Inhaltsspalte

Denkmaldatenbank

Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda

Obj.-Dok.-Nr.: 09080285
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Mauerstraße
Hausnummer: 45 & 46 & 47 & 48 & 49 & 50 & 51 & 52
Strasse: Wilhelmstraße
Hausnummer: 49
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Ministerium
Entwurf: 1934
Datierung: 1936-1940
Umbau: 1949
Umbau: um 1980
Entwurf: Reichle, Karl
Ausführung: Reichsbaudirektion ((?))
Bauherr: Deutsches Reich

Als Erweiterung des Palais' des Prinzen Karl am Wilhelmplatz, seit 1933 Dienstsitz von Propagandaminister Josef Goebbels, ließ das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda 1934-40 in der Mauerstraße 45-52 in mehreren Bauabschnitten einen umfangreichen Erweiterungsbau errichten; Architekt war Karl Reichle. Das barocke und nach Entwurf von Schinkel klassizistisch umgebaute Palais des Prinzen Karl wurde im Krieg zerstört und später abgetragen, der lang gestreckte Nordflügel und die vierseitig geschlossene Hofanlage mit der Hauptfassade an der Mauerstraße blieb jedoch bis auf die fehlenden "Hoheitszeichen", die bekrönenden Adler von Bildhauer Willy Meller über dem pylonenartigen Eckpfeiler, nahezu in originaler Form erhalten. Die Fassade ist symmetrisch in drei Abschnitte, einen Mittelteil von 17 Achsen und zwei seitlichen Trakten, denen die Eingänge zugeordnet sind, aufgeteilt. Der ursprünglich nur drei Achsen umfassende Fassadenteil am ehemaligen Wilhelmplatz wurde nach dem Krieg um drei Rundbogenachsen erweitert. Die nationalsozialistische Architekturgesinnung kommt besonders in der Baukörper- und Fassadengestaltung zum Ausdruck. Die bis zur Starrheit vereinheitlichten Baukörper mit ihren hierarchisch und repetitiv aufgebauten Lochfassaden dominieren die kleinteiligere Umgebung. Das Propagandaministerium wird durch die Aufweitung der Straße von den Nachbarbauten abgesetzt, die zudem durch die seitlich aufsteigenden Pylone verdeckt werden. Überhöhte Portale und große, gleichartig strukturierte Flächen erzeugen einen monumentalen Eindruck. (1) Der Nationalsozialismus wollte mit totalitären Architekturen wie mit diesem und anderen Bürobauten, dem Luftfahrtministerium an der Wilhelmstraße oder der Erweiterung des Innenministeriums an der Dorotheenstraße, den Stadtraum erobern und dominieren.

Das Gebäude war nach dem Krieg seiner marmornen Auskleidung entledigt und nach Zwischennutzung durch den "Deutschen Volksrat", dem Vorgänger der DDR-Volkskammer, durch den Nationalrat der Nationalen Front der DDR genutzt worden. Nach seinem Umbau 1997-2000 (Architekt Josef Paul Kleihues), bei dem die wenigen überkommenen Räume der NS- und DDR-Zeit bewahrt werden konnten (Steinsaal, Büro Wilhelm Pieck, Sitzungssaal des Nationalrats), ist es Sitz des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung.


(1) Vgl. Schäche 1991, S. 203ff. und 212ff.; Reichle 1935; Reichle 1939; BusB III, S. 42.

Literatur:
  • BusB III 1966 / Seite 42
  • BusB II/III 1896 / Seite 17f.
  • Reichle: Der Erweiterungsbau des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda in Berlin, in: Zentralblatt der Bauverwaltung 55 (1935) / Seite 149-154
  • Reichle, Karl: Neubauten des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda, in: Zentralblatt der Bauverwaltung 59 (1939) / Seite 125 ff.
  • Das Bauen im neuen Reich, 1938 / Seite 203 ff., 212 ff.
  • Schäche: Architektur, 1991 / Seite 359
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003