische Institut an der Dorotheen- Ecke Bunsenstraße und die Institute an der Bunsenstraße errichtet werden. (3) Weiterer Raumbedarf nach 1900 erforderte die Aufstockung der ursprünglich zwei- bis dreigeschossigen Bauten. Den Erweiterungsbau für das Chemische Institut in der Bunsenstraße hat der Architekt Georg Thür 1907-08 den Bauten von 1883 architektonisch angepasst. (4)

Der große Komplex, der einheitlich in spätklassizistischen Formen gestaltet ist, zählt zu den baukünstlerisch bedeutenden Bauten der Schinkel-Nachfolge. Die mit gelbem und rotem Ziegel verblendeten Fassaden sind durch Vorbauten und über den Seiteneingängen durch Erker gegliedert. Ornamentale Friesbänder aus farbigen Mettlacher Platten sowie der vielfältige Bauschmuck mit Profilsteinen und Terrakotta-Reliefplatten an Gesimsen, Einfassungen und Brüstungsfeldern lockern den mächtigen Baukörper auf. Die gusseiserne Treppe mit dem feinen Rankengeländer im ehemaligen Physiologischen Institut und der große Hörsaal mit umlaufender Arkadengalerie und Oberlicht sowie viele weitere Ausstattungsdetails bezeugen die außergewöhnliche kunsthandwerkliche Qualität der Innenausstattung. In zwei Erdgeschossräumen, deren bauzeitliche Möblierung fast vollständig erhalten ist, befindet sich die Gedenkstätte für Robert Koch, der 1882 im großen Hörsaal seinen Vortrag über die Entdeckung des Tuberkelbazillus hielt.


(1) Heute Humboldt-Universität.

(2) An ihrer Stelle steht heute das Hauptstadtstudio der ARD

(3) Vgl. den historischen Grundriß in: BusB 1896, Bd. II, S. 266.

(4) Vgl. o.V., (Physiologisches Institut der Königlichen Universität zu Berlin), in: Baugewerks-Zeitung 11 (1879), S. 639; Kleinwächter 1881; o.V.: Das pharmakologische, das II. chemische Laboratorium und das technologische Institut der Universität in Berlin, in: Zentralblatt der Bauverwaltung 3 (1883), S. 140f.; Zeitschrift für Elektrochemie 15 (1909), S. 229ff.

Literatur:
  • Architekturführer Berlin, 1991 / Seite 327
  • BusB II/III 1896 / Seite 265-270
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 / Seite 200
  • Baugewerks-Zeitung 11 (1879) / Seite 639
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 1 (1881) / Seite 359-361
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 3 (1883) / Seite 140-141
  • Zeitschrift für Elektrochemie 15 (1909) / Seite 229-231
  • Berlin zu Kaisers Zeiten, hrsg. v. A. Kutsch und H. Bohrmann, Berlin 1988 / Seite 18-19
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 301 f.