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Denkmaldatenbank

Haus Walther Lange & Libellenhof

Obj.-Dok.-Nr.: 09075253
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Nikolassee
Strasse: Libellenstraße
Hausnummer: 9
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnhaus & Einfamilienhaus
Datierung: 1927-1928
Entwurf: Paul, Bruno (Architekt)
Ausführung: Laternser, Otto (Bauunternehmer)
Bauherr: Lange, Walther

(...) Hier [das heutige Grundstück Libellenstraße 9 ] baute der Architekt Bruno Paul 1927-28 ein Wohnhaus für Walther Lange, den Generaldirektor der Kathreiner Malzkaffee-Fabrik. Bruno Paul, der für dieselbe Firma das Bürohochhaus am Kleistpark in Schöneberg errichtete und durch zahlreiche Geschäfts- und Wohnhäuser bekannt wurde, schuf mit dem so genannten Libellenhof eine seiner beeindruckendsten Villen. (1) Das sowohl in der Anlage als auch im Inneren im Wesentlichen erhaltene Gebäude ist heute durch seine Lage unmittelbar an der Autobahn, die das Grundstück an seiner Südseite begrenzt, stark beeinträchtigt. Trotzdem ist die elegante Villa als bedeutendes Werk Bruno Pauls und als Zeugnis der Bebauungsphase in Nikolassee zwischen den beiden Weltkriegen von herausragender Bedeutung.

Der Libellenhof fällt zunächst durch seine geschickte Einordnung in das Hanggrundstück auf: Vorbei an Einfriedung, Garage und Vorhof auf Straßenniveau gelangt man über einen eindrucksvollen Treppenaufgang zum höher gelegenen Wohnhaus. Das Haus selbst, nach Süden einst zum See orientiert und in einen weitläufigen landschaftlich angelegten Garten eingebettet, gestaltete der Architekt in schlichter Sachlichkeit, ergänzt durch einige expressive Details. Der breit gelagerte kubische Baukörper mit hohem Walmdach ist durch ein von kräftigen Steingewänden eingefasstes Eingangsportal sowie horizontale Fensterreihen gegliedert. Schmale Gesimse in grauem Kunststein ober- und unterhalb der Türen und Fenster setzen sich ebenso wirkungsvoll von den rosafarbenen, glatt verputzten Wandflächen ab wie die schmale Sockelleiste, die weit vorkragende Dachkante und die Vordächer über den Türen in demselben Material. Die Raumaufteilung im Inneren des Hauses, die ebenerdig komplett, im Obergeschoss zum Teil bewahrt ist, folgte ganz den Bedürfnissen des Hausherrn. Im Erdgeschoss haben sich in den drei großen Wohnräumen eingebaute Schränke und Lampen, der Kamin mit holzvertäfelter Wand, sämtliche, bis zu den Griffen und Klinken von Bruno Paul individuell entworfenen Zimmertüren und Fenster sowie das Entree mit Garderobe und Gäste-WC erhalten. Im Obergeschoss zeugt ein versenkbares Fenster noch von der ursprünglichen Funktion des Raumes als Veranda. (2) Haus Lange ist ein bauliches Kunstwerk, das in den Details kostbar und von höchster Qualität, in der Gesamtwirkung elegant und modern gestaltet ist.


1) Osborn, Max: Haus Walther Lange von Bruno Paul. In: Deutsche Kunst und Dekoration 63 (1928/29), S. 400-416; Bruno Paul: Deutsche Raumkunst und Architektur zwischen Jugendstil und Moderne, hrsg. v. Alfred Ziffer, Ausstellungskat. München 1992; Günther, Sonja: Das Werk des Karikaturisten, Möbelentwerfers und Architekten Bruno Paul (1874-1968). In: Stadt, Sonderheft Oktober 1982, S. 18-72.

2) Zahlreiche Innenaufnahmen bei Osborn, Max: Haus Walther Lange von Bruno Paul. In: Deutsche Kunst und Dekoration 63 (1928/29), S. 406-416.

Literatur:
  • Osborn, Max/ Haus Walther Lange von Bruno Paul in
    Deutsche Kunst und Dekoration 63 (1928) / Seite 400-424