Berlinale 2019: Goldener Bär geht an «Synonyme»

Berlinale 2019: Goldener Bär geht an «Synonyme»

Bei der Berlinale gibt es einen Überraschungssieger: Der israelische Regisseur Nadav Lapid gewann für das Drama «Synonyme» den Goldenen Bären.

Nadav Lapid freut sich über den Goldenen Bären

© dpa

Nadav Lapid, Regisseur des Films «Synonyme» freut sich über den Goldenen Bären.

Das Drama «Synonyme» über einen jungen Israeli hat bei der Berlinale überraschend den Goldenen Bären gewonnen. Regisseur Nadav Lapid erzählt darin die Geschichte eines Mannes, der in Paris seine israelischen Wurzeln hinter sich lassen möchte. Den Gewinner des Hauptpreises gab Jurypräsidentin Juliette Binoche am Samstagabend (16. Februar 2019) in Berlin bekannt.

Auszeichnung überrascht Kritiker

Lapid wurde 1975 in Tel Aviv geboren, zog nach seinem Militärdienst nach Paris und wieder zurück. «Ich glaube, das sind Fragen, die Menschen überall in der Welt angehen: Wie weit wir uns von unserer Identität lossagen und eine neue entwickeln können», sagte Lapid über seinen Film. Die französisch-israelisch-deutsche Koproduktion galt unter Kritikern nicht unbedingt als Favorit.

Regie: Silberner Bär für "Ich war zu Hause, aber"

Auch deutsche Kandidaten waren bei den 69. Internationalen Filmfestspielen erfolgreich. So ging der Silberne Bär für die beste Regie an Angela Schanelec. Die 57-Jährige erzählt in «Ich war zuhause, aber» davon, wie eine Mutter mit dem Tod ihres Partners umgeht. Es ist aber auch ein Film über die Kunst an sich.

"Systemsprenger" erhält Alfred-Bauer-Preis

Das Drama «Systemsprenger» der deutschen Regisseurin Nora Fingscheidt bekam den Alfred-Bauer-Preis. Damit wird ein Spielfilm geehrt, der «neue Perspektiven eröffnet». Der Film handelt von einem gewalttätigen Mädchen, das von einer Unterbringung in die nächste geschoben wird und das Jugendhilfesystem an seine Grenzen bringt.

"Gelobt sei Gott", Yong Mei und Wang Jingchun geehrt

Den Großen Preis der Jury holte am Samstagabend der französische Regisseur François Ozon mit «Gelobt sei Gott» über Missbrauch in der katholischen Kirche. Als beste Darsteller wurden die Chinesen Yong Mei und Wang Jingchun ausgezeichnet: Sie spielen in «So Long, My Son» ein Ehepaar, dessen Schicksal über 30 Jahre hinweg begleitet wird.

"Piranhas" erhält Bären für bestes Drehbuch

Der Silberne Bär für das beste Drehbuch geht an ein Team um den Autor und Mafiakritiker Roberto Saviano. Der Italiener stellte auf der Berlinale den Film «Piranhas» vor, der von einer Jugendbande in Neapel erzählt, die in Drogengeschäfte abrutscht. Geehrt wurde auch der Kameramann Rasmus Videbæk für eine «herausragende künstlerische Leistung» im skandinavischen Film «Pferde stehlen».

Letzte Berlinale unter Dieter Kosslick

Die Berlinale wurde in diesem Jahr zum letzten Mal von Dieter Kosslick geleitet. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) würdigte Kosslick als «wahren Filmhelden». Er habe die Berlinale stets an den Fronten der großen, kontroversen Debatten unserer Zeit positioniert. Unter Kosslick habe sich die Berlinale zum größten Publikumsfestival entwickelt.

Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek übernehmen

Rund 400 Filme standen in diesem Jahr auf dem Programm. Nach Kosslick übernimmt eine Doppelspitze die Führung: Neuer künstlerischer Leiter der Berlinale wird der Italiener Carlo Chatrian, ihm zur Seite steht Mariette Rissenbeek als geschäftsführende Leiterin.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: 17. Februar 2019