Baustopp für Kletterzentrum des Alpenvereins (Nr. 19/2012)

Pressemitteilung vom 02.05.2012

Der Alpenverein darf nach einem Eilbeschluss des Verwaltungsgerichts Berlin vorerst kein Kletterzentrum in Berlin-Mitte errichten bzw. nutzen.

Die Berliner Sektion des Alpenvereins plant die Errichtung eines Kletterzentrums in Berlin-Mitte. Das hierfür in Aussicht genommene Grundstück in der Lehrter Straße wird dem Verein vom Bezirksamt Mitte von Berlin unter Berufung auf das Sportförderungsgesetz zu einem deutlich günstigeren als dem marktüblichen Mietzins zur Verfügung gestellt (jährlich 1.132,92 Euro). Hiergegen wandte sich eine kommerzielle Betreiberin einer Kletterhalle in Berlin, die eigenen Angaben zufolge für die von ihr angemietete Halle eine monatliche Miete von 17.500 Euro zahlen muss. Sie meinte, die Förderung des Alpenvereins verstoße gegen die Beihilferegelungen des EU-Rechts.

Die 20. Kammer des Verwaltungsgerichts hat sich dieser Rechtsansicht angeschlossen und dem Bezirksamt aufgegeben, gegenüber dem Alpen-verein einen Bau- und Nutzungstopp auszusprechen. Die Antragstellerin, die sich in einer konkreten Wettbewerbssituation zum Alpenverein befinde, habe einen Anspruch darauf, dass das sogenannte gemeinschaftsrechtliche Durchführungsverbot beachtet werde. Danach darf eine Beihilfe, die – wie hier – nicht bei der Europäischen Kommission angemeldet wurde, nicht gewährt werden. Nach Ansicht der 20. Kammer spricht bei summarischer Prüfung viel für das Vorliegen einer Beihilfe. Es spiele keine Rolle, ob der Alpenverein mit oder ohne Gewinnerzielungsabsicht handele; das Kletterzentrum sei auch keine rein soziale Einrichtung ohne Marktbezug. Deshalb werde der Verein als Unternehmen tätig, das am Markt eine Dienstleistung anbiete. Die gewährte Begünstigung sei auch geeignet, den Wettbewerb zu verfälschen, weil nach einer Marktanalyse ein Preiskampf zwischen den Anbietern zu erwarten sei. Die dem Alpenverein durch staatliche Mittel gewährte Begünstigung sei schließlich geeignet, den Handel zwischen den Mitgliedstaaten zu beeinträchtigen, auch wenn der Alpenverein sich nicht selbst an grenzüberschreitenden Tätigkeiten beteilige.

Gegen den Beschluss kann Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg erhoben werden.

Beschluss der 20. Kammer vom 26. April 2012, VG 20 L 91.12