Häufige Fragen

Spiel der Fragen - Grün
Bild: styleuneed - Fotolia.com

Unter “Häufige Fragen” finden Sie einen Überblick zu den zentralen Themen in der Stickoxid-Debatte.

Stickoxide oder Stickstoffoxide sind Sammelbezeichnungen für die gasförmigen Oxide des Stickstoffs, dem Stickstoffmonoxid NO und dem Stickstoffdioxid NO2. Da es aufgrund der vielen Oxidationsstufen des Stickstoffs mehrere Stickstoff-Sauerstoff-Verbindungen gibt, werden sie auch mit NOx abgekürzt. Stickoxide entstehen bei der Verbrennung von Treibstoff im Motor. Im Gegensatz zum klimaschädlichen Kohlendioxid wirkt sich NOx bei zu hoher Konzentration direkt auf den Menschen aus. Vor allem das Stickstoffdioxid (NO2) ist für den Menschen gefährlich.

zuklappen

Hauptverursacher der NO2-Belastung ist der Straßenverkehr. Gut die Hälfte der vom Kfz-Verkehr stammenden NO2-Belastung wird von Diesel-Pkw und kleinen Lkw verursacht. Diesel-Pkw stoßen im realen Betrieb sehr viel mehr NO2 aus, als von den Herstellern behauptet. Linienbusse sind in Straßen mit viel Busverkehr eine weitere bedeutende Quelle der Stickoxide.

zuklappen

In Berlin sind die NOx-Werte in der Luft wie in vielen anderen deutschen Großstädte zu hoch: Die am stärksten belasteten Straßenabschnitte liegen an der Leipziger Straße, Potsdamer Straße und Hauptstraße, der Reinhardtstraße, der Wilhelmstraße, der Brückenstraße und am Tempelhofer Damm und Mariendorfer Damm. Aber an fast allen 29 Messstellen in verkehrsreichen Straßen wurde der Grenzwert für NOx zum Teil deutlich überschritten.

Das Problem der hohen Stickoxidbelastung ist nicht auf die Bereiche rund um die Messstellen beschränkt, wie die Ergebnisse aktueller Simulationsrechnungen der Luftbelastung für das gesamte, 1.600 Kilometer lange Hauptverkehrsstraßennetz in Berlin zeigen. Diese Berechnungen wurden auf Grundlage der neuesten Daten zum Verkehrsaufkommen, zur Stauhäufigkeit, zu den Anteilen der verschiedenen Fahrzeugtypen und deren Schadstoffausstoß erstellt.

Sie zeigen Grenzwertüberschreitungen in fast 500 Straßenabschnitten mit einer Gesamtlänge von 60 Kilometern, die ganz überwiegend durch den Straßenverkehr und vor allem durch Dieselfahrzeuge verursacht werden.

Aktuelle Modellrechnungen gehen davon aus, dass im Jahr 2020 noch an rund 20 Straßenabschnitten mit einer Länge von etwa fünf Kilometern die Grenzwerte überschritten werden.

zuklappen

Vor allem die Atemwege werden belastet. Asthmatiker in entsprechenden Gebieten klagen über schlimmere Symptome. So mancher Nicht-Asthmatiker, der intensiven Stickoxiden ausgesetzt ist, bekommt die Atemwegserkrankung auch plötzlich über Nacht. In Berlin leben etwa 200.000 Erwachsene und 50.000 Kinder mit Asthma. Für alle diese Menschen bedeuten die hohen NO2-Konzentrationen häufigere und schwerere Asthmaanfälle, einen höheren Medikamentenbedarf und mehr Arztbesuche. Asthma ist nur ein Beispiel für die gesundheitlichen Auswirkungen von NO2. Zudem können Herz-Kreislauferkrankungen hervorgerufen werden.

zuklappen

Um die Gesundheit der Berlinerinnen und Berliner zu schützen, müssen die Grenzwerte eingehalten werden. Außerdem ist Berlin aufgrund der Überschreitung der Grenzwerte vom Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission betroffen. Die Einhaltung der Grenzwerte wird darüber hinaus von Bürgerinnen und Bürgern und von Umweltverbänden vor dem Berliner Verwaltungsgericht einklagt.

zuklappen

Berlin versucht mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket, die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger zu schützen und gleichzeitig den Weg Berlins zu einer klimafreundlichen und zukunftsfähigen Mobilität abzusichern. Mit zehn Sofortmaßnahmen sollen die Belastungen durch Stickoxide gesenkt werden. Darunter fallen unter anderem Förderprogramme für Taxis und wirtschaftsnahe Elektromobilität, beide mit dem Ziel, möglichst rasch viele Dieselfahrzeuge mit hoher Kilometerleistung aus dem Verkehr zu ziehen und durch umweltfreundliche Alternativen zu ersetzen. Weiter enthält das Paket die schrittweise Umstellung der landeseigenen Fahrzeugflotten auf E-Fahrzeuge, Nachrüstungsangebote für Fahrzeugtypen ohne vollelektronische Alternativen, den Ausbau der Infrastruktur für E-Ladestellen, Sofortmaßnahmen für stark stickoxidbelastete Gebiete, die Erhöhung der Attraktivität des ÖPNV, die Förderung des Radverkehrs, die Elektrifizierung von Car-Sharing-Angeboten sowie die Forderung einer bundesweiten Hardware-Nachrüstung für Diesel-Pkw.

zuklappen

Wenn Kfz und vor allem Dieselfahrzeuge weniger beschleunigen und statt dessen gleichmäßiger fahren, entstehen weniger Stickoxidemissionen. Verminderte Fahrgeschwindigkeiten und angepasste Ampelschaltungen sind geeignete Mittel, um eine gleichmäßige Durchfahrt durch die Berliner Straßenzüge mit möglichst wenig Halten und nachfolgenden Beschleunigungsphasen zu erreichen und den Verkehr im Ergebnis zu verstetigen. Im Rahmen der Pilotphase auf der Leipziger Straße und vier weiteren, stark belasteten Abschnitten von Hauptstraßen wird geprüft, ob sich eine Verstetigung des Verkehrs durch Tempo 30 und angepasste Ampelschaltungen erreichen lässt und wie sich weniger Stop-and-go auf die Luftqualität auswirkt.

zuklappen

Mit der Anordnung und Kontrolle von Tempo 30 in der Steglitzer Schildhornstraße konnte die lokale zusätzliche Belastung durch den Kfz-Verkehr um etwa 30 Prozent bei Feinstaub und 15 Prozent bei Stickstoffdioxid verringert werden. Das entspricht einer Reduzierung der Gesamtbelastung in der Schildhornstraße um etwa fünf bis zehn Prozent. Ein ebenfalls positives Fazit ergab sich nach der Anordnung von Tempo 30 in der Beusselstraße im Moabit und der Silbersteinstraße in Neukölln.

zuklappen