Stickoxide und Verkehr

 Kfz-Verkehr - Abgaswolke
Bild: Sergiy Serdyuk - Fotolia.com

Die schädlichen Stickstoffdioxide stammen überwiegend aus dem Straßenverkehr und gehen dort vor allem auf Dieselfahrzeuge zurück. Immer mehr dieser Kraftfahrzeuge fahren auf Berliner Straßen und stoßen dabei auch mehr Stickstoffdioxid aus als die Hersteller versprochen haben. Kein Wunder, dass die Grenzwerte regelmäßig überschritten werden – mit entsprechenden Folgen für die Gesundheit der Berlinerinnen und Berliner. An einer Hauptverkehrsstraße stammt fast die Hälfte der Stickstoffdioxide aus den dort fahrenden Autos. Ein weiteres Viertel stammt aus den Abgasen des übrigen Kfz-Verkehrs in Berlin. Diese Abgase werden vom Wind über die Stadt verteilt und bilden zusammen mit den sonstigen Quellen wie Kraftwerken (2 %) oder Hausheizungen (4 %) die städtische NO2-Belastung. Etwa 14 % der NO2-Belastung stammt aus Quellen außerhalb Berlins, darunter auch der Straßenverkehr rund um Berlin.

NO2 Belastung,Stickstoffdioxid
Bild: SenUVK

Hauptverursacher Diesel-PKW

Diesel-Pkw sind heute die wichtigste Quelle für Stickoxide im Verkehr, gefolgt von Linienbussen, leichten Nutzfahrzeuge wie z.B. Lieferfahrzeugen und den Lkw, d.h. den schweren Nutzfahrzeugen über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht. Pkw mit Otto-Motor tragen dagegen mit 6 % nur wenig zum Ausstoß von Stickoxiden bei.

Hauptverursacher Diesel-PKW
Bild: SenUVK

Diesel-Pkw stehen im Fokus der Debatte um die Stickoxid-Belastung, weil sie im realen Verkehr sehr viel mehr NO2 ausstoßen als bei den Messungen im Labor, die für die Genehmigung der Fahrzeuge gefordert werden. Ein Euro-5-Diesel-Pkw hat real durchschnittlich mit 906 mg/km rund fünfmal höhere NOx-Emissionen im Vergleich zum Grenzwert (Euro-5-Grenzwert: 180 mg NOx/km). Bei Euro-6-Diesel-Pkw liegen die realen NOx-Emissionen sogar um mehr als den Faktor 6 über dem Grenzwert (real: 507 mg NOx/km, Grenzwert: 80 mg NOx/km). Dies liegt unter anderem an Motoreinstellungen, die den Kraftstoffverbrauch senken sollen aber gleichzeitig die NOx-Emissionen in die Höhe treiben. Außerdem funktionieren die Abgasreinigungssysteme oft bei tieferen Temperaturen nicht besonders gut.

Messungen im Labor finden bei 20 °C bis 30 °C statt, so dass auch leicht hohe Abgastemperaturen erreicht werden. Vorkehrungen für tiefere Temperaturen sind nicht Teil der Prüfung und fehlen daher meist. Das führt zu einem deutlichen Anstieg des NOx-Ausstoßes bei sinkenden Umgebungstemperaturen.

Die Schwächen des bisherigen Genehmigungsverfahrens für Pkw wurden inzwischen erkannt und die neuen Abgasstandards Euro 6d temp und Euro 6 d eingeführt. Für die Genehmigungen neuer Fahrzeugtypen müssen nun auch Messungen der realen Emissionen im Straßenverkehr durchgeführt werden. Für die Fahrzeuggenehmigung gelten die Grenzwerte ab September 2017 bzw. Januar 2020. Beim Verkauf von Neufahrzeuge ist Euro 6 d temp ab September 2019 und Euro 6 d ab Januar 2021 einzuhalten. Inzwischen sind die ersten dieser sauberen Dieselfahrzeuge im Verkauf. Wer heute einen neuen Diesel-Pkw kauft, sollte daher solche Fahrzeuge fordern.

Übrigens: Für Lkw muss schon seit 2013 die Einhaltung der Abgasgrenzwerte mit realen Messungen im Straßenverkehr nachgewiesen werden. Ein einzelner moderner Lkw mit 40 t Gesamtgewicht emittiert daher oft nicht mehr Stickoxide als ein Diesel-Pkw mit Euro 5 oder 6.

Bis die neuste Fahrzeuggeneration mit niedrigem Schadstoffausstoß in genügender Zahl auf der Straße fährt, dauert es in der Regel mehrere Jahre. Eine Verbesserung der Luftqualität ist deshalb nur zu erreichen, wenn die Automobilhersteller die bereits auf der Straße befindlichen Diesel-Pkw so nachrüsten, dass sie weniger Schadstoffe ausstoßen. Technisch ist das bei vielen Fahrzeugen möglich.

Langfristig wird die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs und des Radverkehrs zu attraktiven Alternativen zum Auto führen. Je mehr Menschen sich für Bus, Bahn oder das Fahrrad entscheiden können und wollen, desto besser ist es für die Berliner Luft und damit für die Gesundheit der Menschen. Jede vermiedene Autofahrt macht die Luft sauberer und gesünder. Wer heute umsteigt, trägt sofort zur Verbesserung der Luftqualität bei.