Justizhauptwachmeister/-in

Mitarbeiter der Berliner Justiz
Bild: Caro Hoene / Die Berliner Justiz

Gerichte regeln Konflikte – in geschäftlichen Dingen, bei Straftaten oder in Familienstreitigkeiten. Entsprechend hoch ist das Konfliktpotenzial. Für die Sicherheit im Gericht sind Justizhauptwachtmeister/innen verantwortlich. Sie kontrollieren Besucherinnen und Besucher am Einlass, führen Strafgefangene in den Gerichtssaal und beaufsichtigen sie während der Zeit im Gericht. Wenn ein Streit zwischen Prozessbeteiligten eskaliert, ein Feuer ausbricht oder ein Überfall stattfindet, sorgen sie für die Wiederherstellung der Sicherheit, unter Umständen sogar für die Räumung des Gebäudes. Die Justizhauptwachtmeister/innen sind umfassend für die Sicherheit der Menschen im Gericht, der Kläger/innen und Beklagten, der Zeugen/innen, der Zuhörer/innen, der Richter/innen, der Vertreter/innen der Staatsanwaltschaft und aller anderen am Gericht Tätigen verantwortlich. Mitunter sind im Bereich der Gerichte und der Staatsanwaltschaft auch Verhaftungen vorzunehmen.

Aufgaben

Justizhauptwachtmeister/innen nehmen vorrangig Sicherheitsaufgaben wahr und bilden eine wichtige Kontaktstelle zwischen dem rechtsuchenden Publikum und der Justiz. Weil in diesen sicherheitsrelevanten Bereichen Zuverlässigkeit besonders wichtig ist, wird ihnen der Beamtenstatus verliehen. Sie werden bei den Amtsgerichten, dem Landgericht, dem Kammergericht, bei der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, dem Verwaltungsgericht, dem Oberverwaltungsgericht, dem Sozialgericht, der Staatsanwaltschaft, der Amtsanwaltschaft und der Generalstaatsanwaltschaft tätig.

Justizhauptwachtmeister/innen arbeiten zum Beispiel in der Alarmzentrale eines Gerichts, kontrollieren am Eingang, dass keine Waffen oder gefährlichen Gegenstände ins Gericht gelangen, und sorgen im Gerichtssaal für die Sicherheit der Anwesenden. Auch die sensible Post, die ins Gericht gelangt oder von hier verschickt wird, etwa von der oder an die Staatsanwaltschaft, muss besonders sorgfältig bearbeitet werden. Schließlich handelt es sich um wichtige Dokumente und Akten, die meist dem Datenschutz unterstehen. Deshalb wird auch der Posteingang und -ausgang sowie die Postverteilung im Haus von Justizhauptwachtmeister/innen erledigt.

Gesundes Selbstvertrauen und eine gute körperliche Leistungsfähigkeit (Sportabzeichen des Deutschen Sportbundes als Beleg) werden für den Dienst vorausgesetzt. Sicherheits- und Deeskalationstrainings sind Teil der Ausbildung und werden auch im Beruf immer wieder nachgeschult. Justizhauptwachtmeister/innen müssen Verantwortung übernehmen können, in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf bewahren, sicher auftreten, besonnen handeln sowie fit genug sein für die Bewältigung von Konflikten und zur Wahrung der Sicherheit in den Justizgebäuden.

Beispiele aus dem Arbeitsalltag

Gerichte sind öffentliche Gebäude und für jeden frei zugänglich. Um die Sicherheit im Gericht zu gewährleisten, werden schon beim Betreten des Gebäudes Sicherheitskontrollen durchgeführt. Ähnlich wie an Flughäfen werden die Besucher/innen sowie ihr Gepäck von Justizhauptwachtmeister/innen auf Waffen und gefährliche Gegenstände wie Messer, Reizsprays, Schlagringe etc. untersucht. Diese gefährlichen Gegenstände werden den Besucher/innen abgenommen, verwahrt und erst beim Verlassen des Gebäudes wieder ausgehändigt. Die Arbeit erfordert Fingerspitzengefühl, denn nicht jeder sieht den Sinn und Zweck dieser Maßnahmen ein. Freundlich, aber bestimmt und ohne die Situation eskalieren zu lassen, müssen die Justizhauptwachtmeister/innen an der Eingangskontrolle die Vorgaben der Sicherheitsbestimmungen durchsetzen.

Die diensthabenden Justizhauptwachtmeister/innen der Alarmzentrale haben alle sicherheitsrelevanten Orte im Gericht per Kameraüberwachung im Blick: die Eingänge, die Vorführstelle, die Gerichtssäle, die Flure und die Notausgänge. In der Alarmzentrale melden sich die Beamt/innen bei Dienstbeginn an und teilen den Kolleg/innen während des gesamten Tages mit, wo sie sich im Gericht an diesem Arbeitstag jeweils befinden. Im Notfall kann die betroffene Beamtin bzw. der betroffene Beamte über das Funkgerät Alarm auslösen und so in der Alarmzentrale um Hilfe bitten. Auch befinden sich an vielen Stellen im Gericht fest installierte Notalarmknöpfe, durch die die Alarmzentrale über Notsituationen im Gericht informiert werden kann. Die Beamt/innen in der Alarmzentrale haben auch die Kontrolle über Fluchttüren. Das ist vor allem bei einem Brand oder auch bei der Flucht eines Delinquenten bzw. einer Delinquentin wichtig.

Steht der Gerichtstermin einer/eines Beschuldigten an, die/der in Untersuchungshaft sitzt, wird sie/er aus der Haftanstalt – zumeist über einen unterirdischen Haftgang – ins Gerichtsgebäude gebracht. Bis zur Verhandlung verbleibt die/der Strafgefangene in einer Haftzelle in der Vorführstelle. Von hier bringen dann zwei Justizhauptwachtmeister/innen sie/ihn zu seiner/ihrer Verhandlung in den Gerichtssaal. Weigert sich die/der Gefangene, muss man dabei notfalls auch Zwang anwenden. Auch deshalb sollte ein/e Justizhauptwachtmeister/in einigermaßen kräftig sein. Die Justizhauptwachtmeister/innen bleiben während der gesamten Zeit, die die/der Beschuldigte in der Verhandlung sitzt, im Gerichtssaal. Anschließend bringen sie sie/ihn wieder in die Vorführstelle zurück. Im Kriminalgericht mit seinen rund 70 Gerichtssälen ist für diese Aufgabe ein gutes Orientierungsvermögen gefragt, denn der Weg von der Vorführstelle in den Gerichtssaal kann lang und kompliziert sein.

Es kommt auch vor, dass Beschuldigte, die noch nicht verhaftet worden sind, glauben, einer Ladung des Gerichts nicht Folge leisten zu müssen. Wer nicht freiwillig zum Gerichtstermin erscheint, wird eventuell polizeilich vorgeführt. Hier muss die/der Geladene bis zum Verhandlungsbeginn in einem Verwahrraum warten. Der Personalausweis wird der/dem Geladenen abgenommen, bis der Auftritt vor Gericht beendet ist. Erst dann erhält sie/er seine Papiere zurück und darf gehen.

Auch bei Gerichtsverhandlungen, an denen keine Untersuchungshäftlinge beteiligt sind und niemand vorgeführt werden muss, werden Justizhauptwachtmeister/innen benötigt. Sie sorgen als Saalwachtmeister/innen allgemein für die Sicherheit aller Personen im Gerichtssaal. Bei Verhandlungen über Familienstreitigkeiten ist es in der Vergangenheit schon zu Massenschlägereien gekommen, die dann von den Beamten geschlichtet werden mussten.

Man sollte fit sein für den Beruf. Sowohl in der Ausbildung als auch später im Beruf erlernt man in speziellen Sicherheitstrainings Abwehrtechniken oder deeskalierende Maßnahmen, spielt Geiselbefreiungen oder die Vorführung von Häftlingen nach. So wird man für Gefahrensituationen sensibilisiert, um dann im Alltag adäquat reagieren zu können. Auch eine turnusmäßige Nachschulung, bei der der Einsatz von Hilfsmitteln im Notfall (wie Pfeffersprays) und Erste-Hilfe-Maßnahmen geübt werden, gehört zum Arbeitsalltag der Justizhauptwachtmeister/innen.

Die Post, die das Gericht verlässt oder dem Gericht zugestellt wird, beinhaltet teilweise hochsensible Daten. Schließlich geht es um Strafverfahren oder Rechtsstreitigkeiten. Eine wichtige Aufgabe der Justizhauptwachtmeister/innen ist deshalb auch die Tätigkeit in der Post- und Verteilerstelle. Das Datum des Posteingangs wird auf den Briefen, die eintreffen, vermerkt; Briefe, Faxe oder eingehende E-Mails werden an die zuständigen Personen im Gericht weitergeleitet. Beim Postausgang kommt es darauf an, dass bei der Versendung und späteren Zustellung keine Fehler passieren, wie die Verwendung von zu geringem Porto oder inkorrekten Adressen. Nur so kann der Betrieb im Gericht reibungslos funktionieren.

Ausbildung

Zu Beginn der Ausbildung (dem sogenannten Vorbereitungsdienst) und mit der Berufung in das Beamtenverhältnis auf Widerruf erfolgt die Ernennung zur Justizhauptwachtmeisteranwärter/in. Die Ausbildung dauert insgesamt sechs Monate und umfasst einen Fachlehrgang und eine praktische Unterweisung an einem Ausbildungsgericht.

Praktische Ausbildung

  • Einführung in die Aufgaben des Justizwachtmeisterdienstes am Arbeitsplatz (Straf- und Zivilsachen)
  • Vermittlung der notwendigen Kenntnisse der geschäftlichen Einrichtung der Justizbehörden und der anzuwendenden Vorschriften (insbesondere Zustellungswesen, Sitzungs-, Vorführungs-, Sicherheits- und Ordnungsdienst)
  • Hospitation im Strafvollzug
  • Sicherheitstrainings für einsatzbezogene Selbstverteidigungs- und Abwehrtechniken
  • Grundlagen der Durchsuchung von Personen und Gebäuden
  • Erste-Hilfe-Kurs

Theoretische Ausbildung (Fachlehrgang von insgesamt 6 Wochen)

  • Aufbau des Staates, insbesondere Aufbau der Gerichte und Justizorgane
  • Grundzüge des Straf- und Zivilrechts
  • Übersicht über das Beamtenrecht
  • Voraussetzung der Anwendung unmittelbaren Zwanges einschließlich des Gebrauchs der Hilfsmittel zur Durchsetzung des unmittelbaren Zwanges
  • Grundzüge des Waffenrechts
  • Sicherheits- und Fitnesstraining
  • Deeskalationstraining, Gesprächstechniken und Stressmanagement
  • Techniken zur Abwehr und Eigensicherung
  • IT-Grundlagen

Ausbildungsabschluss
Eine Abschlussprüfung muss nicht abgelegt werden. Wer den Vorbereitungsdienst erfolgreich abgeleistet hat, wird in der Regel als Justizhauptwachtmeister/in in das Beamtenverhältnis auf Probe übernommen. Eine Übernahmegarantie besteht nicht.

Verdienst

… während der Ausbildung

Der Grundbetrag beträgt zurzeit monatlich 1033,44 €. Bei entsprechendem Familienstand wird ein Familienzuschlag gewährt.

… nach Abschluss der Ausbildung

Nach erfolgreich durchlaufenem Vorbereitungsdienst endet das Beamtenverhältnis auf Widerruf in der Regel mit der Übernahme in das Beamtenverhältnis auf Probe, die allerdings nicht garantiert werden kann.

Nach der eventuellen Übernahme in das Beamtenverhältnis auf Probe erhalten Sie als Justizhauptwachtmeister/in Dienstbezüge, die der Besoldungsgruppe A 4 des Landesbesoldungsgesetzes für Berlin entsprechen. Der Grundgehaltssatz beträgt zurzeit anfangs 2.004,44 € zzgl. Amtszulage. Eine Erhöhung um 4,3 Prozentpunkte zum 01. September 2019 ist geplant. Hinzu kommen die jährliche Sonderzahlung (Weihnachtsgeld), ggf. eine Stellenzulage und Familienzuschläge. Hinzu kommen die jährliche Sonderzahlung (Weihnachtsgeld), ggf. eine Stellenzulage und Familienzuschläge. Auf Antrag werden zudem vermögenswirksame Leistungen gewährt.

Voraussetzungen

Für die Einstellung gelten bestimmte formelle Kriterien.

Zusätzlich sollten sie auch unserem Anforderungsprofil entsprechen.

Schwerbehinderte Bewerber/innen werden bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigt.

Die Bewerbung von Menschen mit Migrationshintergrund, die die Einstellungsvoraussetzungen erfüllen, ist ausdrücklich erwünscht.

Der Präsident des Kammergerichts behält sich entsprechend der Anzahl der eingehenden Bewerbungen vor, nur einen Teil der Bewerberinnen und Bewerber nach dem Prinzip der Bestenauslese am weiteren Auswahlverfahren teilnehmen zu lassen.

Karrieremöglichkeiten

Beförderungsmöglichkeiten bestehen zur Ersten Justizhauptwachtmeisterin bzw. zum Ersten Justizhauptwachtmeister (bis Besoldungsgruppe A 6).

Weitere Informationen

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Kampagnenseite Rechthaber-gesucht der Berliner Justiz. Dort finden Sie auch die Kontaktinformationen der jeweils zuständigen Ansprechperson.