FAQ zu Tempohomes

1. Was sind „Tempohomes“?

Als „Tempohomes“ werden die Wohncontaineranlagen bezeichnet, die zurzeit an bis zu 30 Standorten im Berliner Stadtgebiet errichtet werden. Die Nutzung ist für einen Zeitraum von 3 Jahren vorgesehen.

2. Warum werden Tempohomes gebaut?

Priorität hat das Leerziehen der zahlreichen Turnhallen, in denen derzeit Geflüchtete ohne individuelle Wohnfläche leben. Um diesen Menschen einen besseren Wohnstandard bieten zu können und den Schulen und Vereinen kurzfristig wieder die Sportflächen zur Benutzung zur Verfügung zu stellen, sollen zunächst die Bewohnerinnen und Bewohner der Turnhallen in die Tempohomes umziehen. Es wird angestrebt, dass dieser neue Standort möglichst in Nähe des alten Standortes liegt. Grundsätzlich soll sich die Wohnsituation der Geflüchteten damit verbessern.

3. Wer baut die Tempohomes?

Im Auftrag des Landes Berlin ist die landeseigene Berliner Immobiliengesellschaft – BIM – mit dem kurzfristigen Beschaffen und Bauen der Tempohomes beauftragt worden. Gegenüber Umbauten von bestehenden Immobilen haben Wohncontainerdörfer folgende Vorteile:

  • Sie haben eine kürzere Bauzeit.
  • Sie gehören dem Land Berlin.
  • Sie können aufgrund der derzeitigen Belegungslage in einer ersten Phase als Notunterkünfte mit einer höheren Belegung, in einer zweiten Phase als Gemeinschaftsunterkunft mit einer niedrigeren Belegung genutzt werden.

4. Wer betreibt die Tempohomes?

Für den Betrieb der Tempohome-Standorte wählt das LAGeSo / LAF über ein europaweites Ausschreibungsverfahren den jeweiligen Betreiber aus. Die ersten Ausschreibungen sind bereits erfolgt.

5. Wie viele Tempohomes werden mit wie vielen Plätzen entstehen?

An den bis zu 30 Standorten werden Wohnanlagen mit insgesamt bis zu 15.000 Plätzen entstehen. Je Standort sind 8 Wohngebäude mit 64 Wohneinheiten geplant. Die Wohneinheiten bieten Platz für 4 bis 8 Personen.

6. Wie sieht ein Tempohome-Standort aus?

Ein Tempohome-Musterstandort besteht aus

  • acht Wohngebäuden,
  • einem Verwaltungsgebäude
  • einem Versorgungsgebäude sowie
  • einem Pförtner- bzw. Eingangshäuschen.
    Alle Gebäude sind aus einzelnen Containern mit einer ca. 13 qm großen Grundfläche zusammengestellt. Sie sind ebenerdig und haben nur das eine Erdgeschoss. Damit ist jede Wohneinheit individuell zugänglich.

(Grundrisspläne in der Anlage 1.)

7. Wie sind die Tempohomes ausgestattet?

Die Wohngebäude sind baulich mit einer Sanitärzelle und einer Pantry (kleine Küche) für jede Wohngruppe ausgestattet. Die Wohnungen werden mit Betten, Schränken, Stühlen, Tischen und Wäsche ausgestattet. Im Verwaltungs- und Versorgungsgebäude gibt es Büro- und Beratungs-, Personal- und Abstellräume. Auch Kinderspielzimmer, Schularbeitszimmer, einen PC-Raum, einen Mehrzweckraum und eine Hausmeisterwerkstatt gemäß den Qualitätsanforderungen des LAGeSo / LAF sind vorhanden.

8. Sind Spielplätze vorgesehen?

In der Freifläche jedes Standortes sollen Spielgeräte, Sandspielkasten, Bänke und Freizeitbereiche für die Kinder und Bewohner entstehen.

9. Wie viele Menschen werden pro Standort untergebracht?

Je Standort sind 500 Plätze vorgesehen. An geeigneten größeren Standorten werden gegebenenfalls mehr Plätze realisiert.

10. Wann sollen die Tempohomes bezogen werden?

Die ersten beiden Standorte sollen ab August 2016 bezogen werden. Die weiteren dann fortlaufend ab September und Oktober 2016.

11. Welche Personengruppen werden dort untergebracht?

Grundsätzlich sind die Tempohomes für den Freizug der Notunterkünfte vorgesehen. Priorität haben dabei die bisher in Turnhallen untergebrachten Personen. Die Hauptherkunftsländer der Geflüchteten seit September 2015 sind Syrien, Irak, Afghanistan, Albanien, Iran, Pakistan und Eritrea.

12. Wer hat die Standorte ausgewählt?

Zuständig für die Auswahl der Grundstücke ist die Senatsverwaltung für Finanzen. Dazu hat es zahlreiche Gespräche zwischen Finanzverwaltung und Bezirken zur Identifikation von geeigneten Grundstücken gegeben.

Seit Herbst 2015 wurden mehr als 1500 Liegenschaften, die im Besitz des Bundes und des Landes Berlin sind, zunächst planungsrechtlich und sozialräumlich von einer Expertenkommission geprüft. Die Kommission bestand aus Vertreterinnen/Vertretern der Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und Umwelt sowie Finanzen, der BIM und dem LAGeSo. Daraus wurden bis zum Jahreswechsel mehr als 50 Standorte herausgefiltert und intensiver geprüft. Im Dezember 2015 wurden diese Standorte von der Finanzverwaltung der Öffentlichkeit bekannt gegeben.

Seit Beginn des Jahres 2016 werden diese Standorte einzeln von der Senatsverwaltung für Finanzen mit den jeweiligen Bezirken besprochen. Wird ein Standort vom jeweiligen Bezirk abgelehnt, ist der Bezirk verpflichtet, einen Ersatzstandort zu benennen.

13. Wurde eine Baugenehmigung beantragt und wer erteilt die Baugenehmigung?

Der Bauantrag eines jeden Standortes wird von der obersten Bauaufsicht bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt gemäß § 65 Bauordnung Berlin in einem normalen Regelverfahren geprüft und genehmigt. Dabei werden die jeweiligen, gemäß Planungsrecht vorgeschriebenen fachlichen Stellungnahmen der Bezirke einbezogen.

14. Wie ist der Brandschutz geregelt?

Aufgrund der eingeschossigen Bauweise, den separat erschlossenen Apartments und den direkten erdgeschossigen Ausgängen ins Freie ist eine schnelle Evakuierung der Bewohnerinnen und Bewohner im Brandfall sichergestellt, sodass der Einbau einer automatischen Brandmeldeanlage entfällt.
Es werden jedoch Rauchmelder (nach DIN 14676) in jedem Bewohnerzimmer eingebaut, um schlafende Bewohner im Brandfall zu wecken. Dies ist mit der obersten Bauaufsicht abgestimmt.

15. Wie lange sollen die Tempohomes bestehen?

Nach geltendem Baurecht gibt es eine Genehmigung für drei Jahre für die Container-Standorte.

16. Wurden Eingriffs- und Artenschutzgutachten erstellt?

Alle geltenden und erforderlichen Arten-, Baum-, Boden-, Schallschutzbelange werden je Standort geprüft und eingehalten.

17. Wie wird die Integration in den Stadtteil sichergestellt?

1. Um die Flüchtlingsarbeit der vom Land geförderten Stadtteilzentren zu intensivieren, wurden im Landeshaushalt 2016/17 jährlich 600.000 € bereitgestellt. Bestehender Aufklärungsbedarf der Nachbarschaft soll damit abgedeckt werden, ebenso wie die Koordinierung ehrenamtlichen Engagements zur Unterstützung der Flüchtlinge. So moderieren die Stadtteilzentren Anwohnerveranstaltungen oder begleiten das Ankommen der Flüchtlinge in dem jeweiligen Kiez mit einem Willkommensfest. Die neu ankommenden Menschen und die Nachbarschaft haben so die Möglichkeit zur Begegnung. Die Stadtteilzentren sollen auch die erforderlichen Informationen für die Anwohnerinnen und Anwohner bereitstellen. Eine weitere Aufgabe für die Stadtteilzentren ist es, den Kontakt zu ehrenamtlichen Unterstützern zu pflegen und Projekte zu vermitteln und zu fördern.

2. In den Ortsteilen, in denen bereits ein von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt finanziertes Quartiersmanagement eingerichtet wurde, fördert dieses ebenso die soziale Integration durch konkrete Projekte im Stadtteil.

3. Darüber hinaus ist jedem Bezirk eine Million Euro für Integrationsmaßnahmen zur Verfügung gestellt worden. Jeder Bezirk hat einen bezirklichen Flüchtlingskoordinator benannt, der Ansprechpartner für Informationen und Anwohnerbelange ist.

(Liste der bezirklichen Flüchtlingskoordinatoren in Anlage 3)

4. Der jeweilige Betreiber einer Einrichtung ist durch den Betreibervertrag verpflichtet, sowohl den Kontakt in den Stadtteil zu den Netzwerkpartnern und Ehrenamtlichen zu fördern als auch deren Aktivitäten und Projekte in den Räumen der Einrichtung zu ermöglichen. Der Betreiber ist verpflichtet, eine Personalstelle für die Koordination der ehrenamtlichen Aktivitäten vorzusehen.

18. Gibt es eine Kinderbetreuung und wie erfolgt die Beschulung der Flüchtlingskinder?

Kitaplätze und Willkommensklassen werden vom Bezirk organisiert. Flüchtlingskinder unterliegen der Schulpflicht und sollen so schnell wie möglich in einer regulären Schule unterrichtet werden. Grundsätzlich ist der Besuch der örtlichen Schulen vorgesehen. Zur Absicherung der Kapazitäten in Kitas und Grundschulen etc. planen die Bezirke aktuell die Bereitstellung der erforderlichen Plätze.

Zudem stehen innerhalb jeder Tempohome-Einrichtung ein Kinderspielzimmer und ein Schularbeitsraum zur Verfügung, in denen Kinder und Jugendliche betreut werden können.

19. Wie ist die Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner gewährleistet?

Das Sicherheitskonzept wird jeweils mit dem Landeskriminalamt abgestimmt. Ein vom Betreiber beauftragter Wachschutz ist 24 Stunden vor Ort. Im Bereich der Außenanlagen kann eine Videoüberwachung vorgesehen werden, sollte dies aus Sicherheitsgründen erforderlich sein. Der zuständige Polizeiabschnitt ist ebenfalls von Beginn der Baumaßnahme informiert und fährt regelmäßige Streifentouren an dem jeweiligen Standort. Außerdem ist eine Zaunanlage rund um jedes Grundstück geplant.

Anlage 1 Grundrisse Tempohomes

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