Demo: «Wir nehmen uns die Oranienstraße»

Demo: «Wir nehmen uns die Oranienstraße»

Trotz der Corona-Verbote wollen linke und linksradikale Demonstranten am Abend des 1. Mai in Berlin die Oranienstraße in Kreuzberg besetzen.

Ein Demonstrant spricht mit Mundschutz in ein Mikrofon

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Ein Demonstrant spricht bei einer Kundgebung mit Mundschutz in ein Mikrofon.

Das wurde am Freitagmorgen über Twitter zusammen mit neuen Details angekündigt. «Am 1. Mai nehmen wir uns die O-Straße. Pünktlich um 18 Uhr werden wir uns in und um diese Straße in Kreuzberg 36 versammeln.»
Dabei wollen die Demonstranten Abstand zueinander halten und gleichzeitig ihre Forderungen auf Transparenten, Pappschildern und mit Sprechchören präsentieren, unter anderem die Evakuierung des griechischen Flüchtlingslagers Moria. Die Initiatoren hoffen auf eine vierstellige Zahl von Menschen: «So sind wir alle trotz der Abstände doch gemeinsam auf der Oranienstraße präsent. Das wird vielleicht der großartigste Moment des Tages.» So eine Demonstration ist derzeit verboten, weil jegliche politische Versammlungen und Ansammlungen von mehr als 20 Menschen auch mit Abständen nicht erlaubt sind.
Rote Nelke
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1. Mai in Berlin

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Der Protest soll der Ersatz für die sonst übliche «Revolutionäre 1. Mai-Demonstration» gegen den Kapitalismus am Abend des 1. Mai sein. Eine große politische Kundgebung in Corona-Zeiten hatten 2000 Menschen am Sonntag in der israelischen Hauptstadt Tel Aviv abgehalten. Dabei füllten sie einen ganzen Platz - jeweils mit Abstand zueinander.

Veranstalter: «Wir nehmen die Schutzmaßnahmen ernst.»

In Kreuzberg wollen die Aktivisten um 18.20 Uhr einen neuen Versammlungsort für 18.40 Uhr über das Internet bekannt geben. «Wir werden uns zerstreuen - auf verschiedenen Wegen, Neben- und Seitenstraßen. Und wir kommen dann von allen Seiten pünktlich auf den neuen Ort zu.» Um 20.00 Uhr sollen dann im ganzen Kiez Feuerwerke gezündet werden. Die Veranstalter betonten: «Wir nehmen dabei die Schutzmaßnahmen ernst.» Auch die Polizei solle Abstand halten.

5000 Polizisten am 1. Mai im Einsatz

Innensenator Andreas Geisel (SPD) und die Polizei kündigten an, solche Demonstrationen schnell aufzulösen. Etwa 5000 Polizisten sind dazu im ganzen Stadtgebiet im Einsatz. In der Walpurgisnacht zum Freitag konnten die linksradikalen Initiatoren kaum Unterstützer mobilisieren. Jeweils deutlich weniger als 100 Menschen beteiligten sich am Donnerstagabend an zwei Versammlungen in Friedrichshain. Die Polizei hatte keine Mühe, die Menschen friedlich zu zerstreuen. Sie stellte bei vielen Teilnehmern die Personalien wegen Verstößen fest. Die Polizei sprach von einer mittleren zweistelligen Anzahl. Eine vollständige Bilanz zur Walpurgisnacht wollte die Polizei am Freitag vorlegen.

Erneute Demo am Rosa-Luxemburg-Platz

Am Nachmittag des 1. Mai sollte es zudem bunte Protestaktionen im Villen-Stadtteil Grunewald geben. Geplant ist ein Autokorso mit acht Fahrzeugen von Neukölln nach Grunewald mit maximal 20 Teilnehmern. Gegner der Corona-Eindämmungsverordnungen wollen ab 15.30 Uhr auf dem Rosa-Luxemburg-Platz demonstrieren, obwohl auch diese Versammlung nicht erlaubt ist. An den vergangenen Samstagen hatten sich dort Hunderte getroffen, unter ihnen auch Rechtspopulisten und Anhänger von Verschwörungstheorien.

Zuletzt dämmten Straßenpartys die Gewalt ein

Von den späten 80er- bis in die 2000er-Jahre lieferten sich tausende Demonstranten aus der linksradikalen Szene am 1. Mai in Kreuzberg Straßenschlachten mit der Polizei. In späteren Jahren gab es stundenlange Demonstrationen, gefolgt von einem kurzen Anrennen gegen die Staatsmacht.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: 1. Mai 2020