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Denkmaldatenbank

Dreilindenschule

Obj.-Dok.-Nr.: 09075230
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Nikolassee
Strasse: Dreilindenstraße
Hausnummer: 49
Strasse: Isoldestraße
Hausnummer: 9
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Schule & Direktorenwohnhaus
Entwurf: 1938-1939
Datierung: 1938-1939
Entwurf: Kuhlmann, Otto

Als Standort für den ersten Neubau einer höheren Schule in Berlin nach 1933, die auch für umliegenden Gemeinden erreichbar sein sollte, war das Grundstück Ecke Dreilinden- und Isoldestraße wegen der verkehrsgünstigen Lage nahe dem Bahnhof Wannsee gewählt worden. Nach einem Wettbewerb im Jahr 1936, an dem unter anderen auch Egon Eiermann, Hermann Henselmann und Paul Baumgarten teilnahmen (1), wurde 1938-39 die Dreilinden-Oberschule, Dreilindenstraße 49, Isoldestraße 9, mit Direktorenwohnhaus nach Entwurf des Geheimen Hofbaurats Otto Kuhlmann errichtet. (2) Der unmittelbar mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges fertig gestellte Bau wurde bald als Kaserne und Lazarett genutzt und erst im Mai 1945 als Schule in Betrieb genommen. (3) Zwei Erweiterungsbauten der 1970er Jahre und ein Neubau von 1988-90 für die seit 1948 angegliederte Grundschule (4) ergänzen das ursprüngliche Gebäude, das eindrucksvoll die Schulbaupolitik der NS-Zeit repräsentiert.

Auch wenn Otto Kuhlmann nicht zu den regimetreuen Architekten gerechnet werden kann, folgte er in seinem Entwurf mit einem symmetrisch angelegten Bau und einem auf das Notwendigste reduzierten Raumprogramm den staatlich verordneten Prinzipien. Anders als zeitgleiche, an ländlichen Bauweisen orientierte Volksschulen am Stadtrand zeigt die Dreilinden-Schule eine eindeutig auf Repräsentation zielende Wirkung. Der hell verputzte Mauerwerksbau mit umlaufendem Natursteinsockel griff mit einer strengen Reihung von Stichbogenfenstern, der repräsentativen Pfeilervorhalle vor dem Haupteingang und den hohen mit Sandstein gerahmten Fenstern für Aula und Turnhalle an der Straßenfassade Elemente offizieller Bauten der NS-Zeit auf. Gemildert wird die schroffe Wirkung der Fassaden durch Sandsteinreliefs mit Knabengestalten, die jedoch in ihrer Ikonografie Erziehung im Sinne der NS-Ideologie abbilden: Darstellungen sportlicher Ertüchtigung und fleißigen Lernens sowie der Adler als Hoheitszeichen verweisen darauf ebenso, wie das Relief eines Trommlers zum Pausenhof dessen einstige Funktion als Platz für den Fahnenappell kennzeichnet. (5) Im Inneren präsentiert der zweigeschossige mehrflügelige Bau mit flachen Walmdächern eine funktionale Aufteilung: Dem symmetrisch angelegten Kopfbau mit Eingangshalle, flankiert von Turnhalle und Aula, ist im rechten Winkel ein zweihüftiger Trakt für Klassen- und Lehrerzimmer mit einem breiten, unbelichteten Mittelflur angefügt - die Räume selbst sind aufgrund der großen Fenster sehr hell. Im südlichen Querflügel sind auf beiden Geschossen die Fachunterrichtsräume (Chemie-, Biologie-, Kunst- und Physiksaal) separat untergebracht. Auch der Musikraum ist über der Eingangshalle mit direktem Zugang zur Empore der Aula geschickt angeordnet.


1) Die Wettbewerbsbeiträge, die in Raumaufteilung und Architektursprache noch an die Reformansätze der 1920er Jahre anknüpften, waren bereits in der ersten Runde ausgeschieden.

2) Bauwelt 27 (1936), H. 44, S. 1060-1065; BusB V C, S. 190 f., 414 f.; Zu Otto Kuhlmann (1873-1948) vgl. Uhlig, Alexander: Otto Kuhlmann (1873-1948), Architekt zwischen Tradition und Moderne, Diss. Hannover 2003, S. 96 ff.

3) Grundsteinlegung 30.3.1938, Unterrichtsbeginn 21.4.1939, Nov. 1940 bis Februar 1941 Teile des Gebäudes von der Wehrmacht genutzt, 1943-45 Lazarett, Schulbetrieb eingestellt, Wiederaufnahme Mai 1945, ab 1.9.1948 Oberschule und Grundschule, 1951-64 auch Realschule. 1968/69 Neubau Gymnastikhalle und Sternbau, 1987/88 Grundinstandsetzung Schulgebäude, 1997/98 Sportplatz. Vgl. Schulzeit 1939 bis 1999, Zeitzeugen und Zeitzeugnisse zum 60-jährigen Bestehen der Dreilinden-Oberschule Berlin-Zehlendorf, Berlin 1999.

4) Jan Bassenge, Kay Puhan-Schulz, Johannes Heinrich, Walter Schreiber. Vgl. BusB V C, S. 414 f., 444. Bauwelt 81 (1990), S. 794 ff.; Dreilinden-Grundschule Berlin-Zehlendorf, Festschrift anlässlich der Einweihung des neuen Schulgebäude am 30. Juni 1990, Berlin 1990.

5) Bildhauer: H.L.E. Eingangsportal mit Reichsadler und zwei Knaben, Schmetterling, Eule und Biene als Symbole für Eifer und Fleiß, vier quadratische Reliefs mit Knaben beim Studium der Naturwissenschaften (Geometrie, Geographie, Chemie, Biologie). Ostfassade: fünf Rundmedaillons mit Darstellungen sportlicher Disziplinen (Laufen, Fußball, Speerwerfen, Segelflug, Boxen), Westfassade: trommelnder Knabe. Vgl. BusB V C, S. 190 f. Zur Grundsteinlegung stand im Zehlendorfer Anzeiger vom 30.03.1938: "In der neuen Schule sollen von hohem Idealismus beseelte Lehrer deutsche Jungen zu Männern erziehen, die ihren Führer und ihr Vaterland über alles lieben, in Treue und Opferbereitschaft der Gemeinschaft ihres Volkes zu dienen bereit sind, körperlich gestählt ein willensstarkes Geschlecht in der Ausdauer und in der Ueberwindung aller Schwierigkeiten verbürgen, geistig bestens geschult, ihrer volksbewußten Gesinnung und ihrem Können durch Taten sichtbaren Ausdruck zu verleihen vermögen.Die Schule des Dritten Reiches steht im Dienst der politischen Bildung und Erziehung unseres Volkstums. Der liberale Schulbegriff ist überwunden." Brockhaus 1938, zit. n. Schulzeit 1939 bis 1999, Zeitzeugen und Zeitzeugnisse zum 60-jährigen Bestehen der Dreilinden-Oberschule Berlin-Zehlendorf, Berlin 1999, S. 15. Am 19.12.1940 lautete eine Mitteilung des Direktors: "Eine Flaggenehrung ist unter den augenblicklichen Verhältnissen (Anm.: Einquartierung der Wehrmacht) leider nicht möglich." zit. n. Schulzeit 1939 bis 1999, Zeitzeugen und Zeitzeugnisse zum 60-jährigen Bestehen der Dreilinden-Oberschule Berlin-Zehlendorf, Berlin 1999, S. 37.