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Denkmaldatenbank

Landwirtschaftliche Hochschule

Obj.-Dok.-Nr.: 09075292
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf & Charlottenburg-Wilmersdorf
Ortsteil: Dahlem & Wilmersdorf
Strasse: Albrecht-Thaer-Weg
Hausnummer: 1 & 2 & 3 & 4 & 5 & 6 & 7 & 8
Strasse: Lentzeallee
Hausnummer: 45 & 47 & 76 & 78 & 80 & 82 & 84 & 86
Strasse: Schweinfurthstraße
Hausnummer: 26
Strasse: Zoppoter Straße
Hausnummer: 35 & 37 & 39 & 41 & 43 & 45 & 47 & 49 & 51 & 53 & 55 & 57 & 59 & 61 & 63
Strasse: Hellriegelstraße & Gregor-Mendel-Straße & Schorlemerallee
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Hochschule
Datierung: 1921-1929
Entwurf: Straumer, Heinrich (Architekt)
Ausführung: Hebsacker und Jachemich (Baugeschäft)
Bauherr: Ministerialkommission für den Neubau der landwirtschaftlichen Hochschule

Zwischen Lentzeallee im Norden, Schorlemerallee im Süden, Schweinfurthstraße im Westen und Gregor-Mendel-Straße im Osten erstrecken sich seit den 1920er Jahren die Versuchsfelder der ehemaligen Landwirtschaftlichen Hochschule mit ihren weithin sichtbaren Backsteinbauten. Gelände und Bauten Albrecht-Thaer-Weg 1-8 u.a. werden heute von agrarwissenschaftlichen Instituten der Humboldt-Universität und der Freien Universität Berlin genutzt.

Im Jahre 1919 hatte die preußische Regierung auf Betreiben von Staatssekretär Eberhard Ramm hin beschlossen, die 1881 gegründete Landwirtschaftliche Hochschule gemäß dem Wunsch ihres inzwischen verstorbenen Begründers Hugo Thiel aus beengten Verhältnissen in der Berliner Invalidenstraße nach Dahlem zu verlegen. Dort stand eine große Freifläche auf dem ehemaligen Domänengelände zur Verfügung. Den für die Bebauung ausgeschriebenen Wettbewerb konnte Heinrich Straumer 1920 für sich entscheiden. Nach seinem Entwurf entstand in mehreren Bauabschnitten zwischen 1921 und 1926 sowie 1929 der Kern der heutigen Anlage. (1) Sie unterscheidet sich von den Planungen seiner Konkurrenten, die repräsentative Monumentalbauten entlang der Lentzeallee vorsahen, auf zweifache Weise. Grundlegend neu war Straumers Idee eines Hochschul-Campus. Er setzte die kleineren Institutsgebäude und die Direktorenwohnhäuser an eine das Gelände durchschneidende Privatstraße, den Albrecht-Thaer-Weg. Diese sollte auf die Mittelachse des geplanten, aber aus Kostengründen nicht ausgeführten Hauptgebäudes jenseits der Lentzeallee zulaufen. (2)

Am südlichen Tor in der Schorlemerallee bilden ein im Winkel gestelltes Gärtnerhaus und ein Wirtschaftsgebäude unter alten Bäumen eine eher dörfliche Eingangssituation. Die beiden größeren Institute mit Nebengebäuden am nördlichen Tor in der Lentzeallee sollten gemeinsam mit dem Hauptgebäude hingegen einen repräsentativen Platz ausbilden. Straumer wählte einen der Bauaufgabe angemessenen ländlichen Baustil im Sinne einer "Architecture parlante". So entstanden die schlichten, wohlproportionierten Gebäude mit ihren Backsteinfassaden, Giebeln, Satteldächern, flächenbündig in der Fassade sitzenden Sprossenfenstern und dezenten dekorativen Elementen, abgerundet durch Einfriedungen und ornamental gestaltete Tore.

Wie auch bei anderen Bauten Straumers kommt hier seine Vorliebe für norddeutsche und holländische Bauformen zum Ausdruck, die sich bis ins Detail, wie beispielsweise der Fensterausbildung, niederschlägt. Das Institutsgebäude in der Lentzeallee 76/86 wurde nach Straumers Tod im Kriegsjahr 1939 begonnen und erst 1953 fertig gestellt. Anders als beim benachbarten Gebäude von 1922 sind alle Formen, vom Mauerwerk über die Fenster bis zum Dekor stark vereinfacht, was besonders in der Gegenüberstellung der Portale deutlich wird. Gleichwohl stellt es eine wichtige Abrundung von Gesamtanlage und Landschaftssilhouette dar.

Mit der Einrichtung eines Instituts für Gartengestaltung entstand 1929 am Albrecht-Thaer-Weg 1 der erste universitäre gartenbauliche Studiengang in Deutschland. Bekannte Gartenarchitekten wie Erwin Barth, Heinrich Wiepking-Jürgensmann und Georg Pniower hatten dort als Professoren ein breites Wirkungsfeld. Die weitere Entwicklung der Landwirtschaftlichen Hochschule unterlag politischen Zwängen. 1934 wurde sie der Friedrich-Wilhelms-Universität angegliedert, wo sie ab 1937 eine eigene landwirtschaftlich-gärtnerische Fakultät bildete.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Teilung Deutschlands erfolgte 1951 die Angliederung der im Westteil Berlins befindlichen Institute an die Technische Universität, während die Institute im Ostteil der Stadt zur Humboldt-Universität gehörten. Nach der Wiedervereinigung wurde 1992 ein gemeinsamer Fachbereich für Agrar- und Gartenbauwissenschaften an der Humboldt-Universität gegründet. Damit verbunden war der Bau neuer Gewächshäuser und Nebenanlagen für Forschungszwecke. Seit 2009 erfolgen Instandsetzungsmaßnahmen an einzelnen Gebäuden, wobei das von der Freien Universität genutzte Gebäude am Albrecht-Thaer-Weg 1 als erstes die ursprüngliche Dacheindeckung mit roten holländischen Pfannen zurückerhielt.

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(1) Stubert 1995, Bd. 2/3, Obj. 67 (dort weitere Literaturangaben). Zu den Teilnehmern des Wettbewerbs gehörten ferner German Bestelmeyer, Erich Blunck, Heinrich Schweitzer und Emil Högg.

Literatur:
  • Wasmuths Lexikon der Baukunst / Seite Bd. 4, 479 (Erwähnung)
  • Topographie Dahlem, 2011 / Seite 99
  • Thieme-Becker, Bd. 32 / Seite 171 (Erwähnung)